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Interview „Müllgebühren bleiben für nächstes Jahr stabil“
Mehr Interview „Müllgebühren bleiben für nächstes Jahr stabil“
19:52 13.08.2010
Geschäftsführer Henry Mäurer vom Zweckverband Abfallwirtschaft Celle kann sich derzeit über positive Nachrichten freuen. Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Seit zehn Jahren entsorgt der Zweckverband den Hausmüll und Gewerbeabfälle in Stadt und Landkreis Celle. Welcher Aufwand ist dafür notwendig?

Der Zweckverband ist als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger für die Entsorgung von Abfällen aus ungefähr 95000 Haushalten und Gewerbebetrieben verantwortlich. Dazu setzt er 32 Entsorgungsfahrzeuge ein, die an 57000 Grundstücken den Restmüll, Biomüll, Altpapier, Sperrmüll, Altholz, Bauabfälle und Gartenabfälle einsammeln. Der Zweckverband beschäftigt 124 Mitarbeiter. Die jährlichen Gesamtausgaben lagen 2009 bei 18,4 Millionen Euro. 2009 wurden 50168 Tonnen Abfälle der Verwertung zugeführt und 47092 Tonnen Abfälle in den Müllverbrennungsanlagen in Helmstedt und Hannover beseitigt. Der Zweckverband betreibt neben mehreren Grünabfallannahmestellen vier Entsorgungsanlagen in Altencelle, Hambühren, Hermannsburg und Höfer-Kragen.

Zuletzt hatte der Zweckverband nach zehn Jahren der Preisstabilität die Müllgebühren 2009 angehoben. Womit müssen die Bürger in Zukunft rechnen?

Für das nächste Jahr bleiben die Gebühren stabil. Zurzeit befindet sich gerade ein Gesetzentwurf für ein neues Kreislaufwirtschaftsgesetz im Gesetzgebungsverfahren. Nach aktuellem Stand werden sich die Bedingungen für die kommunale Abfallwirtschaft deutlich verschlechtern. So müssen wir wohl davon ausgehen, dass die private Entsorgungswirtschaft den Zugriff auf die gewinnbringenden Teile des Abfalles erhält und der öffentliche Entsorger auf dem kostenaufwendigen Rest sitzen bleibt. Dies würde gravierende Auswirkungen auf die Art der Gebührenerhebung und auch auf die Gebührenhöhe haben. Neu in 2011: Wir übernehmen das Ein-sammeln der gel-ben Wertstoffsäcke. Der Zweckverband hat sich erstmalig um den Auftrag beworben und den Zuschlag erhalten.

Die Reinigung der Biotonnen geht ins zweite Jahr. Wie bewerten Sie die bisherigen Prozessabläufe und die Effizienz des Waschmobils?

Wir sind mit der Reinigungsleistung sehr zufrieden. Selbst stark verunreinigte Behälter werden wieder ansehnlich. Auch die Geruchsbelastung ist wie erhofft zurückgegangen. Im ersten Einsatzjahr mussten wir Einiges über den Einsatz dieser Technik lernen. Nach Änderungen in den Abläufen beim Entleeren und Befüllen des Fahrzeuges sowie bei der Einsatzplanung ist die Zahl der Behälterreinigungen pro Tag deutlich gestiegen. Die Veröffentlichung der Reinigungstermine hat sich in der gewählten Form bewährt. Mein Resümee: Das Waschmobil ist nicht mehr wegzudenken.

Wie ist der Zweckverband nach der Weltwirtschaftskrise momentan wirtschaftlich aufgestellt?

Der Zweckverband ist eine öffentlich-rechtliche Einrichtung. Damit ist für die Bürger der Vorteil verbunden, dass wir lediglich die mit der Einsammlung und Entsorgung der Abfälle verbundenen Kosten decken müssen. Damit garantieren wir konstante Bedingungen für unsere Bürger – auch in Krisenzeiten. Über gesunkene Erlöse für die von uns gesammelten Wertsstoffe haben wir aber auch den Einbruch auf den Märkten erlebt. So sind im November 2008 quasi über Nacht die Altpapiererlöse auf nur noch 2,50 Euro pro Tonne gefallen.

Wie ist derzeit der Stand der Dinge bei der Erweiterung der Abfallentsorgungsanlage in Altencelle?

Wir rechnen in den nächsten Tagen mit der Erteilung der Genehmigung durch das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Celle. Parallel zu diesem Verfahren haben wir bereits das Ausschreibungsverfahren soweit vorangetrieben, dass wir von einem Baubeginn im September ausgehen. Da wir bereits die Fläche für den Bau vorbereitet haben, hoffen wir auf einen zügigen Bauablauf. Wenn der kommende Winter nicht zu große Einschränkungen des Baubetriebes erfordert, können wir die neue Anlage Anfang April 2011 in Betrieb nehmen.

Geplant ist der Bau einer Müll-Lagerhalle, mehrerer Bürogebäude und von Container-Abstellflächen. Außerdem werden große Waldgebiete angelegt. Sind darüber hinaus noch weitere Umgestaltungen auf dem Gelände geplant?

Die geplanten Einrichtungen sind Ersatz für die inzwischen doch sehr angejahrte Umschlagtechnik. Auch wird der künftige Umschlag deutlich kostengünstiger und technisch einfacher ohne Verdichtung erfolgen. Für die alten Einrichtungen gibt es erste Vor-überlegungen zu sinnvollen Folgenutzungen. Hierzu zählt zum Beispiel die Einrichtung einer Abfallsortierung. Im Moment ist jedoch noch offen, ob die vom Gesetzgeber definierten Rahmenbedingungen einen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb zulassen.

Der Zweckverband lädt am kommenden Sonnabend von 11 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür an der Braunschweiger Heerstraße 109. Welches Programm erwartet die Besucher?

Am 16. Januar 2010 hat der Zweckverband zehn Jahre bestanden. Wir werden am Sonnabend einen Einblick in unsere Arbeit zeigen. So werden wir einen Querschnitt unserer Geräte und Fahrzeuge vorführen. Die Besucher können sehen, wo und wie wir den Einsatz unseres Gesamtbetriebes steuern. Es gibt ein Kinderprogramm und Mitarbeiter stehen für Gespräche bereit. Für die musikalische Unterhaltung sorgen die Celler Jazz Connection und eine Samba-Gruppe.

Von Paul Gerlach