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Interview „Die Nachfrage nach Familiengräbern nimmt ab“
Mehr Interview „Die Nachfrage nach Familiengräbern nimmt ab“
12:53 11.11.2014
Nachgefragt bei Harry Sinkel, Friedhofsverwalter der acht kommunalen Celler Friedhöfe. Quelle: Martina Hancke
Celle Stadt

Wohin geht der Trend bei Bestattungen?

Die Nachfrage nach Familiengräbern nimmt kontinuierlich ab, während die Zahl an anonymen Gräbern steigt. In diesem Zusammenhang verzeichnen wir auch eine Zunahme der Feuerbestattungen. Wir führen jährlich etwa 800 Beisetzungen auf den kommunalen Friedhöfen in Celle
durch. Rund 50 Prozent entfallen auf den Waldfriedhof. Während das Verhältnis zwischen Erd- und Urnenbestattungen dort in den letzten Jahren noch bei 3 zu 1 lag, hatten wir 2013 ein Verhältnis von 50 zu 50.

Was macht anonyme Grabstätten so attraktiv?

Zum einen möchte die ältere Generation den Angehörigen die Grabpflege nicht mehr aufbürden. Sie wissen aus eigener Erfahrung, was das über Jahre bedeutet. Zum anderen ist die Mobilität der Menschen gewachsen. Die Kinder wohnen heute oftmals nicht mehr dort, wo die Eltern alt werden. Es wird für sie von daher immer schwieriger, sich regelmäßig um ein Grab zu kümmern.

Welche Folge hat der Wandel in der Bestattungskultur?

Insgesamt wird eine Umstrukturierung der Friedhofsanlagen nötig. Wo früher Reihengräber und Familiengrabstätten standen, werden jetzt Belegungsfelder in neuer Form gebraucht. Die Pflege für die Grabstätten wird zunehmend von Friedhofsgärtnern geleistet. Selbst auf die Steinmetze hat die Entwicklung Auswirkungen. Die Aufträge gehen zurück. Statt großer Familiengrabsteine werden kleine Platten nachgefragt.

Was wird mehr nachgefragt: voll- oder halbanonyme Bestattungen?

Eine zeitlang wurden eher vollanonyme Bestattungen nachgefragt. Mittlerweile geht die Tendenz zu halbanonymen Gräbern. Die Angehörigen möchten einen konkreten Ort haben, an dem sie in ihrer
Trauer zurückkehren können. Für die Älteren ist es ein Anliegen, nicht spurlos von dieser Erde zu gehen. Umso wichtiger ist es, Orte zu schaffen, die die Menschen schon zu Lebzeiten ansprechen. Orte, an denen sich Angehörige gern aufhalten, um sich zu erinnern.

Interview: Martina Hancke

Von Martina Hancke