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Interview Musiker Valentino Worlitzsch im Interview über 50 Jahre Jugend musiziert
Mehr Interview Musiker Valentino Worlitzsch im Interview über 50 Jahre Jugend musiziert
16:52 27.09.2013
Valentino Worlitzsch Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

50 Jahre Jugend musiziert: Ist die Historie des Wettbewerbs zu spüren, wenn man dort antritt?

Die meisten haben wohl schon von dem Wettbewerb gehört, bevor sie selbst zum ersten Mal teilnehmen. In meinem persönlichen Fall wusste ich, dass schon meine Mutter in ihrer Jugend Bundespreisträgerin von Jugend musiziert war. Das spielt dennoch nur eine untergeordnete Rolle: Für die eigene Vorbereitung und in dem Moment des Vorspiels zählt natürlich nur das Hier und Jetzt.

Was für Erfahrungen haben Sie mit dem Wettbewerb gemacht?

Durchaus sehr unterschiedliche. Ich habe unzählige Male und in den verschiedensten Besetzungen bei Jugend musiziert teilgenommen und konnte mich insgesamt über sehr viele Ergebnisse freuen. So manche Beurteilung, die ich aktiv oder passiv miterlebt habe, hinterließ jedoch auch Fragezeichen – was aber wohl in der Natur eines Wettbewerbs liegt.

Hat es für Ihre weitere Musikkarriere geholfen, dort aufgetreten zu sein?

Auf jeden Fall. Allein durch die Tatsache, dass man sein Programm zu einem festen Zeitpunkt spielfertig haben muss, ist schon jede Teilnahme ein Gewinn. Wenn man nun im Optimalfall bis zum Bundeswettbewerb kommt, bietet sich darüber hinaus die Möglichkeit, die Arbeit an den Stücken zu vertiefen, Details nachzuarbeiten, einfach souveräner zu werden. Inzwischen hat dieser Wettbewerb ein solches Renommee, dass Preise bei Jugend musiziert im Lebenslauf eines deutschen Musikstudenten nicht mehr wegzudenken sind.

Haben Sie den Wunsch, noch mehr im Bereich der Musik zu erlernen?

Ich werde im Oktober an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar mein Masterstudium aufnehmen. Dort habe ich die wohl einmalige Möglichkeit, neben dem instrumentalen Hauptfach Cello auch Dirigieren zu studieren. Ich freue mich sehr, bei zwei hervorragenden Professoren studieren zu dürfen, bei Wolfgang Emanuel Schmidt Cello und bei Nicolás Pasquet Dirigieren. Im Rahmen dieses Dirigierstudiums wäre es für mich sehr interessant, eventuell Grundfähigkeiten für das Spielen eines Blasinstrumentes zu erlernen oder auch Gesangsunterricht zu nehmen.

Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus?

Da es so viele wunderbare Symphonien, Orchesterwerke und Opern gibt, strebe ich eine führende Position in einem Spitzenorchester an, die mir aber auch Freiraum für möglichst viele solistische Auftritte und Kammermusikkonzerte lässt.

Viele Kinder nehmen heutzutage eher die Maus des PCs in die Hand als ein Musikinstrument. Was kann unternommen werden, damit die Jugend wieder mehr musiziert?

Es existieren ja inzwischen schon viele Initiativen, Kinder für Musik zu begeistern: Musiker gehen in Kindergärten, es gibt Zwergenabos, Kinderkonzerte, Jugendkonzerte mit entsprechenden Einführungen. Auch die Initiative „Jedem Kind ein Instrument“ versucht, Kinder an klassische Musik heranzuführen. Dabei bekommen Kinder in den Schulen gemeinsam Instrumentalunterricht. Das alles zeigt, dass es auf diesem Sektor schon viele positive Entwicklungen gibt. Allerdings können dies nur erste Anregungen sein – unersetzlich bleibt die individuelle Förderung durch Einzelunterricht.

Am Sonntag steigt das große Jubiläumskonzert im Festsaal des Celler Schlosses. Was können die Celler erwarten, auch von Ihnen?

Mit Sicherheit ein sehr schönes Konzert, aus Celle kamen und kommen ja immer viele sehr gute Preisträger. Leider musste ich für den Festakt absagen, da ich am Sonntag in der Finalrunde eines internationalen Wettbewerbs spiele. Ich wünsche aber allen Beteiligten viel Freude und gutes Gelingen.

Von Andre Batistic