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Interview Interview: "Miteinander über Bedürfnisse reden"
Mehr Interview Interview: "Miteinander über Bedürfnisse reden"
17:56 21.12.2016
Menschen drängen sich gehetzt durch die Innenstädte, um letzte Besorgungen für ein schönes Weihnachtsfest zu machen. Für viele gehört der Stress zur Adventszeit dazu.  Quelle: Bernhard Classen/Jochen Tack/Jens Schulze (Archiv)
Celle

Früher war es so, dass viele unserer Klienten vor Weihnachten noch schnell einen Termin haben wollten. Gerade wegen des Themas Weihnachtsstress. Am Ende hatte sich der Andrang dann aber doch relativiert, da viele, auch gerade wegen des Stresses, ihre Termine wieder abgesagt haben. Mittlerweile wollen etwas weniger Menschen direkt vor Weihnachten noch eine Beratung machen. Denn viele Paare haben gemerkt, dass sie sich den Stress zu Weihnachten einfach nicht mehr aussetzen wollen.

Wie kommt es überhaupt, dass viele die Feiertage als besonders stressig empfinden?

Das hängt mit den Erwartungen zusammen, die wir zu dieser Zeit an uns gerichtet sehen und die jeder Einzelne für sich hat. Zum Beispiel erwartet jeder, dass es harmonisch ist, dass wir uns alle wohlfühlen, dass das Essen schmeckt und so weiter. Je mehr dieser Erwartungen wir mit einem Ereignis wie Weihnachten in Verbindung bringen, desto eher besteht die Gefahr, dass Stress entsteht.

Wie könnte man den Stress vermeiden?

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Man kann die Feiertage zum Beispiel einfach auf sich zukommen lassen und für sich sagen, für mich ist das eine Zeit der Ruhe und ich unterwerfe mich den Erwartungen einfach nicht. Man kann aber auch planen. Dabei ist es in Familien wichtig, miteinander zu reden und auf die gegenseitigen Bedürfnisse zu achten. Denn es bringt nichts, wenn ich als Elternteil zum Beispiel einen Weihnachtsspaziergang anordne, auf den die Kinder vielleicht gar keine Lust haben. Dann entsteht wieder nur Stress.

Gibt es Personen, für die die Weihnachtszeit besonders schwierig ist?

Menschen, die erst vor Kurzem eine Trennung erlebt haben, können es zu Weihnachten besonders schwer haben. Bei ihnen können Erinnerungen hochkommen, wie es im letzten Jahr war und es stellt sich die Frag e, wie wird es jetzt in diesem Jahr? Wenn der alte Partner dann noch eine neue Beziehung hat, kann das Kopfkino losgehen. Auch die Frage, wie man mit den gemeinsamen Kindern Weihnachten feiert, getrennt oder zusammen, kann belasten. Dabei gibt es kein Patentrezept. Die Eltern kennen ihre Kinder und sollten demnach entscheiden, was für sie das Beste ist. Jugendliche sollte das Angebot bekommen, dass sie bei beiden Elternteilen willkommen sind, aber dass es ihre Entscheidung ist, wie sie Weihnachten feiern.

Wäre verreisen nicht die beste Alternative, um der weihnachtlichen Hektik zu entkommen?

Es ist eine Möglichkeit, aber keine dauerhafte Lösung. Wenn man sich einmal dafür entscheidet, ist das in Ordnung. Wenn wir aber dauerhaft versuchen, dem Stress so zu entfliehen, dann holt er uns irgendwann ein. Möchte man dem Stress beikommen, so ist es wichtig, miteinander über die eigenen Bedürfnisse zu reden und die eignen Erwartungen nicht so hoch zu hängen. Es kann auch nicht schaden, sich immer mal wieder darauf zu besinnen, warum wir Weihnachten überhaupt feiern. Und das es dabei nicht nur um gutes Essen, Traditionen und Geschenke geht. Wenn man sich das vor Augen führt, kann es helfen, den Stress an Weihnachten zu minimieren.