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Interview Youtube-Star "Freshtorge" im CZ-Interview
Mehr Interview Youtube-Star "Freshtorge" im CZ-Interview
18:30 14.03.2017
"Freshtorge"Torge Oelrich Quelle: Carsten Rehder
Celle Stadt

Wie wird man Youtuber?

Das ist eine gute Frage, wenn ich das geheime Rezept hätte, würde ich es teuer verkaufen. Bei mir war es einfach Zufall und Glück. Ich habe vor elf Jahren angefangen, da gab es drei Youtuber – mit mir eingerechnet. Die Zuschauer hatten also keine andere Wahl. Das ist wie bei dem Fernsehprogramm früher: da gab es nur ARD und ZDF und kein RTL oder ProSieben. Ich hatte einfach Glück, am Anfang mit dabei gewesen zu sein.

Wann hast du entdeckt, dass du ein Talent für Comedy hast?

So was kann man sich ja immer nur sagen lassen. Aber ich habe kürzlich meine alte Kindergärtnerin getroffen. Sie meinte, dass ich schon als Kind für Späße gesorgt habe. Ich hab also schon früh angefangen rumzualbern und zu blödeln.

Glaubst du, dass jeder Jugendliche ein besonderes Talent in sich trägt?

Auf jeden Fall. Aber jeder hat ein anderes Talent und darüber bin ich auch echt froh. Es ist total spannend, auf Entdeckungsreise zu gehen und zu gucken, wo man seine Leidenschaft findet. Schule ist mir da zu einseitig. Es kann ja nicht jeder gut in Mathe, Deutsch oder Englisch sein. Diese Sicht ist zu eng. Schule muss darüber hinausschauen.

Warst du schon selbst mal bei einer Ausbildungsmesse?

Ich beneide die Kids von heute. Ich kannte so was zu meiner Schulzeit überhaupt nicht. Das ist ein Geschenk, das sie bloß ausprobieren sollen. Einfach mal so mit den Azubis zu quatschen, ist auch noch mal ganz anders als mit den Chefs. Da kommt man ganz anders ins Gespräch und traut sich, auch mal Fragen zu stellen.

Was sagt du zu den Kids, die sagen „Ich habe kein Bock auf Schule und Ausbildung, ich verdien´ mein Geld als Youtuber“?

Bei 98 Prozent geht der Versuch nach hinten los. Ich konnte relativ früh von Youtube leben, aber ich habe trotzdem meine fünf Jahre Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten und Erzieher gemacht und danach auch noch zweieinhalb Jahre in meinem Beruf gearbeitet. Aber man muss sich immer im Klaren sein. Wenn Google in Los Angeles den YouTube-Algorithmus ändert, dann kann ich als kleiner Junge in Deutschland nicht daran drehen. Es ist echt risikoreich. Also auf jeden Fall die Schule und Ausbildung beenden. Dann macht Youtube auch noch mehr Spaß, wenn man weiß, dass man zur Sicherheit die Berufsausbildung hat. Mein Chef hat mir gesagt: Geh den Weg, wenn es nicht klappt, kannst Du jederzeit wiederkommen. Ich glaube nicht, dass ich mich nur für Youtube entschieden hätte, wenn ich nicht diese Unterstützung bekommen hätte.