Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Interview Interview mit Ulrich Mennecke zum Welt-Aids-Tag
Mehr Interview Interview mit Ulrich Mennecke zum Welt-Aids-Tag
15:46 29.11.2013
Von Christopher Menge
Ulrich Mennecke Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

In der vergangenen Woche waren in vielen Schaufenstern in der Celler Innenstadt Teddys mit roten Schleifen zu sehen. Was hat es damit auf sich?

Die Aktion läuft im Rahmen des Welt-Aids-Tages. Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter haben viel Überzeugungsarbeit geleistet, um die Geschäftsleute mit ins Boot zu holen. Es soll die Botschaft ausgehen, dass auch Celle seine Solidarität zeigt. Das ist auch unser Aufruf zum morgigen Welt-Aids-Tag.

Erfahren die Betroffenen denn auch im Alltag eine Art Solidarität? Immerhin sind in Deutschland rund 80.000 Menschen infiziert.

In den meisten Fällen leider nicht. HIV ist nach wie vor ein Stigma. In der Arbeitswelt haben die Infizierten mit Diskriminierungen zu kämpfen.

Liegt das auch daran, dass viele Menschen Angst haben, sich anzustecken?

Die Angst ist bei vielen da, aber sie ist unberechtigt. Wir wollen die Menschen informieren, dass sich im normalen Zusammenleben keine Gefahr ergibt. Bei sozialen Kontakten müssen die Menschen keine Angst haben – weder im Bus, am Arbeitsplatz noch im Sportverein. Es ist faktisch unmöglich, sich anzustecken. in über 98 Prozent der Fälle wird HIV durch ungeschützten Sexualverkehr und durch intravenösen Drogenkonsum übertragen. Dagegen kann man sich sehr wirksam schützen.

Was bedeutet denn HIV?

HIV steht für "Humanes Immundefizienz-Virus". Das bedeutet übersetzt: menschliches Abwehrschwäche-Virus. HIV schädigt das Immunsystem. So kann der Körper eindringende Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Viren nicht mehr bekämpfen. Im schlimmsten Fall treten dann bestimmte lebensbedrohliche Erkrankungen auf, zum Beispiel schwere Lungenentzündungen. Dann spricht man von Aids.

Wie erleben Sie die Menschen, die zu Ihnen kommen, wenn die Diagnose "HIV positiv" gestellt wurde?

Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt. Als ein Mann kürzlich positiv getestet wurde, bekam ich einen Anruf. Eine Stunde später war er zur Beratung da. Der Mann war ratlos und leer im Kopf. Viele wissen nicht, wie es weitergeht. Man muss aber bei jedem einzelnen genau gucken. Es gibt kein Standardprogramm, das wir abspulen. Manche haben nur Informationsbedarf und finden Halt in ihrem Umfeld. Andere haben diesen Halt nicht und sind auf unsere Unterstützung angewiesen.

Was verändert sich für die Infizierten?

Zunächst verändert sich oft erstmals nicht. Die Herausforderung liegt darin, mit dem Wissen leben zu müssen, dass die Infektion irgendwann ausbricht. Die Infizierten bleiben in der Regel auch arbeitsfähig. Diejenigen, die nicht in einer fester Beziehung sind, trauen sich aber oftmals nicht mehr, auf Partnersuche zu gehen.

Inwiefern können Medikamente die Krankheit aufhalten?

Wir schlagen den Infizierten vor, dass sie sich sofort in medizinische Überwachung begeben, damit Medikamente nicht zu spät eingesetzt werden. Seit 17 Jahren gibt es gute Medikamente gegen HIV, die aber nur zeitlich begrenzt wirken. In den letzten Jahren sind wir aber zuversichtlich, dass ein Mann, der sich mit 25 bis 30 Jahren infiziert, durchaus alt werden kann. Ob es tatsächlich so ist, wird sich aber erst in einigen Jahren zeigen. Was sich dadurch nicht ändert, sind die bereits angesprochenen sozialen Folgen.

Damit es gar nicht soweit kommt, betreiben Sie auch jede Menge Prävention. Wie sieht die aus?

Zunächst einmal so, dass wir in den Beratungsstellen und über die Internetpräsenz informieren. Die große Qualität der Aids-Hilfe-Arbeit liegt aber darin, die Informationen auf besondere Zielgruppen zu zuschneiden. Bestimmte Lebensweisen haben ein deutlich höheres Risiko. Für Schwule und Bisexuelle gibt es spezielle Flyer und Postkarten. Dadurch sind wir inzwischen auch in dieser Gruppe anerkannt. Für Schulklassen oder Konfirmandengruppen gibt es wiederum andere Broschüren und Vorträge.