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Interview Interview mit Peter Bartosch zur WM und zum Jugendfußball in Celle
Mehr Interview Interview mit Peter Bartosch zur WM und zum Jugendfußball in Celle
16:53 04.07.2014
Von Christopher Menge
Peter Bartosch (rechts) Quelle: Horst Friebe
Celle Stadt

Die Fußball-WM zieht Millionen Menschen in ihren Bann. Erwarten Sie einen Boom im Jugendbereich?

Ich erwarte keinen Boom, weil in nächster Zeit die geburtenschwachen Jahrgänge kommen. Eine WM ist aber natürlich gute Werbung für den Fußball – vielleicht gelingt es, Jungen und Mädchen aus anderen Sportarten zum Fußball zu ziehen. Der Mädchenfußball muss weiter forciert werden, denn nur so können die Vereine, das, was bei den Jungs wegbricht, auffangen.

Dazu könnte auch die Mini-WM, die am Sonntag von der Celleschen Zeitung und vom VfL Westercelle ausgerichtet wird, beitragen. Was ist der Reiz einer solchen Veranstaltung?

Das ist eine tolle Sache. Kinder sind von solchen Aktionen unheimlich begeistert, weil sie ihren Vorbildern nacheifern können. Solche Veranstaltungen tragen dazu bei, dass die Jungs bei der Stange bleiben.

Wie sehen Sie die Celler Vereine im Bereich Jugendarbeit aufgestellt?

Bei der Jugendarbeit im NFV Kreis Celle ist noch viel Luft nach oben. In allen Bereichen gibt es Verbesserungspotenzial. Ich habe den Jugendleitern immer wieder gesagt, dass die Trainerausbildung enorm wichtig ist. Die Eltern werden immer kritischer und leistungsbezogener – eine gute Trainingsarbeit ist daher die Basis. Stabile Jugendarbeit fängt bei der Trainerausbildung an. Die Vereine, die das beherzen, werden die Nase vorn haben.

Wie viele Trainer haben Sie ausgebildet?

In der Zeit von 1999 bis 2014 habe ich 478 Trainer ausgebildet – einer davon war mein Enkel. Etwa die Hälfte der Übungsleiter war permanent bei den Fortbildungen. Die 500 hätte ich gerne noch voll gemacht.

Aber jetzt ist endgültig Schluss?

Ich hätte gerne noch zwei, drei Jahre weitergemacht und einen Nachfolger eingearbeitet, aber mit 70 Jahren sollte ich aufhören. Ich wurde leider vor vollendete Tatsachen gestellt. Dabei wurde kein neuer Kreislehrwart gefunden.

Wie hat sich die Trainerausbildung im Laufe der Jahre verändert? Und wo liegen die Schwerpunkte im Kinder- und Jugendtraining?

Der DFB hat die Abläufe immer weiter verbessert. Die Inhalte sind verständlicher geworden. Die Schwerpunkte liegen auf Techniktraining und Koordination. Dass die Kinder einen einfachen Überschlag hinbekommen, ist nicht mehr gewährleistet. Leider muss ich aber feststellen, dass sich viele Jugendtrainer nur mangelhaft auf das Training vorbereiten. Oft hat nicht jedes Kind einen Ball oder es wird ein Leichtathletik-Training gemacht. Wichtig, dass die Kinder im Training Erfolgserlebnisse haben.

Allerdings haben wir auch in Celle ein paar Talente. Welche Fähigkeiten muss ein Kicker haben, um vielleicht mal für Deutschland bei einer WM zu spielen?

Die Kriterien für Talente sind Lernfähigkeit, Willenskraft, Durchsetzungskraft und das soziale Umfeld. Für den DFB ist die Schule ein ganz wichtiger Faktor.

Welche Teams haben Sie bei der WM positiv überrascht und von welchen Mannschaften sind Sie enttäuscht?

Chile und Algerien haben mich positiv überrascht. Enttäuscht bin ich von Spanien, England und vor allem Brasilien. Die Spielweise war negativ, sie haben viel Glück gehabt.

Gibt es denn etwas, dass wir von der WM lernen können?

Die Begeisterung und die überwiegende Fairness sollten wir in Celle übernehmen. Man merkt, dass die Schiedsrichter sehr gut ausgebildet sind. In der Kreisliga würde ich mir auch mehr Fingerspitzengefühl wünschen und dass die Schiedsrichter auch mal weghören.

Bleiben Sie denn dem Fußball erhalten?

Ja, ich werde an der Grundschule Lachendorf wieder eine Fußball-AG anbieten und trainiere in der nächsten Saison auch weiterhin den TuS Hohne-Spechtshorn in der Kreisliga.