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Interview Cybermobbing: "Es reicht schon aus anders zu sein"
Mehr Interview Cybermobbing: "Es reicht schon aus anders zu sein"
19:24 06.02.2015
Von Carsten Richter
    Interview der Woche: Frank Hennecke Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Welche Formen von Cybermobbing gibt es?

Cybermobbing basiert auf den gleichen Tatumständen wie Mobbing. Lediglich die Methoden unterscheiden sich. Der Täter bedient sich des Internets, um andere absichtlich körperlich oder psychisch über einen längeren Zeitraum zu schädigen. Darüber ist es leicht möglich, das Opfer – unter Vermeidung des direkten Kontaktes – rund um die Uhr zu schikanieren oder bloßzustellen. Cypermobbing ist nicht mehr regional auf einen bestimmten Raum, zum Beispiel die Schule, begrenzt.

Das heißt, die Opfer sind überwiegend Jugendliche?

Es sind häufig Jugendliche, aber auch Kinder, die von Mobbing betroffen sind. Ihre persönlichen Konflikt-Strategien sind noch nicht vollständig ausgeprägt. Deshalb wird diese Altersgruppe schnell zu Opfern von aggressivem Verhalten, wobei die Anlässe für Mobbing häufig banal sind. Manchmal reicht es schon aus, einfach „anders“ zu sein als die Masse in der Gruppe. Dies kann sich bereits in Kleidung, Sozialstatus, aber auch in Verhaltensweisen oder kulturellen Zugehörigkeiten äußern.

Wie wirkt sich das Hänseln auf die Opfer aus?

Betroffene können eine Vielzahl von Symptomen aufweisen, die anderen psychischen Belastungen ähneln. Sie wirken bedrückt, nervös, angespannt und leiden unter schwerwiegenden psychischen und psychosomatischen Folgen. Diese können sich in Schlaf- oder Lernstörungen, Schulangst, Depressionen, Selbstverletzungen bis hin zu Suizidversuchen äußern.

Bei den Symptomen denkt man aber nicht unbedingt sofort an Mobbing ...

Opfer versuchen, die Situation herunterzuspielen und erfinden Ausreden, um am allgemeinen sozialen Leben nicht mehr teilnehmen zu müssen. Sie halten sich zum Beispiel von Sportvereinen oder Klassenfahrten fern. Vor der Teilnahme an solchen Veranstaltungen treten unerklärliche körperliche Beschwerden auf.

Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen Cybermobbing und sozialen Netzwerken wie Facebook?

Soziale Netzwerke sind das kommunikative Mittel der jungen Menschen schlechthin. Sie ermöglichen – neben dem direkten Mobbing – einem großen Publikum auch die Taten zu verfolgen, sie zu kommentieren oder zu unterstützen. Texte, Fotos und Videos können weiter verbreitet und somit einer nicht mehr zu kontrollierenden Anzahl von Personen zur Verfügung gestellt werden.

Wie können sich Jugendliche vor Angriffen schützen?

Kinder und Jugendliche sollten möglichst wenig Daten von sich im Internet preisgeben. Dies betrifft nicht nur Adressen und Telefonnummern, sondern auch Bilder und Videos. Mit Unterstützung der Eltern oder anderen Vertrauenspersonen sollten sie über die Sicherheitseinstellungen des entsprechenden Programms Kenntnis bekommen. Betroffene sollten die Angriffe nicht mit sich selbst ausmachen, sondern Vertraute einbeziehen und mit ihnen weiteres Vorgehen besprechen.

Da wäre zum Beispiel die Anzeige bei der Polizei. Was tun Sie gegen Cybermobbing?

Es gibt das Mittel der Strafverfolgung. Mobbing ist zwar kein eigener Straftatbestand, es können aber Straftaten wie Beleidigung, Nötigung oder Bedrohung erfüllt sein. Im Bereich der Gefahrenabwehr ist es außerdem möglich, dem handelnden Jugendlichen in einem Gespräch die Auswirkungen der Taten zu verdeutlichen. Schließlich kommt die Präventionsarbeit im Zusammenwirken mit der Schule in Betracht. Ziel sollte es nicht nur sein, den Täter von seinem Vorhaben abzubringen, sondern auch in der Klasse einen gemeinsamen Konsens gegen Mobbing zu entwickeln und dem Täter so die Bühne zu entziehen.