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Interview Celler Jugendbuchwoche: Lesen ist Schlüssel zum Wissen
Mehr Interview Celler Jugendbuchwoche: Lesen ist Schlüssel zum Wissen
16:18 15.07.2014
Ibou Ndiaye Quelle: Susanne Harbott
Celle Stadt

Sie kommen aus dem Senegal und arbeiten bei Ihren Autorenlesungen viel mit der afrikanischen Tradition des Geschichtenerzählens. Wie muss man sich das vorstellen?

Mein Anliegen ist es, die Bedeutung der Erzählkunst in der Familie und in der Gesellschaft zu vermitteln, damit sie sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede zwischen Europa und Afrika erkennen. Erzählung hat eine lange Tradition in Afrika ebenso wie in Europa, wenn auch auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Afrikanische Erzählkunst vergleicht eher als sie belehrt, beinhaltet aber gleiche Ideale.

Vor einigen Jahren sollen Sie bei einer Autorenlesung eine Polonaise mit den Schülern durch die Schule gemacht haben. Wie kam es dazu?

Es war Fasching und ich hatte dort eine Lesung. Als Sie angefangen haben in der Aula Fasching zu feiern, wurde ich spontan dazu eingeladen. Somit konnte ich ein afrikanisches Lied auf einer Trommel spielen und anschließend einen kleinen Umzug improvisieren. Menschen feiern nun mal eigentlich überall Feste auf die gleiche Art und Weise.

Woher nehmen Sie die Inspiration für ihre Märchen-Geschichten?

Primär sind es mündlich überlieferte und selbst ersonnene Geschichten, die ich im Laufe der Jahre gesammelt habe. Ich verstehe mich als Sammler und Jäger nach „Beute“, die ich in meinen Geschichten traditionell aber auch ganz modern zu bildhaften Gleichnissen verarbeiten kann.

Warum ist das Lesen Ihrer Meinung nach so wichtig?

Lesen fördert für mich die Phantasie und ist der Schlüssel, sich Wissen zu erschließen, Geschehen festzuhalten und in einer eher multimedial ausgerichteten Welt zu entschleunigen. Die Europäer haben nun mal die Uhr und die Afrikaner die Zeit.

Sie sind Musiker, Entertainer, und Schriftsteller in einer Person – welche Rolle spielt die Kunst in ihrem Leben?

Die Kunst ist meine persönliche Leidenschaft schlechthin. Sie ist für mich ein authentisches Mittel, um Brücken zwischen Völkern und Kulturen zu schlagen und Sprachbarrieren zu überwinden. Mimik und Gestik funktionieren eigentlich überall gleich. Ein Lachen ist und bleibt nun mal ein Lachen – weltweit.

Viele Autoren wie Sie machen nicht das erste Mal bei der Jugendbuchwoche mit. Was ist das Besondere an Celle?

Die kollegiale Atmosphäre und die professionelle Betreuung der Bibliotheksgesellschaft sind für mich außergewöhnlich. Ein Zelt in der Stadt bietet einen idealen Rahmen, der Öffentlichkeit in einem Mikro-Kosmos meine Erzählung nahezubringen.

Die Stadt Celle ist klamm, auch die Bibliotheksgesellschaft muss mit Kürzungen rechnen. Was denken Sie, wenn Sie solche Nachrichten hören?

Kürzungen im Bildungs- und Kulturetat sind für mich als Autor und Vater generell eine bedenkliche Tendenz, der man nur mit hochwertigen Inhalten entgegenwirken kann. Gerade für Kinder und Jugendliche ist der Zugang zu Bildung, Kunst und Kultur extrem wichtig und bietet ein solides Fundament, sich gesellschaftlich zu behaupten.

Ihr Kabarett-Auftritt trägt den Titel „Schwarz drüber“ – worum geht es darin?

Ich will den Gästen den Spiegel vorhalten und zum Nachdenken über ihr eigenes Verhalten bewegen. Und das auf meine Art: immer mit einem Augenzwinkern und dem notwendigen Respekt. Eigene Erfahrungen helfen mir, mit überraschenden Effekten wie zum Beispiel Dialekten zu arbeiten. Original-Sprüche aus der jeweiligen Region erwartet man nun mal nicht von einem Schwarzafrikaner.

Von Kai Knoche