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Interview Theaterstück über CZ: "Viele Mitarbeiter arbeiten an einem Produkt"
Mehr Interview Theaterstück über CZ: "Viele Mitarbeiter arbeiten an einem Produkt"
17:39 03.03.2017
Celle Stadt

Was ist das Besondere am Theaterstück „Die Zeitung“?

Das Thema ist maßgeschneidert für einen Anlass, nämlich den 200. Geburtstag der Celleschen Zeitung. Dafür hat der Verlag Porträt gestanden und über ein Jahr die Recherche des Dramaturgen Harald Wolff und die Autorenarbeit von Intendant Andreas Döring unterstützt. Für mich ist es eine neue Herausforderung, dass erst recherchiert und dann die Geschichte geschrieben wird. Nun muss es mir gelingen, sprachlich theoretische Fragestellungen in sinnlich erfahrbare Situationen zu übersetzen. Die Interessen und Konflikte der handelnden Figuren müssen dreidimensional erlebbar werden.

Was hat Sie bei den Recherchen überrascht?

Etwa dass die CZ einige Alleinstellungsmerkmale hat. Gerade in Norddeutschland ist es sehr besonders, dass eine Zeitung so alt ist und die ganze Zeitung ein Unikat ist, weil alle Inhalte in Celle bearbeitet werden.

Sie schlagen einen Bogen über 200 Jahre Mediengeschichte. Wo fängt man da an?

In der Zukunft. Wir haben die Medienkrise weitergedacht und starten in einer Zeit, wo jeder auf sich persönlich zugeschnittene Artikel erhält. Die Auswahl übernimmt eine App, denn eine Redaktion gibt es nicht mehr. Es werden mehrere Geschichten erzählt. Wir schlagen nicht das große Album der Verlegerfamilie auf, sondern betrachten einzelne Schlaglichter.

Gibt es bei den Zeitsprüngen einen roten Faden?

Das große Thema ist die Bedeutung einer Tageszeitung für die städtische Gesellschaft. Bei unseren Recherchen haben wir festgestellt, dass bestimmte Vorwürfe immer wieder auftreten und die Frage, wie belastbar die Informationen sind, ständig gestellt wird. Wenn Abläufe beschleunigt werden, leidet darunter die Qualität. Das ist nicht erst seit Twitter so, sondern war schon so, als zum Beispiel die Telegrafie erfunden wurde. Außerdem besteht zu allen Zeiten eine Abhängigkeit von Werbekunden, um den Verlag finanzieren zu können.

Fünf Darsteller für mehrere Geschichten Wie kommt man mit so wenig Schauspielern aus?

Jeder Spieler wird mehrere Rollen übernehmen. Um sie wieder zu erkennen und nicht zu verwechseln, müssen wir uns viele Gedanken über die Ausstattung machen – über Kostüme und die Lichtqualität. Mit drei der fünf Darsteller habe ich zum Glück schon bei der Produktion von „Terror“ zusammengearbeitet.

Seit zehn Tagen wird geprobt. Wie nähern Sie sich dem Stoff?

Da es sich um eine Uraufführung handelt, wurde das Stück noch nie gespielt. Wenn ich mir das gesammelte Material anschaue, muss ich Situationen schaffen, um die Themen für die Zuschauer sinnlich erfahrbar zu machen.

Haben Sie ein Rezept dafür?

Zum Beispiel habe ich mir die Graphic Novel „Der Beeinflussungsapparat“ angeschaut. Das ist ein Comic, der die Medienwelt erklärt. Mitte März kommt zudem eine Choreografin aus Russland zu uns ins Schlosstheater, die Bewegungsabläufe gestaltet. Bei der CZ konnten wir an einer Redaktionskonferenz teilnehmen und das Druckhaus besichtigen. Es war total interessant für das Team zu sehen, dass eine Zeitung hier von 0 bis 100 Prozent in Celle hergestellt wird. Überrascht waren wir, dass jede Ausgabe noch einmal nachbesprochen wird. Zudem haben wir Parallelen zum Theater entdeckt. Auch bei der Zeitung geht es um Teamarbeit. Ganz verschiedene Mitarbeiter arbeiten an einem gemeinsamen Produkt.

Sie leben in Berlin. Welchen Bezug haben Sie zu Celle?

Vor anderthalb Jahren habe ich das Theaterstück „Terror“ inszeniert. Damals schon konnte ich in Bereiche des Lebens blicken, mit denen ich sonst nicht unmittelbar in Berührung komme – mit Themen, die ich so nur aus den Nachrichten kenne. Zur Vorbereitung haben wir am Landgericht einen IS-Terroristenprozess besucht. Momentan arbeite ich als Ortsfremder daran, die lokalen Bezüge in Andreas Dörings Vorlage besser zu verstehen. Ich habe schon gelernt, was der Wasa-Lauf und das KAV sind. Zeitunglesen schärft den Blick auf das lokale Geschehen besonders.

Am 7. April feiert „Die Zeitung“ im Schlosstheater Premiere.

Von Dagny Rößler