Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Interview Interview mit Carolin No: "Der Soundtrack unseres Jahres"
Mehr Interview Interview mit Carolin No: "Der Soundtrack unseres Jahres"
19:14 04.02.2015
 Carolin und Andreas Obieglo gehen beruflich wie privat gemeinsame Wege. Zusammen sind sie Carolin No.  Quelle: Daggi Binder
Celle Stadt

Das neueste Album „Backstage“ von Carolin No, mit dem Carolin und Andreas Obieglo momentan auf Tournee sind, wird aktuell von einer Fachzeitschrift als „Klangtipp des Monats“ empfohlen und das Duo als „etablierte audiophile Größe“ auf dem Musikmarkt gefeiert. Schon 2010 erhielten die beiden den „Nachwuchsförderpreis für junge Songpoeten“, mittlerweile hat das Ehepaar sechs erfolgreiche Alben herausgebracht und ist immer wieder auf Tour.

Ihre neue CD „Backstage“ ist countrylastiger als die Vorgänger, ist das der Einfluss Ihres längeren Trips durch die USA oder eine neue Ausrichtung?

Andreas: Das liegt wohl in erster Linie an den verschiedenen Slide-Gitarren und der Weissenborn, die wir seit unserem „Favorite Sin“-Album einsetzen. Jetzt kam noch eine „Zigarren-Box-Gitarre“ dazu, die wir auf dem Folk-Festival in Claremont erstanden haben. „Backstage“ ist so etwas wie der „Soundtrack unseres letzten Jahres“, da hört man dieses Land, seine Natur und auch die Musik natürlich heraus.

Ihre neuen Songs scheinen oft noch „entschleunigter“ – sentimental, träumerisch, sehnsüchtig?

Carolin: Der Eindruck entsteht wohl durch das vorwiegend akustische Gewand der Songs. Aber ehrlich gesagt lassen wir es auf „Backstage“ auch ganz schön krachen.

Entspricht diese Musik auch persönlich Ihrem Temperament – sind Sie eher ruhig und gelassen?

Andreas: Eigentlich schon, letztlich kann man nur die Musik schreiben und glaubwürdig präsentieren, die zur inneren Grundstimmung passt. Allerdings gestalten wir unsere Songs auch gerne um. Viele Stücke entwickeln sich, etwa während einer Tour, zu etwas völlig neuem, das kann man auch auf „Backstage“ hören.

Welchen Stellenwert hat für Sie der Text? Stecken dahinter viele Botschaften?

Carolin: In vielen unserer Songs erzählen wir Geschichten. Meist kommt erst der Text, der ist uns wichtig, dann die Musik. Wenn der Song in der einfachen Form, nur mit Klavier- oder Gitarrenbegleitung klingt, machen wir uns auf die Suche nach spannenden Sounds und beginnen mit der Produktion.

Ich habe ein paar Lieder mit spanischem Rhythmus gehört und finde die richtig gut – keine Lust mal auf etwas Wilderes, oder ist das einfach nicht Ihr Ding?

Andreas: Spaß definiert sich ja nicht nur über Lautstärke oder Tempo. Außerdem muss man bei der Produktion eines Albums ganz andere Dinge beachten, als beim Erstellen eines Konzertprogrammes. Wir mögen das Konzept und das Format des Albums sehr und versuchen „auf Platte“ einen möglichst stimmigen Gesamtsound hinzubekommen. Bei einem Konzert gelten andere Spielregeln, da darf es auch gerne mal „wilder“ werden – solange die Balance stimmt.

Warum gibt es so wenig in Deutsch von Ihnen?

Carolin: „Carolin No“ ist eigentlich eine Band, die Englisch textet. Wenn wir in Deutsch oder Französisch gesungen haben, gibt das, wie auch unsere verschiedenen Instrumente, eine frische Klangfarbe. Aber wer weiß, vielleicht wird es ja in Zukunft ja mehr deutsche Texte geben?

Wie ist das als Paar Musik zu machen und gemeinsam aufzutreten, wie verschafft Ihr euch Raum für eigene Projekte oder seid Ihr tatsächlich so perfekt auch musikalisch auf einer Wellenlänge?

Andreas: Es ist ein Glücksfall, definitiv. Wir sind sehr froh und dankbar, dass sich unsere private und berufliche Welt so stimmig ergänzt.

Von Doris Hennies