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Interview Mit einem Fuß in England
Mehr Interview Mit einem Fuß in England
10:27 29.06.2012
Von Michael Ende
Hugh Pierson f¸r Interview der Woch Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

Heute beginnen die Aktivitäten rund um den Abzug der britischen Truppen aus Celle. Was haben sich die Soldaten für die Celler ausgedacht?

Den Tag der offenen Tür am heutigen Sonnabend in der Trenchard-Kaserne an der Hohen Wende. Dort gibt es eine Ausstellung von britischem und deutschem Militärgerät einschließlich Fahrzeugen, es spielt eine britische Militärkapelle, es gibt Essen und Trinken inklusive Fish and Chips und englischem Bier. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Kasernengebäude von außen zu besichtigen.

Warum ziehen sich die britischen Streitkräfte nun endgültig aus Celle zurück?

Unter der sogenannten Umstrukturierung der britischen Streitkräfte wird das Bataillon des Royal Regiment of Fusiliers nach Zypern verlegt und das Schwester-Bataillon direkt nach England an einen Standort, an welchem vorher die Royal Air Force stationiert war. Es besteht kein weiterer Bedarf für die Kaserne an der Hohen Wende. So erzielt das britische Verteidigungsministerium wesentliche Einsparungen.

67 Jahre britischer Garnisonsgeschichte dürften ihre Spuren hinterlassen haben – an was werden sich Briten erinnern, wenn sie zukünftig an Celle denken?

An eine sehr schöne historische Altstadt mit Fachwerkhäusern, schönen Straßen und angenehmer Atmosphäre, das Schloss, die guten Einkaufsmöglichkeiten, die schönen Cafés, Bistros und Restaurants, den Weihnachtsmarkt, die Attraktivität der Stadt im Winter als auch im Sommer, den Wasa-Lauf und das Aller-Fackelschwimmen, an die vielen Markt-Tage im Jahr und an die urigen Kneipen.

Was war für Sie persönlich das Highlight in Ihrer Celler Zeit, die nun noch zur Berger Zeit wird?

Die jährlichen deutsch-britischen Advents-Gottesdienste in die Stadtkirche. Die Freedom of Celle-Paraden für die Royal Fusiliers und die Royal Anglians - insbesondere der Empfang der Fusiliers nach deren Rückkehr aus dem Irak-Einsatz. Ich hoffe, noch viele Kontakte mit Celle nach der Versetzung der Fusiliers zu pflegen.

Welche Spuren werden die Briten in Celle hinterlassen? Was hat Celle den Briten zu verdanken?

Zum Beipiel den Erhalt der alten Kasernengebäude. Privat haben die Soldaten und deren Familien, die Celle fast 70 Jahren ihr Zuhause nannten, Spuren hinterlassen. Es wurden viele deutsch-britische Familien gegründet, von welchen die Mehrzahl noch hier lebt. Die Präsenz der Briten hat auch eine psychologische Wirkung: Die englische Sprache ist in den Geschäften oft zu hören – ein indirekter Beitrag zum Ausbau der Tourismus-Branche in der Stadt. Eine eher subtile britische Prägung auf Celle wird sich erst mit der Zeit zeigen. Finanziell wirkte sich die Kaufkraft der Soldaten und deren Familien sowie Aufträge für örtliche Betriebe bei Bauprojekten aus.

Nicht immer gab es nur eitel Sonnenschein – welche Probleme galt es im Laufe der Jahrzehnte zu beheben?

Insbesondere in der Zeit des Kalten Kriegs gab es ab und zu Auseinandersetzungen, meistens in den örtlichen Kneipen in den frühen Morgenstunden. Damals waren unsere Soldaten nicht immer an Auslandseinsätzen beteiligt. Es war ihre Aufgabe, im Rahmen der NATO die Bedrohung aus dem Osten abzuwenden.

Die Veränderung, die Celle jetzt erlebt, steht dem viel kleineren Bergen noch bevor. Wie sehen derzeit die britischen Planungen für den Standort Bergen aus?

Wir warten auf die nächste Stufe, das heißt wir wurden vorgewarnt, dass ab 2015 und bis spätestens bis 2020 unser Standort Bergen aufgegeben wird. Diese Entscheidung wird nur getroffen, wenn die neue Struktur der britischen Armee festgelegt wird. Diese ist für bald angekündigt, aber es kann immer noch mehrere Monate dauern, bis die kleinen und wichtigen Details bekanntgegeben werden.

Mister Pierson – woher kommen Sie persönlich und wo leben Sie? Wie sind sie inzwischen hier verwurzelt? Werden Sie das Celler Land verlassen?

Ich bin in London geboren, aber meine Familie hat seine Wurzeln in Westen Englands. Zurzeit lebe ich etwa 20 Kilometer südlich von Celle, wo ich ein zweites Zuhause habe. Während meiner Zeit hier in Niedersachsen habe ich viel über deutsche Kultur und Lebensart gelernt und genieße den Pferdesport und diverse Freizeitaktivitäten auf dem Lande. Ich bin sehr mit der Geschichte des Landes verbunden und beschäftige mich ins besondere mit der Geschichte der Personalunion und führe zwei Projekten um die Landesausstellung 2014. Ich bleibe noch eine Weile hier - aber immer mit einem Fuß in England.