Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Interview „Schutz von Kindern liegt mir am Herzen“
Mehr Interview „Schutz von Kindern liegt mir am Herzen“
17:41 08.06.2012
Matthias Blazek Quelle: Gert Neumann
Adelheidsdorf

Herr Blazek. Klären Sie bitte auf: Was befähigt Sie zu einem solchen Leitfaden?

Blazek: Feuerwehren üben schon von je her eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Mit 18 Jahren trat ich deshalb in die Ortsfeuerwehr Adelheidsdorf ein. Dort bin ich seit zehn Jahren Schriftführer und vor allem Brandschutzbeauftragter. Besonders der Schutz von Kindern liegt mir am Herzen. Kinder unterschätzen häufig die Gefahren des Spiels mit dem Feuer. Hier aufzuklären, fühle ich mich verpflichtet.

Der Leitfaden ist in deutscher und türkischer Sprache verfasst. Was war ausschlaggebend dafür?

Blazek: Mir schwebte schon länger vor, ein bundesweit einmaliges Projekt der Integration ins Leben zu rufen. Stadtrat Stephan Kassel gab mir in einem privaten Gespräch den entscheidenden Tipp, im Rahmen des Bundesprogramms „Freiwilligendienste aller Generationen“ tätig zu werden. Wohin ich kam, lief ich offene Türen ein. Sei es beim Schirmherrn Minister Uwe Schünemann oder bei unserem Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende. Alle zogen an einem Strang. Das ist ein tolles Gefühl.

Was stand im Vordergrund: ein Buch zur Brandschutzbekämpfung für Kinder oder die Integration von Bürgern mit ausländischen Wurzeln?

Blazek: Das ist schwer zu beantworten. Natürlich begann es mit dem Wunsch der Integration. Ich wollte unbedingt Mitglieder der Türkisch-Islamischen Gemeinde Celle ins Boot holen, weil diese – meiner Meinung nach – in der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen werden. Deshalb bin ich froh, dort mit offenen Armen empfangen worden zu sein und Helfer meiner Idee gefunden zu haben. Brände unterscheiden nicht ob deutsch, ob türkisch. Brände schaden jedem gleich. Brände zu vermeiden, ist Aufgabe für Jedermann. Übrigens weiß ich, wie es sich anfühlt, in einem fremden Land zu leben. Ich habe mit meiner Familie fünf Jahre beruflich im französischen Fontainebleau gewohnt. Übrigens habe ich dort – natürlich in französischer Sprache – mein erstes Buch über die örtliche Feuerwehr geschrieben.

Wie schnell konnte das geplante Projekt umgesetzt werden?

Blazek: Das ging wahnsinnig schnell. Am 29. Juni 2011 habe ich das Projekt in einem Eigenprotokoll beschrieben. Einen Tag darauf konnte ich bereits eine Vereinbarung mit der Stadt Celle treffen. Es wurde unter anderem festgelegt, dass die Teilnehmer an brandtechnischen Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen dies bescheinigt bekommen. In der vergangenen Woche haben wir im Adelheidsdorfer Feuerwehrhaus den Abschluss der halbjährigen Arbeit feiern können.

Als Koordinator waren auch Sie ehrenamtlich tätig?

Blazek: Natürlich. Wöchentlich waren wir acht Stunden im Einsatz. Im Rahmen der Brandschutzerziehung haben wir mehrere Seminare besuchen dürfen, ein Rhetorik-Seminar durch einen Dozenten der Volkshochschule, ein Seminar für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, was letztlich zur Auflage der noch erhältlichen CD „Made in Celle“ geführt hat, ein Einführungsseminar zur Brandschutzerziehung an der HVHS Hustedt, ein so genanntes ELFEN-Seminar an der HVHS Loccum. Zudem stand der Besuch der Flughafen-Feuerwehr Hannover-Langenhagen auf dem Programm.

Woran arbeiten Sie noch? Die Brandschutzfibel haben Sie initiiert. Sie ist aber das Ergebnis einer gemeinsamen Arbeit von Teilnehmern mit und ohne Migrationshintergrund. Wie weit finden Sie sich persönlich wieder und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Blazek: Klar, es ist und bleibt meine Idee. Ohne die vielen Helfer aber wäre die Idee nicht umsetzbar gewesen. Deshalb danke ich den Entscheidern auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, den Unterstützern aus der Wirtschaft und meinem tollen Team mit Axel, Recep, Ünsal, Ahmed, Sait, Burghard, Feyzullah, Nazan, Murat, Hasan, Hatem und Jörg. Text und Musik des „Feuerwehrliedes“ sind von mir und es wäre schön, wenn alle Kinder das Lied singen können. Mein Wunsch geht aber noch weiter. In allen Bundesländern fallen Menschen Bränden zum Opfer oder leiden unter schlimmen Verbrennungen. Deshalb wünsche ich mir, dass auch dort Bücher der kulturübergreifenden Aufgabe der Brandschutzerziehung geschrieben werden.

Von Gert Neumann