Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Interview ,,Arbeitnehmer sind mit 50 noch kein Alteisen
Mehr Interview ,,Arbeitnehmer sind mit 50 noch kein Alteisen
16:52 13.09.2013
Andreas Dechert Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

Das Projekt "50TOP!" wurde ins Leben gerufen, um gezielt älteren Arbeitssuchenden Jobs zu vermitteln. Warum haben es Menschen über 50 Jahren so schwer, eine Anstellung zu finden?

Die bisher erzielten Ergebnisse zeigen deutlich, dass ältere Langzeitarbeitslose gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Denn neben Fachwissen bringen ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Werte und Tugenden mit, die in der heutigen Arbeitswelt wertvoll sind.

Welche besonderen Maßnahmen ergreifen sie, um ältere Arbeitssuchende zu vermitteln?

Ein ganzheitlicher Beratungsansatz ermöglicht den Vermittlungsfachkräften mit Empathie, Kreativität und Flexibilität eine erfolgreiche Integration in Arbeit. Wir sind „Unternehmensversteher“ und bieten den Unternehmen verlässliche Dienstleistungen an. Zudem fördern und fordern wir ältere Langzeitarbeitslose in ihren Stärken und Talenten durch Motivation, Aktivierung und Qualifizierung unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen individuellen Ausgangslage. Dabei entwickeln wir an den Bedarf vor Ort angepasste Konzepte, pflegen aber auch den Erfahrungsaustausch mit anderen Regionen.

Warum sollten Unternehmen unbedingt Leute im Alter von 50 Jahren und mehr einstellen?

Die Unternehmer zeigen sich zufrieden mit ihren älteren Arbeitnehmern, da diese bereits Berufserfahrung mitbringen. Auch die Lebenserfahrung ist, gerade für den Dienstleistungssektor oder generationsübergreifende Zusammenarbeit, etwa im Handwerk, von Vorteil. Aber auch für die Betriebe stellen wir Beratungs- und Unterstützungsangebote zur Verfügung.

Wie motiviert sind ältere Menschen bei der Suche nach Arbeit?

Aktuell erkennen Arbeitgeber immer mehr die Vorteile älterer Arbeitnehmer. Sie zeichnen sich durch Loyalität und Verlässlichkeit aus, sind flexibel und unabhängig und verfügen ferner über berufliche und persönliche Erfahrungswerte. Vor einigen Jahren wurden noch viele ältere Erwerbstätige mit diesen Vorzügen in Vorruhestand und Altersteilzeit geschickt.

Sehen sie politischen Handlungsbedarf und wenn ja, wie sähe der aus?

Es geht dabei nicht nur um fehlende Ressourcen und Kapazitäten, sondern vor allem darum, in der Gesellschaft und bei den Unternehmen für ein Bewusstsein zu sorgen, sich den demographischen Herausforderungen zu stellen.

Kann sich die Generation 50 Plus überhaupt noch auf neue Aufgaben einstellen?

Um die erfolgreiche und langfristige Vermittlung in Arbeit zu sichern, ist eine Nachbetreuung durch die Vermittlungsfachkräfte möglich.

Von Fabian Kaul