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Interview Gespräch vor Ort mit Tierpflegerin Jennifer Brandt
Mehr Interview Gespräch vor Ort mit Tierpflegerin Jennifer Brandt
21:29 06.08.2010
Interview der Woche: Gespräch mit Jennifer Brandt (Internationaler Katzentag) Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Warum sind Sie so von Katzen fasziniert?

Aufgrund ihres eigenwilligen, kratzbürstigen Wesens einerseits und ihrer wohltuend sanften, schnurrigen Art andererseits. Mit ihrer individuellen Persönlichkeit sind Katzen für mich ­– wie für viele andere Menschen auch – faszinierend. Den artgerechten Umgang mit ihnen zu üben ist eine besondere Herausforderung. Eine Katze lässt nichts zu, was sie nicht will. Sie lässt sich nicht beherrschen, erst recht nicht zwingen. Auf der Basis einer gleichsam gleichberechtigten Freundschaft liebt und lernt sie gern. Katzen lehren den Besitzer einen respektvollen Umgang, schaffen Nähe und Wohlbefinden und steigern Lebensqualität und Freude.

Was ist in jedem Fall zu beachten, wenn man sich eine Katze anschaffen will?

Zu allererst die relativ hohe Lebenserwartung der Katze. Dann sollte man an die Kosten für die grundsätzlichen Dinge denken: Kratzbaum, Näpfe, Körbchen, Kissen, Transportbox, Bürsten, Katzentoilette. Dazu kommen die regelmässig anfallenden Kosten für Futter, Katzenstreu, Spielzeug, Leckerbissen. Dann die Tierarztkosten für Impfungen, Kastration, Chipsetzen, etc. Außerdem sollte man sich darüber im Klaren sein, ob man überhaupt genug Zeit für das Tier aufbringen kann. Auch Katzen brauchen Aufmerksamkeit und Zuwendung. Zeit für Schmusen und Fellbürsten sollte schon drin sein. Letzteres ist besonders bei Langhaarkatzen wichtig. Auch an die Urlaubsvertretung sollte rechtzeitig gedacht werden. Bevor man sich eine Katze anschafft, sollte man sicher sein, das keine Katzenallergiker im Haus sind, um böse Überraschungen zu vermeinden. Zusätzlich müssen unbedingt alle Voraussetzungen bei Wohnungshaltung erfüllt sein, zum Beispiel: Darf die Katze jederzeit in den Garten, ist Einzelhaltung möglich?

Wenn Tierhalter in finanzielle Not geraten, sind häufig auch die Tiere betroffen. Haben Sie solche Fälle mit Katzen erlebt?

Ja, das kommt vor. Tiere werden abgegeben oder ausgesetzt. Armgewordene, Obdachlose, alte Menschen und Arbeitslosengeldempfänger ha-ben oft Probleme, die laufenden Kosten – besonders auch die regelmässig anfallenden Tierarztkosten und Notfälle – zu verkraften. Sie brauchen Hilfe. Für derlei Notfälle und Prekäres bietet das Tierheim Unterstützung. Mittlerweile gibt es sogenannte Tier-Tafeln, von denen bedürftige Tierhalter Futter, Streu und andere Utensilien bekommen können.

Was sind die häufigsten Ursachen dafür, dass Katzen im Tierheim landen?

Das kann durch einen Umzug geschehen. Im neuen Heim wird das Tier nicht geduldet. Oder es tritt eine Katzenallergie auf. Auch Erkrankungen oder Zeitmangel des Besitzers können Gründe sein. Manchmal kommen sie einfach nur abhanden, laufen weg, werden abgegeben. Wenn ein Tier entlaufen ist oder vermisst wird, sollte immer im nächst gelegenen Tierheim nachgefragt werden. Allerdings kann das Tier ungechipt dem Besitzer nicht zugeordnet werden. Deshalb ist die dringende Empfehlung des Tierheims, die Katze mit einem Mikrochip vom Tierarzt markieren zu lassen. Die Kosten betragen rund 35 Euro. Man liest und hört oft von vernachlässigten oder ausgesetzten Katzen. Erleben Sie dies häufig und wie ist die Tendenz hier in Celle?

Im Tierheim abgegebene Katzen sind Tierheim-Alltag. Sie werden ausgesetzt, zurückgelassen, angefahren und verletzt auf der Straße liegen gelassen. Man findet sie herumstreunend, krank und schlecht ernährt vor. Das ist menschliches Versagen. Es wird sich nicht genügend gekümmert: Solche Versäumnisse führen zum Katzenelend und unkontrolliertem Vermehren der Katzen. Katzenleid mit steigender Tendenz gibt es auch in Celle. Aber es gibt sie noch: die Anrufe aufmerksamer Bürger in Stadt und Landkreis Celle beim Tierheim-Notruf tagsüber und mitten in der Nacht. Und wenn es heisst „Katze in Not“, dann wird aufgestanden und geholfen – rund um die Uhr. Dass wir Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Tierheims das tun können und dürfen, darauf sind wir ein wenig stolz

Wie lautet Ihr Wunsch für die Katzen zum morgigen Weltkatzentag?

An diesem Weltkatzentag und für jeden anderen Tag wünsche ich mir für die Katzen dieser Welt ein friedliches Miteinander mit Menschen, die sich der Verantwortung für die Schöpfung bewusst sind und diese wunderbaren Geschöpfe so sein lassen, wie sie gedacht sind: eigenwillig und eigensinnig, anschmiegsam und verspielt und immer mit purer Lust am Sein.

Von Julia Kreikenbohm