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Interview Was beim Einbau alles zu beachten ist
Mehr Interview Was beim Einbau alles zu beachten ist
08:50 11.02.2010
Bezirks-Schornsteinfegermeister Karl-Wilhelm Harnack. Quelle: Simone Gatz
Celle Stadt

Was ist Voraussetzung für den Einbau eines Kamins?

Grundsätzlich empfiehlt sich der Einbau eines Kamins – oder zunächst nur eines Schornsteins – in jeden Neubau. Erfahrungsgemäß kommt bei vielen Menschen irgendwann der Wunsch, eine Feuerstätte für feste Brennstoffe, zum Beispiel einen Kaminofen, nachzurüsten. Ohne Schornstein kann der nachträgliche Einbau eines Kaminofens problematisch werden, da eventuell brandschutztechnische Abstandsregelungen nicht eingehalten werden können. Überhaupt stellen diese brandschutzrechtlichen Regelungen die größten Anforderungen bei der Planung und Installation von Feuerstätten dar.

Voraussetzungen für den Einbau von häuslichen Einzelfeuerstätten für feste Brennstoffe ist ein Schornstein. Weiterhin benötigt man eine Feuerstätte mit DIN/CE-Kennzeichnung oder entsprechender Zulassung sowie den zur Leistung und Art der Feuerstätte passenden Aufstellraum mit entsprechender Verbrennungsluftversorgung. Außerdem braucht man ausreichend Lagermöglichkeiten für den Brennstoff. Das zu verfeuernde Holz sollte eine maximale Restfeuchte von unter 20 Prozent aufweisen.

Welche Brandschutzbestimmungen müssen eingehalten werden?

Neue Feuerstätten sollten das sogenannte DIN PLUS-Zeichen aufweisen. Dadurch wird gewährleistet, dass zukünftige Vorschriften zur Schadstoffbegrenzung weitestgehend eingehalten werden. Häufige Fehler sind nicht eingehaltene Mindestabstände zu brennbaren Bauteilen und Konstruktionshölzern. Des Weiteren wird nicht selten durch den Einbau luft­absaugender Ventilatoren im Wohnbereich, wie Dunstablufthaube, kontrollierte Wohnungsbe- und entlüftung oder Ähnliches, die Verbrennungsluftzufuhr zur Feuerstätte behindert oder gar unterbrochen. Eine betriebssichere Funktion ist dann nicht mehr gegeben.

Beim Einbau solcher Feuerstätten müssen Einbauanleitungen und Herstellerangaben eingehalten werden. Des Weiteren sind Anforderungen an die niedersächsische Bauordnung und der Feuerungsverordnung einzuhalten.

Da diesbezüglich viele Punkte im voraus zu klären sind, sollte bei der Planung und beim Einbau die Hilfe von Fachleuten in Anspruch genommen werden. Der zuständige Bezirksschornsteinfegermeister kann aufgrund seiner Kenntnisse über die häuslichen Gegebenheiten im Vorfeld planerische Fehler weitestgehend aufzeigen.

Wo erhalten Bauherren Hilfe?

Vor der Planung sollten Ofenbauer sowie der zuständige Bezirksschornsteinfegermeister informiert werden. Bei einem Vororttermin sollten spezifische Fragen zur Feuerstätte und den häuslichen Gegebenheiten geklärt werden. Nach fachgerechter Errichtung muss der Schornsteinfeger die sichere Benutzbarkeit bescheinigen. Erst danach darf die Feuerstätte betrieben werden.

Mit welchen Kosten ist beim Kamineinbau zu rechnen?

Die Kosten sind in erster Linie von der Art der Feuerstätte abhängig. Sind die Bewohner des Hauses oft außer Haus, oder wird der Ofen meist zur schnellen Aufheizung in den Abendstunden genutzt, empfiehlt sich der Einbau eines klassischen Kaminofens. Hier beginnen die Preise für gute Produkte bei rund 1000 Euro. Hochwertigere Feuerstätten mit entsprechendem Komfort liegen darüber. Eine nachträgliche Installation eines doppelwandigen Edelstahlschornsteins zum Beispiel an der Außenwand eines Gebäudes kann für etwa fünf Meter Schornsteinlänge auch mit mindestens 1000 Euro taxiert werden.

Dient der Ofen zur ganztägigen Beheizung des Wohnraumes, so empfiehlt sich der Einbau eines Kachelofens. Aufgrund der Konstruktion und der verwendeten Materialien können diese, oft vor Ort aufgebauten Feuerstätten, effektiver und gesünder heizen (Strahlungswärme). Außerdem speichern diese Feuerstätten die Wärme über einen längeren Zeitraum. Die Kosten dürften dann jedoch ab etwa 5000 Euro beginnen.

Kaminofen sowie Kachelofen können heutzutage bei Bedarf in den Heizungskreislauf der Zentralheizung integriert werden. Damit wird eine zusätzliche Energieeffizienz ermöglicht. Diese Art der Befeuerung wird staatlich gefördert. Förderprogramme unter

www.bafa.de

Was halten Sie von Alternativen wie einem Elektrokamin oder Kamin, der mit Bioethanol betrieben wird? Wem sind solche Alternativen zu empfehlen?

Grundsätzlich sind diese Möglichkeiten nur als sogenannte Dekorationsfeuerstätten zu betrachten. Aufgrund der fehlenden Heizleistung der Geräte sowie des hohen und somit teuren Energiebedarfes ist eine positive und wirtschaftliche Betrachtungsweise nicht möglich. Besonders Feuerstätten mit Bio­ethanol als Brennstoff sind aufgrund der fehlenden Abgasanlagen gesundheitlich sehr grenzwertig einzustufen, da sie die entstehenden Verbrennungsgase in den unmittelbaren Lebensraum emittieren.

Man sollte nicht der Versuchung erliegen, aufgrund des geringeren Anschaffungspreises diese Art der Wohnraumbeheizung zu wählen. Die Folgekosten und das teilweise gesundheitliche Risiko sind nicht akzeptabel.

Von Simone Gatz