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Interview Kreislandwirt Jürgen Mente spricht über die Sorgen der Celler Bauern
Mehr Interview Kreislandwirt Jürgen Mente spricht über die Sorgen der Celler Bauern
19:19 26.07.2018
Quelle: David Borghoff
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Besonders in Anbetracht aktueller Themen der Celler Landwirtschaft. Denn Jürgen Mente ist nicht nur für seinen eigenen Betrieb verantwortlich, sondern er kümmert sich als Kreislandwirt und Vorsitzender des Landvolks auch um die Interessen aller Celler Bauern. CZ-Volontär Michael Ottinger hat sich mit ihm über den Dürre-Sommer 2018, satellitengesteuerte Düngemaschinen und die Zukunft der Landwirtschaft unterhalten.

Herr Mente, als Kreislandwirt vertreten Sie die Interessen der landwirtschaftlichen Betriebe. Über wie viele sprechen wir hier?

In Celle gibt es rund 352 Vollerwerbsbetriebe und etwa 280 Nebenerwerbsbetriebe. Dazu kommen noch 18 Ökobetriebe sowie 150 Pferde- und Schafhalter. Die meisten Betriebe legen ihren Schwerpunkt auf den Anbau von Getreide und hier insbesondere Braugerste. Die Bedingungen dafür waren in diesem Jahr durch die Trockenheit besonders schwierig.

Sie sprechen über die Probleme aufgrund des Ausnahme-Sommers?

Genau. Das ist aktuell auch die größte Sorge, die die Celler Landwirte umtreibt. Wir fragen uns alle, wie es mit dem Wetter weitergeht und hoffen, dass bald ein richtig schöner Landregen kommt. Aber wahrscheinlich werden es nur ein paar kurze kräftige Gewitter und Schauer.

Wenn der Regen nicht vom Himmel fällt, müssen die Landwirte selbst tätig werden. Stichwort: Feldberegnung. Kann man damit die Pflanzen nicht ausreichend mit Wasser versorgen?

Ohne Beregnung kann man in der Lüneburger Heide kaum Landwirtschaft betreiben. Deshalb haben die Landwirte über Jahre in Beregnungstechnik investiert. Von den rund 42.000 Hektar Ackerfläche im Kreis Celle können 38.000 Hektar beregnet werden. Das ist schon eine ganze Menge. Hier haben wir aus den Erfahrungen des Jahres 1959 gelernt.

War der Sommer 1959 genau so warm und trocken, wie der aktuelle?

Damals war es sogar noch schlimmer. Ich habe mich erst vor Kurzem mit einem älteren Landwirt darüber unterhalten. Er erzählte, dass es damals vom 20. April bis zum 9. September nicht mehr geregnet hat. Außerdem musste damals ja auch noch viel mehr als heute von Hand gemacht werden. Da gab es erst wenige Mähdrescher und auch keine Beregnungsanlagen. Das ist heutzutage alles ein riesen Vorteil und hilft, mit den schwierigen Wetterbedingungen umzugehen.

Wie häufig kommen diese Wetterextreme vor?

Das gibt es immer wieder mal. 2003 zum Beispiel war auch so ein ähnlicher Sommer. Aber was mir generell bei meiner Arbeit aufgefallen ist, ist, dass die Wetterextreme immer häufiger werden und auch stärker schwanken. Das vergangene Jahr war zum Beispiel sehr verregnet, da hatten wir einen Niederschlagswert von 1177 Litern pro Quadratmeter. Wenn man auf den Schnitt der vergangenen Jahrzehnte guckt, hatten wir immer so um die 850 Liter pro Quadratmeter. Dieses Jahr werden es deutlich niedrigere Werte sein. Für manche Landwirte ist das existenzgefährdend.

Was bedeutet das konkret für die Landwirte?

Bei Getreide merken wir es am stärksten. Da ernten wir sonst so sieben bis acht Tonnen pro Hektar. Mit der Beregnung schaffen wir noch fünf bis sechs Tonnen. Felder, die gar nicht beregnet werden, bringen noch zwei bis drei Tonnen Getreide pro Hektar. Das ist schon katastrophal.

Wird sich das auch auf die Preise für Verbraucher auswirken?

Der Getreideanteil im Brot ist so gering, dass es höchstens zu minimalen Preisanstiegen kommen wird. Da ist global gesehen noch genügend in den Vorratslagern vorhanden. Und Braugerste wurde 2018 reichlich angebaut, da dürfte es keine Engpässe geben.

Wirkt sich das extreme Wetter auch auf andere Bereiche aus?

Natürlich. Bei der Tierhaltung zum Beispiel haben wir Engpässe beim Futter. Mancher Landwirt setzt jetzt eventuell noch Stroh in der Futterration ein. Das geht aber zum Beispiel nur bei der Mutterkuhhaltung und nicht bei einem Milchviehbetrieb. Das Stroh hat nämlich nicht viel Nährwert für die Tiere und dient hauptsächlich dazu, dass sich ein Sättigungsgefühl einstellt. Wir setzen jetzt unbedingt auf Regen. Das ist für alle Früchte wichtig, die jetzt noch auf dem Feld stehen. Der ein oder andere Landwirt wird nach der Getreideernte noch Zwischenfrüchte mit einbringen, insbesondere Weidelgräser als Futterquelle für den Herbst.

Sind Notschlachtungen auch eine Option?

Das ist hier bislang kein Thema. Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass der ein oder andere vielleicht ein paar Tiere etwas früher als sonst verkaufen wird.

Wenn es auch weiterhin trocken bleibt, würden Sie sich mehr Unterstützung von der Politik wünschen?

Die Politik will ja umsetzen, dass die Flächenprämie schon Anfang Dezember und nicht erst am Ende des Monats ausgezahlt wird. Das ist ein Vorteil, weil einige Landwirte schneller ihre Erntekredite zurückzahlen können beziehungsweise somit liquide werden. Ohne die Flächenprämie würde es für viele Betriebe ohnehin sehr schwer werden. Sie macht beim Durchschnitt der Landwirte etwa 50 Prozent des Betriebseinkommens aus. Wenn das fehlt, könnten viele die Tore schließen. Das Geld gibt es aber auch nicht ohne Weiteres.

Was heißt das?

Die Prämien sind ein pauschaler Ausgleich für die Kosten, die mit den in Europa höheren Umwelt- und Tierhaltungs-Standards in der Landwirtschaft verbunden sind. Unsere Hauptwettbewerber am Weltmarkt haben diese Kosten nicht zu tragen. Zudem haben wir ständig Kontrollen auf unseren Höfen. Dabei wird überprüft, ob wir all die Standards aus Brüssel einhalten. Wir hoffen, dass das nicht noch mehr werden. Und bei all den Anträgen, die wir dazu noch ausfüllen müssen, fühlt man sich manchmal eher als „Schreibwirt“. Ansonsten wäre es gut, wenn es uns erleichtert werden würde, zusätzliche Rücklagen für schwierige Zeiten anzusparen. Wir sprechen da von einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage. Vereinfacht ausgedrückt, geht es dabei um Steuererleichterungen.

Und welche Wünsche neben den finanziellen Aspekten haben die Landwirte?

Auch die bürokratischen Hürden für neue Ställe sollten verringert werden. Ziel muss sein, dass Neubauten leichter umgesetzt werden können, um dem Aspekt des Tierwohls zu genügen. Außerdem sollte man noch mehr in die Forschung investieren.

Wie wird sich die Technik in der Landwirtschaft generell entwickeln?

Die Technik ist enorm im Wandel. Die Digitalisierung ist in der Landwirtschaft angekommen. Es gibt zum Beispiel Düngemaschinen, bei denen die Ausbringung der Nährstoffe über GPS gesteuert und der Versorgungszustand der Pflanzen per Sensor erkannt werden kann. Damit vermeiden wir Überlappungen und bringen die gewünschten Mengen gezielter aus. Beim Pflanzenschutz geschieht das ähnlich. Ebenso nutzen wir appgesteuerte Beregnungsanlagen. Das ist alles schon sehr vorteilhaft. Und ich denke, es werden noch viele spannende Sachen hinzukommen.

Für ein Interview mit der CZ besucht der gebürtige Celler Till Wahnbaeck seine Heimatstadt. Als Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe in Bonn ist er vor allem in den ärmsten Regionen der Welt unterwegs. Das Gespräch über die Fortschritte und Hürden in der Entwicklungshilfe führten Blattmacherin Maren Schulze und Redakteurin Dagny Siebke.

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