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Mittendrin Als Teamer Verantwortung übernehmen
Mehr Mittendrin Als Teamer Verantwortung übernehmen
10:30 07.05.2014
Die Jugendleiter­ausbildung der Evangelischen Jugend Celle: Spaß haben und als Gruppe zusammenzufinden sind Bestandteil des Kurses. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

„Um die Prinzessin aus dem Zauberschloss zu retten, muss erst einmal der Torwächter geweckt werden. Sucht die Wecker! Fünf Stück sind hier versteckt!“ Kinder zu motivieren und zum Mitmachen zu animieren, ist eines der Bestandteile der Jugendleiterausbildung der Evangelischen Jugend Celle, auch kurz Juleica (Jugendleiter/in-Card) genannt.

Im Missionarischen Zentrum in Hanstedt I fand kürzlich der erste diesjährige Kurs statt, angeleitet von Susanne Mauk, Kirchenkreisjugendwartin in Celle, und fünf ausgebildeten Jugendleitern. Zwölf Jungen und 14 Mädchen unter anderem aus den Kirchengemeinden Wietze, Garßen, Klein Hehlen, Bröckel und der Celler Paulus-Gemeinde, hatten sich angemeldet, um Teamer zu werden. Sie alle wollen in ihrer Gemeinde in der Jugendarbeit mithelfen. „Das Ziel der Ausbildung ist es, junge Menschen in ihrer Persönlichkeit zu fördern und sie zu motivieren, als Christen in dieser Welt aktiv am Gemeinschaftsleben teilzunehmen“, so Susanne Mauk.

Innerhalb einer Woche wird den Jugendlichen vermittelt, was sie als Jugendgruppenleiter brauchen: Neben Fähigkeiten wie Zuverlässigkeit, Vorbildfunktion und Offenheit zählen vor allem der geschulte Umgang mit Kindern und deren Beschäftigung dazu. Die angehenden Teamer lernen beispielsweise so genannte „Spieleketten“ zu organisieren. Dabei werden mehrere Spiele hintereinander mit einer Geschichte verknüpft und in Gruppen durchgespielt. In der Praxis zeigte sich, dass das nicht so einfach ist wie gedacht. „Wir haben uns mit der Zeit verplant“, berichtet der 15-jährige Vincent Schäfer aus Garßen. „Aber jetzt wissen wir wenigstens, wie wir es in Zukunft in unserer Gemeinde besser machen können.“

Gruppenprozesse zu beurteilen, ist für Teamer unumgänglich. In jeder Gemeinschaft gibt es wiederkehrende Abläufe, die sogenannte OMIDA: Orientierung, Machtkampf, Intimität, Differenzierung und Abschied. In jeder Phase müssen sich Jugendleiter anders verhalten: Zu Beginn helfen sie der Gruppe zusammenzufinden. Später können sie Teile ihrer Verantwortung an die Gruppe abgeben, damit diese besser zusammenarbeiten kann.

Neben Praxis-Übungen bilden Theorie-Einheiten einen wichtigen Bestandteil der Juleica-Ausbildung. Welche Rechte und Pflichten haben Jugendgruppenleiter? Ist es erlaubt, Kinder bei Fehlverhalten nach Hause zu schicken? Mit Infomaterial und in einem Test werden Themen wie Aufsichtspflicht, Kindeswohlgefährdung und Psychologie behandelt.

„Als Vertreter der Evangelischen Jugend (EvJu) Celle informieren wir die angehenden Teamer auch über die Strukturen der EvJu von der Gemeinde bis zur Landesjugendkammer“, sagt Susanne Mauk. Besonders hervorgehoben wird die Mitwirkung der Jugendlichen für die gesamte Jugendarbeit im Kirchenkreis: Aus jeder Gemeinde können zwei Personen in den Kirchenkreisjugendkonvent. Dieser trifft sich regelmäßig, um über die Jugendarbeit im Kirchenkreis Celle zu sprechen. Mit auf dem Juleica-Programm stehen außerdem die Vorbereitung von Andachten mit Themen wie Gemeinschaft, Lebensweg, Mobbing, Zeit und Abschied. Zu guter Letzt wird noch einmal praktisch gearbeitet: Wie bringt man Kindern verschiedener Altersstufen religiöse Geschichten wie zum Beispiel die Schöpfung nahe?

„Es hat Spaß gemacht. Die Theorie und Praxis waren gut aufgeteilt“, meint Vincent Schäfer. Er freut sich bereits, die neu erworbenen Kenntnisse bald einsetzen können. Die 15-jährige Ronja Lohmann aus Wietze will zum Beispiel „als Teamer auf Konferfahrt mitfahren und in einer Gruppe in der Gemeinde mitarbeiten“. Das war das Ziel der meisten Jugendlichen, die mit nach Hanstedt kamen, oder wie der gleichaltrige Jonas Bird aus Klein Hehlen sagt: „Ich bin mitgefahren, weil ich mit Kindern arbeiten und ihnen die Nähe zu Gott vermitteln möchte.“

Um die Jugendleitercard letztendlich zu erhalten, müssen die Teilnehmer noch einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren, der unter anderem von der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis Celle angeboten wird. Bevor die Karte mit 16 Jahren beantragt werden kann, ist ein Praktikum über sechs Stunden in der Gemeinde nötig. Die diesjährigen Juleica-Anwärter werden unter anderem gemeinsam die Andacht für den Kirchenkreisjugendkonvent am 13. Juni organisieren.

Die Juleica ist bundesweit anerkannt, nur mit ihr kann man offiziell als Teamer auf Freizeiten mitfahren. Netter Nebeneffekt: Als Belohnung für das Engagement gibt es Vergünstigungen in einigen Geschäften und Restaurants. Nähere Infos auf der offiziellen Website der Juleica unter www.juleica.de.

Von Thilo Hancke