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Interview „Man wollte Vergangenes bewahren“
Mehr Interview „Man wollte Vergangenes bewahren“
09:39 01.02.2012
Ingeborg Mehrens vom Museumsverein Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

Wann und mit welchem Anliegen wurde der Verein gegründet?

Der Verein wurde vor 120 Jahren von 53 engagierten Celler Bürgern ins Leben gerufen, in einer Zeit des Umbruchs, der Industrialisierung. Traditionen gerieten ins Wanken. In dieser Situation kam es am 3. Februar 1892 unter Führung des Celler Woll-Fabrikanten Wilhelm Bomann zur Gründung des Vereins. Man wollte Vergangenes bewahren und Wertvolles vor dem Untergang retten. So entstand das Museum, das zunächst „Vaterländisches Museum“ hieß und seit 1923 den Namen Bomann-Museum führt. Es sollte einerseits der Wissenschaft, andererseits der Volksbildung dienen. Eine Hauptabteilung sollte das Leben in den Städten, Handwerk, alte Innungen und Gilden anschaulich machen, eine zweite war der vormals königlich hannoverschen Armee und dem hannoverschen Beamtentum gewidmet, eine dritte der Kulturgeschichte und dem bäuerlichen Leben. Die Ziele wurden durch eifriges Sammeln der Gründer in die Tat umgesetzt.

Wer hat für die finanzielle Sicherheit des Museums gesorgt?

Die finanzielle Sicherheit des damals einzigen Museums deckte bis 1937 der Museumsverein ab, der von der Stadt Celle lediglich Zuschüsse erhielt. Er war zunächst auch Eigentümer des Grundstücks, auf dem das Museumsgebäude steht, und damit des Gebäudes. Mit Vertrag vom 29. August 1938 wurde das Grundstück gegen Übernahme von Schulden des Vereins auf die Stadt übertragen. Motiv für die Eigentumsübernahme dürfte der damit einhergehende verstärkte Einfluss auf Museum und Verein (Gleichschaltung) gewesen sein.

Welche Museen deckt der Verein ab?

Bomann-Museum und Residenzmuseum. Letzteres ist organisatorisch eine Abteilung des Bomann-Museums.

Wer sichert heute den Bestand der Museen?

Träger des Bomann-Museums ist die „Gesellschaft zur Unterhaltung des Bomann-Museums in Celle“, eine gemeinnützige Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Gesellschafter sind die Stadt Celle, der Museumsverein Celle e.V., der Landkreis Celle und die Landschaft des Fürstentums Lüneburg in Celle.

Wie hoch sind die jährlichen Mittel des öffentlichen Haushalts, die den Museen zugute kommen? Wie sind die Leistungen der Gesellschafter verteilt?

Die Höhe der öffentlichen Mittel ergibt sich aus den Haushaltsplänen von Stadt und Landkreis Celle. Jeder der vier Gesellschafter ist mit 25% am Vermögen der Gesellschaft beteiligt. Alle haben gleiches Stimmrecht. Bei Stimmengleichheit überwiegt das der Stadt. Die laufenden Kosten des Museumsbetriebs werden unterschiedlich getragen. Die Hauptlast trägt die Stadt, die auch das Museumsgrundstück unterhält.

Treffen den Museumsverein Nachwuchssorgen?

Ja, der Mitgliederstand ist in den letzten Jahren gesunken, allerdings nicht so stark wie der allgemeine Bevölkerungsrückgang im Stadtgebiet. Wir hatten Ende 2010 643 Mitglieder und haben den Stand nach Fluktuation im Vorjahr Anfang 2012 wieder erreicht. Aber der Nachwuchs könnte stärker sein. Wir sind bemüht, jüngere Bürger und Familien zu bewegen, in den Verein einzutreten.

Mit welchen Celler oder überregionalen Institutionen arbeitet der Verein zusammen?

Mit dem Kulturkreis Fachwerk im Celler Land e.V., dem Museumsverbund im Kreis Celle und dem Niedersächsischen Heimatbund.

Wo sieht der Verein für die nächsten Jahre den Schwerpunkt seiner Arbeit?

Uns geht es auch zukünftig darum, den Bestand des Museums zu sichern und zu mehren, zur wirtschaftlichen Konsolidierung des Hauses beizutragen und auf eine fortlaufende Modernisierung des Hauses, seiner Abteilungen und Sammlungen hinzuwirken. Ein „Kaputtsparen“ des Museumsbetriebs wäre tödlich für Celle.

Gibt es eine Veranstaltung anlässlich 120 Jahre Museumsverein?

Geplant ist ein Neujahrsempfang am morgigen 3. Februar im Rittersaal des Celler Schlosses. Das ist auch für uns eine „Premiere“. Wir freuen uns darauf.

Von Aneka Schult