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Interview Celler DRK bringt das Krankenhaus mit
Mehr Interview Celler DRK bringt das Krankenhaus mit
17:07 07.11.2014
Von Jürgen Poestges
Interview mit Wilhelm Köhler Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Das Deutsche Rote Kreuz lebt sehr stark vom Ehrenamt. Haben Sie in dem Bereich Nachwuchsprobleme?

Wir haben derzeit rund 450 ehrenamtliche Mitarbeiter. Sicherlich gibt es bei uns die gleichen Probleme wie in anderen Organisationen. Zu viele Mitarbeiter hat man da ohnehin nie. Bei uns erstreckt sich das von der Blutspende bis hin zur Betreuung von Senioren oder Kranken. Es ist in Bergen sogar so, dass die Mitarbeiter dort auch die „Tafel“ unterstützen. Als ich vor 14 Jahren angefangen habe, hatten wird 160 Mitarbeiter, deswegen bin ich mit der Entwicklung zufrieden.

Können Sie von den Jugendlichen, die ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren, profitieren?

Das ist ein Bereich, in dem wir momentan nicht so aktiv sind. Wir haben den Anspruch, dass die Jugendlichen nach dem Jahr auch etwas mitnehmen für sich selber und nicht nur zum Kaffee kochen abgestellt werden. Allerdings ist bei diesen Jugendlichen das Problem, dass sie wieder aussteigen können, wenn sie merken, dass ihnen der Bereich nicht gefällt. Das war früher mit den Zivildienstleistenden anders. Die standen erst 15, später dann neun Monate zur Verfügung und konnten in einigen Bereichen eingesetzt werden. Da ging es im Schwerpunkt um Altenbetreuung.

Haben Sie ebenso wie zum Beispiel Sportvereine auch die Probleme damit, dass die Jugendlichen nach der Einführung der Ganztagsschule weniger Zeit haben?

Das ist definitiv so. Wir merken das bei unseren Treffen beim Jugendrotkreuz. Da kommen inzwischen weniger zu den Nachmittagen, weil sie einfach ihre knapp gewordene Freizeit anders nutzen. Wobei wir uns ja an diesen Treffen nicht nur mit dem Sanitätsdienst befassen. Da gibt es schon auch einmal Spielenachmittage oder etwas in der Richtung.

Lässt sich sagen, zu wie vielen Einsätzen Ihr Rettungsdienst gerufen wird?

Wir absolvieren im Jahr rund 27.000 Einsätze, das sind 2300 im Monat. 15 Fahrzeuge stehen zur Verfügung. Inzwischen ist es so, dass wir nicht den Verletzten so schnell wie möglich in ein Krankenhaus bringen – sondern wir bringen zur Erstversorgung das Krankenhaus praktisch mit. Die Ausstattung und die Fähigkeiten unserer Rettungssanitäter sind so gut, dass wir eine hervorragende Erste Hilfe leisten können. In den kommenden drei Jahren erhalten unsere Mitarbeiter außerdem eine Notfallsanitäter-Ausbildung. Da muss ein hoher Qualitätsstandard erfüllt werden.

Gibt es so etwas wie ein „Konkurrenzdenken“ mit anderen caritativen Institutionen?

Also, ich betrachte das nicht wirklich als Konkurrenz. Wir arbeiten alle für die Menschen. Bei uns ist es so, dass man immer mitarbeiten kann, auch wenn man nicht Mitglied im DRK ist. Es kommt nicht sofort jemand und wedelt mit einem Aufnahmeantrag. Es ist ja auch häufig so, dass einige vielleicht lediglich beim Besuchsdienst oder ähnlichen Einrichtungen mitarbeiten wollen. Davon wollen wir sie ja nicht abhalten.

Immer ein Thema ist die Altenbetreuung. Wie ist das DRK aufgestellt?

Wir betreiben in Hermannsburg ein Tagespflegeheim, in dem bis zu 15 Gäste gleichzeitig betreut werden. Aber mein Wunsch wäre es, den Bereich Alten- und Seniorenpflege noch weiter auszubauen. Mehr Leute mit mehr Zeit, um Hilfsbedürftige zu pflegen, das wäre ein Ziel. Für die Senioren ist das Gespräch mit den Betreuern wichtig.

Auf der Mitgliederversammlung gibt es Vorstandwahlen. Ist da mit Veränderungen zu rechnen?

Lediglich unser Schatzmeister scheidet aus. Ansonsten wird das Gremium so bestehen bleiben. Mir macht meine Aufgabe sehr viel Spaß.