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Interview Alles mit dem Mund
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12:41 04.04.2013
Til von Dombois Quelle: Archiv Cz
Celle Stadt

Til, seit 2002 existiert eure fünfköpfige A-capella-Band „Fünf vor der Ehe“. Was reizt dich an der instrumentlosen Musik?

Es ist praktisch keine Instrumente schleppen zu müssen. (lacht) Ich habe an der Musikhochschule in Hannover studiert und mein Kumpel Tobias hat vorgeschlagen, eine A-cappella-Band zu gründen. Jetzt sind wir seit elf Jahren dabei. Mit deiner Stimme kannst du melodische und rhythmische Songs schaffen. Das finde ich beeindruckend.

Im Februar ist euer neues Album „Tigerbaby“ erschienen. Derzeit seid ihr auf Deutschlandtour. Am 14. April kommt ihr in die Celler CD-Kaserne. Wie erlebst du die Zeit mit der Gruppe?

Wir sehen uns häufig, aber haben immer eine tolle Zeit. Den Spaß haben wir uns bis heute bewahrt. Das ist wichtig, denn nur wenn du Spaß hast, kannst du gute Arbeit abliefern. Außerdem sind wir sehr verschieden. Das ist auch unser Erfolgsrezept.

Aber es ist sicherlich nicht immer einfach fünf Meinungen zu bündeln. Wer entscheidet am Ende?

Tatsächlich die Mehrheit. Wir sind eine basisdemokratische, aber trotzdem schnell agierende Band. Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, braucht man nur zwei Leute anrufen und hat eine Mehrheit. (lacht) Aber wichtige Entscheidungen besprechen wir auf jeden Fall zu fünft.

Wie würdest du eure Entwicklung über die Jahre beschreiben?

Wenn man unser erstes Album „Baby, nimm mich“ von 2005 mit dem neuen Werk vergleicht, haben wir im Songwriting einen Sprung gemacht. Wir machen uns mehr Gedanken über unsere Texte. Wir schreiben und singen auf Deutsch, das ist ein schwieriges Terrain. Wenn du nicht aufpasst, landest du schnell in der Schlagerecke. Die deutsche Sprache ist poetisch, aber Sätze wie „Ich liebe dich“ kannst du nicht mehr bringen. Das Gelände ist vermint.

Seit einem Jahr bist du Popkantor der Evangelischen Landeskirche Hannovers und zuständig für die Entwicklung der Musik im Jugendbereich. Sind christliche Lieder Liebeslieder für Gott?

Ich versuche möglichst diesen christlichen Holzhammer zu vermeiden. Besonders in der neuen christlichen Popmusik wird es ja oft sehr konkret, nach dem Motto „Jesus liebt uns und wir lieben Jesus.“ Das ist für mich etwas schwierig. Das will ich textlich anders angehen.

Also die gleiche Botschaft auf andere Weise vermitteln?

Man muss mit einem Christpop-Song nicht jedes Klischee erfüllen. Es geht auch anders, ohne dass jeder gleich mit dem Kopf schüttelt. Momentan ist die Landeskirche auf einem guten Weg. Ich habe bei dem Popkantor-Projekt einen großen Freiraum und kann Dinge entwickeln. Musikalisch orientiert sich die Musik an den aktuellen Charts.

Geht es mehr um Unterhaltung oder um das Wort Gottes?

Es gibt unterschiedliche Formen von Publikum. Die einen interessieren sich nur für den Klang, die anderen auch für den Text. Ich will eine Brücke schlagen zwischen christlicher Musik und Radiomusik. Natürlich geht es auch um Unterhaltung, aber dahinter steht mehr. Das Projekt kommt gut an. Wir haben die Musik in Schulen getestet und überraschend positive Rückmeldungen bekommen.

Von David Sarkar