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Interview Resilienzvortrag in Celle: Die Kunst des Stehaufmännchens
Mehr Interview Resilienzvortrag in Celle: Die Kunst des Stehaufmännchens
17:57 17.11.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: Yu Fangping
Celle Stadt

Wieso ist das Thema Resilienz gerade so aktuell?

Immer mehr Menschen stehen sehr schnellen Veränderungen gegenüber. Doch oft spüren sie ihre Belastung gar nicht mehr. Resilienz baut Brücken und thematisiert die Widerstandsfähigkeit im Umgang mit Belastungen.

Welche Berufsgruppen müssen besonders resilient sein?

Wer in der Pflege oder im Krankenhaus arbeitet, gehört zu den klassischen Risikogruppen. Aber auch in der Wirtschaft oder der öffentlichen Verwaltung können starke Belastungen auftreten. Da kommt es auf die Grundhaltung der Menschen an, die sehr unterschiedlich sein kann. Sind Mitarbeiter häufig im Kontakt mit Menschen, kann das Helfersyndrom schneller auftreten. Wenn ich den ganzen Tag nur am Rechner sitze, kann ich meine Arbeit anders angehen.

Wie lautet Ihr Konzept von Resilienz?

Mein Modell der Resilienz beruht auf einer Langzeitstudie der Psychologinnen Emmy Werner und Ruth Smith. Sie haben auf Hawaii über 40 Jahre lang Kinder in verschiedenen Lebensphasen begleitet und sie immer wieder gefragt, was ihr Leben ausmacht. 30 Prozent der Kinder hatten mit erheblichen Entwicklungsrisiken zu kämpfen. Werner und Smith haben untersucht, was die Kinder befähigt hat, trotz der schlechten Rahmenbedingungen ein erfülltes Leben zu führen. Aus der Studie heraus wurden sieben Faktoren der Resilienz abgeleitet: nämlich Optimismus, Akzeptanz, Lösungsorientierung, Selbstregulation, Zukunftsplanung, Selbstverantwortung und Netzwerkorientierung.

Wie kann ich Resilienz entwickeln?

Es bringt schon viel, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen und einzelne Aspekte zu betrachten. Vor allem bei den Faktoren Selbstverantwortung und Netzwerkorientierung geht es um Stressmanagement. Es kann helfen, zu schauen, was meine innere Batterie im Alltag füllt und was sie leert. Am besten auf den verschiedenen Ebenen: Körper, Gefühl, Verstand und Seele. Jeder sollte für sich die Verantwortung übernehmen, dass es einem gut geht.

Können Sie noch ein Beispiel nennen?

Ja, zum Thema Netzwerkorientierung. Die Kinder auf Hawaii hatten in der Familie häufig mit Alkoholismus, Gewalt und Kriminalität zu kämpfen. Statt sich an Mutter oder Vater zu orientieren, haben sie im Außenfeld nach Vorbildern gesucht. Das konnten auch Lehrer oder die Kindergärtnerin sein. Ein Nachbar hat zum Beispiel die Funktion des Großvaters übernommen. Sich bewusst Hilfe zu suchen, ist kein Hexenwerk, man braucht nur das Bewusstsein dafür.

Was heißt das für das Büro?

Wenn es Konflikte im eigenen Büro gibt, sollte man auch Kontakte in verschiedenen Bereichen suchen. Man sollte offen auf die Menschen zugehen und sich mit ihnen austauschen. Wenn ich mich für die Kollegen aus anderen Abteilungen interessiere, ist es wahrscheinlich, dass sie sich bald auch für mich interessieren.