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Interview Technische Denkmale erleben
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18:07 10.06.2011
Celle Stadt

Was möchte die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung mit dem Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag bewirken?

Der Deutsche Mühlentag ist ein Aktions- und Thementag. Jährlich zu Pfingsten sind bundesweit über 1.000 Wind- und Wassermühlen zu besichtigen und als technisches Denkmal zu erleben. Ziel ist, Denkmalschutz und altes Kulturgut wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung zurückzubringen.

Was ist an den Mühlen, die sich im Landkreis Celle am Mühlentag beteiligen, besonders sehenswert?

Die Wassermühle in Marwede wurde 1796 erbaut. Ihre Einrichtung ist noch erhalten. Vor Jahren wurde ihr aus Naturschutzgründen der Stau genommen. Daher ist nur eine Besichtigung des stehenden Räder- und Mahlwerks möglich. Die Luttermühle in Hermannsburg ist einzige oberschlächtige Wassermühle im Landkreis. Als Sägemühle und Stromerzeuger ist sie noch heute betriebsfähig. Die Wassermühle in Müden wurde in der heutigen Form 1913 errichtet. Früher arbeiteten hier drei mächtige Wasserräder mit der Kraft der Örtze. Die einzige Bockwindmühle steht in Winsen. Angeboten werden Besichtigungen und Bewirtung, in Winsen zusätzlich ein Flohmarkt.

Im Landkreis Celle nehmen vier Mühlen am deutschen Mühlentag teil. Warum sind es nicht noch mehr?

Das ist hauptsächlich ein personelles Problem. Die meisten Mühlen werden ehrenamtlich betreut. Würden sich mehr Leute für die Sache begeistern können, könnte man hier noch mehr machen. Es gibt 18 Mühlen im Landkreis.

Warum ist die Erhaltung von alten Wind- und Wassermühlen so wichtig?

In erster Linie sind das Baudenkmale und Anschauungsobjekte aus einer Zeit, als elektrischer Strom noch nicht verfügbar war. Sie standen seit jeher im volkstümlichen Interesse. Das beweisen zahlreiche Märchen und Sagen. Mitte der 1990er Jahre wurde das Potential einer flächenhaften touristischen Inwertsetzung erkannt und aufgegriffen. In manchen Fällen geschah dies praktisch in letzter Minute – kurz vor endgültigemVerfall oder Abriss.

Mit welchen Schwierigkeiten haben die Eigentümer bei der Erhaltung zu kämpfen?

Am häufigsten ist es Geldmangel, der primär die Erhaltung verhindert. Deshalb habe ich 1996 einen Investitionspool für 16 Mühlen in der Region initiiert, der mit LEADER II – Mitteln gefördert wurde und landesweit Beachtung fand. Bei Wassermühlen macht oft der Naturschutz mit der Forderung nach durchgängigen Flussläufen einen Strich durch die Rechnung. Windmüller haben eher mit der herangewachsenen Bebauung zu kämpfen, die den Lauf der Mühle behindert.

Die Stiftung Niedersächsische Mühlenstraße unterstützt den Deutschen Mühlentag. Welche Aufgabe und welches Ziel verfolgt die Stiftung im Landkreis Celle?

Die Stiftung unterstützt nur mittelbar. Eigentlich geht es um etwas anderes. Gelder, die aus öffentlichen Töpfen nicht mehr so leicht zu haben sind, sollen aus Stiftungsmitteln ersetzt werden. Dazu braucht die Stiftung Geld durch Zustiftungen, sowohl aus dem privaten, wie dem öffentlichen Bereich. Bis auf über 2 Millionen Euro soll das Kapital in den nächsten Jahren anwachsen, um aus den Zinserlösen dieses Fonds Maßnahmen wie Tourismuswerbung, Ausschilderungen oder Drehprämien zu finanzieren.

Wie soll es mit der Niedersächsischen Mühlenstraße in der Zukunft weitergehen?

Seit 1998 sind 75 Prozent der Landesfläche angeschlossen worden. Bis 2013 soll fast die ganze Landesfläche erschlossen sein. Dann gilt es, das Geschaffene zu erhalten, immer wieder neu interessant zu machen und die eine oder andere Mühle wieder in Gang zu setzen. Das passt in die Zeit. Ich hoffe, das dies auch einige potentielle Geldgeber erkennen und uns gern bei unserer Aufgabe helfen.

Von Christian Uthoff