Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Interview „Er war ein guter Berater und mein Freund“
Mehr Interview „Er war ein guter Berater und mein Freund“
18:11 05.02.2010
Mike Krüger tritt am 11. März mit seinem neuen Programm in der Celler CD-Kaserne auf. Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Celle Stadt

Wieso heißt Ihr neues Programm „Is das Kunst, oder kann das weg?“

Erstmal ist das eine Frage, die man sich häufiger stellt. Nicht unbedingt, wenn man nach Celle kommt, weil Celle als alte Residenzstadt aus wunderschönen Gebäuden besteht.

Das Bühnenprogramm heißt so, weil es von meinem Umzug handelt. Ich bin vor einiger Zeit von Quickborn zurück nach Hamburg gezogen. Da sind einige Umzugkartons übrig geblieben und die sind voll. Sie stehen dann auch auf der Bühne. Ich hole dort Sachen heraus und bespreche dann mit dem Publikum, ob das jetzt eigentlich Kunst ist oder ob ich das wegschmeißen soll. Ich frage das Publikum, ob sie etwas davon haben wollen. Manche Sachen lasse ich dann wahrscheinlich auch in Celle.. Das ist der rote Faden, der durch mein Programm führt.

Was ist denn in so einem Karton enthalten?

Ich habe in meinem Leben sehr viele tolle Auszeichnungen bekommen, aber natürlich auch viele merkwürdige Sachen. Da sind aber auch Sportutensilien, alte Klamotten, Jacken, Brillen und Fotos drin. Manches brauche ich auch, um mich beim Auftritt leicht zu verkleiden.

Sie stehen seit 35 Jahren auf der Bühne. Ermüdet Sie das Showgeschäft nicht langsam?

Wenn ich müde werden würde, würde ich es nicht mehr machen. Aber das neue Programm ist laut Aussage meiner Frau – mein größter und ehrlichster Kritiker – das beste meiner Karriere. Das hängt damit zusammen, dass ich die Erfahrung, die ich in den vielen Jahren gesammelt habe, jetzt geballt auf die Bühne bringen kann. Es ist mir anscheinend gelungen.

Haben Sie denn noch richtig Spaß daran, jeden Abend „Mein Gott, Walter“ zu singen?

Den Song gibt es natürlich als Zugabe. Meine Fans wissen das und freuen sich darauf. Das Schöne an solchen Liedern wie „Mein Gott, Walter“ oder „Der Nippel“ ist aber, dass ich nicht selber singen muss ­– das macht dann der Saal. Wenn ich Gitarre spiele, kann ich meine Stimme schonen.

Hätten Sie Interesse, eine Sendung wie „7 Tage, 7 Köpfe“ wieder zu starten?

Die Angebote sind immer wieder da. Nun ist es aber eine gefährliche Sache, etwas derart Erfolgreiches – wir waren ja zehn Jahre lang von den Einschaltquoten her die erfolgreichste Comedyshow in Europa – wieder aufzuwärmen. Von daher weiß ich nicht, ob man so was machen sollte.

Das Team hat sich während der Sendezeit einfach gesucht und gefunden und war dann über sechs Jahre zusammen. Das war natürlich toll. Der Produzent, Mentor und überhaupt derjenige, der diese Show geprägt hat – Rudi Carrell – ist leider verstorben. Das Ganze wieder aufleben zu lassen wäre eine große Herausforderung.

Sie haben lange Zeit mit Rudi Carrell zusammengearbeitet und waren gute Freunde. Wie würden Sie sein Schaffen für die Comedyszene beurteilen?

Rudi war durch „7 Tage, 7 Köpfe“ nicht nur mein Freund, sondern auch ein guter Berater. Er hat einem schon sehr gute Tipps gegeben. Rudi konnte die Comedyszene sehr gut analysieren. Wir haben bei „7 Tage, 7 Köpfe“ vielen jungen Kollegen auf die Beine geholfen, indem wir sie öfter bei uns zu Gast hatten. Mario Barth, Atze Schröder – wie sie alle heißen. Sie waren bei uns zu Gast, als sie noch nicht so bekannt waren. Von daher war „7 Tage, 7 Köpfe“ einer der Vorreiter in Sachen Comedy im Privatfernsehen.

Als was für einen Komiker würden Sie sich selber beschreiben? Sind Sie ein singender Spaßvogel?

Kann man sagen. Ich singe zwar immer noch – was ich auch wichtig finde und meine Fans auch –, aber der Wortanteil ist viel größer geworden, weil ich natürlich durch „7 Tage, 7 Köpfe“ mir angewöhnt habe, mehr Geschichten zu erzählen, als sie zu singen.

Stimmt es, dass Sie am Elbtunnel mitgearbeitet haben?

Das stimmt, jawohl. Ich bin jetzt auch Elbtunnel-Beauftragter vom NDR für meine Fernsehsendung geworden. Ich kann mich in der Sendung live in den Elbtunnel schalten, Staus auflösen oder mit genervten Menschen sprechen. Das ist ein kleiner Running Gag, den wir in meiner neuen Show im NDR haben werden.

Apropos Running Gag: Sie haben in „7 Tage, 7 Köpfe“ immer wieder den Gag mit der „schweren Kindheit“ gebracht. Ist sie wirklich so schlimm gewesen?

Es ist an allem, was man so erzählt, immer ein bisschen was Wahres dran. Daher greife ich den Aspekt auch in meinem Konzert-Programm auf, weil die Leute es erwarten. Meine Mutter ist gestorben, als ich drei Jahre alt war. Das sagt eigentlich schon alles. Danach wurde es dann nicht mehr so richtig lustig. Von daher ist an der Geschichte ein bisschen Wahres dran, aber Comedy überzeichnet natürlich so etwas.

Von Christian Uthoff