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Interview Tiere wirken positiv auf Patienten
Mehr Interview Tiere wirken positiv auf Patienten
14:11 16.12.2011
Von Gunther Meinrenken
st josef stift - hans-joachim - naurath Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

Hallo Herr Naurath, haben Sie ein Haustier?

Wir haben einen Hund und ein Pferd. Früher hatten wir auch einmal Hühner. Ich habe also durchaus Erfahrung mit Haustieren.

Ist für viele ältere Menschen ein Haustier der letzte Weg aus der Einsamkeit?

Ein Haustier kann eine sinnvolle Möglichkeit sein, das Leben im Alter zu bereichern. Soziale und emotionale Aspekte spielen dabei eine große Rolle. Von hoher Bedeutung ist. dass viele Menschen im Alter alleine leben. Zum einen liegt das daran, dass Frauen älter werden als Männer, zwischen den Paaren besteht darüber hinaus oft ein Altersunterschied, so dass es nicht ungewöhnlich ist, dass gerade Frauen nach dem Tod des Partners noch 10 bis 20 Jahre lang allein leben - die meisten allerdings nicht freiwillig.

Ein Haustier kann diese Situation lindern?

Das Halten eines Tieres hat gerade für ältere Menschen viele positive Aspekte. Je nachdem, ob man etwa einen Hund hat, wird auch die körperliche Ertüchtigung durch die erforderlichen Spaziergänge mit dem Tier gefördert. Bei einem Goldfische fällt dieser Vorteil sicherlich weg. Auch wenn es „nur“ ein Tier ist, sind viele froh, dass sie die Möglichkeit haben, direkten Kontakt zu einem Lebewesen zu zu haben. Dazu kommt noch der emotionale Aspekt. Gerade im Alter, nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben oder nach dem Tod des Partners, suchen viele Menschen nach einer neuen Aufgabe. Wenn man sich um ein Tier kümmert, übernimmt man wieder Verantwortung für ein anderes Lebewesen.

Empfehlen Sie Ihren Patienten, sich ein Haustier anzuschaffen?

Bei uns stellt sich die Situation anders dar als bei Hausärzten. Zu uns kommen oft schwer kranke Menschen, die froh sind, wenn sie sich wieder um sich selbst kümmern können. Hier steht eher die bange Frage im Vordergrund, was aus dem Haustier wird, während „Herrchen“ oder „Frauchen“ im Krankenhaus liegen. Einige wollen sogar möglichst schnell unter Verkennung der eigenen gesundheitlichen Situation die Klinik verlassen, um wieder für ihr Tier sorgen zu können.

Arbeiten Sie denn in ihrer Abteilung auch mit Tieren?

Wenn nicht hygienische Gründe dagegen sprächen, würden ich bei Gemeinschaftsaktionen mit unseren Patienten gerne einen Hund integrieren. Ein Tier sorgt für Gesprächsstoff. So haben Untersuchungen gezeigt, dass es beispielsweise durch den Einsatz eines Stationshundes oder einer Stationskatze möglich war, Menschen wieder aus ihrer Isolation zu holen. Sei es, dass sie mit dem Tier kommuniziert haben oder eben mit anderen über das Tier ins Gespräch gekommen sind. In der nonverbalen Kommunikation sind Tiere zudem gut einsetzbar, um Menschen beispielsweise mit Sprachstörungen, Depressionen oder Angststörungen wieder zu erreichen. Hier könnte ein Tier das unterstützen, was wir in unserer Behandlung unter anderem mit Musik- und Kunsttherapie angehen.

Leider ist es in vielen Alten- und Pflegeheimen nicht gestattet, Haustiere mitzubringen.

Hier muss man verschiedene Ebenen unterscheiden. Beim Betreuten Wohnen ist dies sicher eher möglich. In Alten- und Pflegeheimen stehen dem jedoch, ebenso wie in Krankenhäusern, vor allem hygienische Gründe entgegen. Zudem ist es dem dort tätigen Personal aufgrund des allgegenwärtigen Zeit- und Kostendrucks nicht möglich, sich um Tiere zu kümmern, wenn es die Bewohner selber nicht mehr können.

Welche Rolle spielen Tiere für Demenzkranke?

Man sollte nicht glauben, dass Menschen, nur weil sie dement sind, nichts mehr empfinden würden. Sie spüren sehr genau, ob sie noch gemocht oder ob sie nur geduldet werden. Außerdem ist es für Angehörige schwierig und anstrengend, die gleichen Geschichten zum 30. Mal zu hören. Einen Hund beispielsweise stört das nicht. Die Patienten fühlen sich durch das Tier angenommen und sehen in ihm einen Gesprächspartner. Dazu kommt noch, dass die Dementen ein Lebewesen vor sich haben, das Wärme ausstrahlt und das man anfassen kann.