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Mittendrin Bankberater in Celle: Raus aus der Tagesgeldfalle
Mehr Mittendrin Bankberater in Celle: Raus aus der Tagesgeldfalle
17:33 04.09.2017
Celler Bankberater helfen, den geeigneten Zeitpunkt zum Aktienkauf zu finden. Doch dazu müssen sie die persönlichen Verhältnisse, Ziele und Möglichkeiten der Kunden kennen. Quelle: Arne Dedert
Celle Stadt

Aktien zählen nach wie vor zu den Geldanlagen mit der höchsten Rendite. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank sowie des Bankenverbandes haben die Bundesbürger im vergangenen Jahr jedoch lediglich sieben Prozent ihres Geldvermögens – immerhin eine stattliche Summe in Höhe von 5,6 Billionen Euro – in Aktien investiert. „Diese Zahl dürfte in Celle und Umgebung nicht wesentlich anders sein“, schätzt Marco Herbst, Filialdirektor der Deutschen Bank in Celle. „Die Zahl der Menschen, die ihr Bargeld im Schrank oder unter dem Kopfkissen verstecken, wird wohl auch bei uns größer sein als die Zahl der Aktienbesitzer.“ „Wir stellen bei unseren Beratungsgesprächen fest, dass sehr viele Anleger sehr sicherheitsorientiert sind“, sagt Christof Schiebler von der Commerzbank Hannover.

Doch warum eigentlich sind die Celler beim Aktienkauf so zurückhaltend? Einer der Gründe dürfte wohl das verbreitete Missverständnis sein, Aktien gerne pauschal als spekulativ anzusehen, meint Herbst. „Das ist aber definitiv falsch, sofern man von einer langfristigen und breit gestreuten Aktienanlage spricht, also zum Beispiel das Ansparen mit Hilfe von Investmentfonds.“ Die Deutschen seien zwar Weltmeister im Sparen, erklärt Frank Bonin, Vorstandsmitglied und Sprecher der Volksbank Südheide. „Aber leider so, dass wir viel Geld verbrennen. Wenn ich sehe, welche Summen in der 'Tagesgeldfalle' festsitzen, wird mir ganz schlecht. Denn auf die Frage, wann Kunden ihr Geld ausgeben wollen, antwortet niemand mit 'morgen'. Damit wird Geldvernichtung vor Vermögensaufbau und Altersvorsorge gestellt.“

Ein Großteil der Anleger sei sehr konservativ, beobachtet auch Felix Eberlein, Leiter der Privatkundenfiliale der hannoverschen HypoVereinsbank. „Die Gründe hierfür sind sicher vielfältig. Angesichts des aktuellen Zinsumfelds dürfte über die nächsten Jahre mit Anleihen ein realer Werterhalt aber kaum möglich sein. Die Inflation ist zwar auch gering, aber die Zinsen sind eben noch niedriger. Insofern sollte für mittel- und längerfristig orientierte Anleger die Beimischung von Aktien ein Thema sein.“

Wann der geeignete Zeitpunkt gekommen sei, um in Aktien zu investieren, lasse sich allerdings pauschal nicht beantworten, ohne die persönlichen Verhältnisse, Ziele und Möglichkeiten zu kennen, sagt Bonin. „Für jemanden mit einem hohen Sicherheitsbedürfnis und wenig bis keinen anderen Rücklagen ist ein Engagement in Aktien tendenziell ungeeigneter als für jemanden, der ein höheres Vermögen besitzt, dieses schon auf verschiedene Anlageklassen gestreut hat und eher chancenorientiert ist.“

Grundsätzlich sei es bei Geldanlagen wichtig, für das Vermögen die richtige Struktur zu finden, erläutert Carolin Liedke, Wertpapierspezialistin bei der Sparkasse Celle. „Wir führen mit unseren Kunden ein ausführliches Gespräch und erläutern Chancen sowie Risiken der einzelnen Anlagemöglichkeiten. Kunden, die erste Erfahrungen mit Aktienanlagen sammeln wollen, können das schon ab einem Betrag von 25 Euro tun – beispielsweise mit einem Aktienfondssparplan. Im Gegensatz zu einer Direktanlage in Aktien wird das Risiko der Kursschwankungen beim Fonds auf unterschiedliche Aktien verteilt.“

Von Christina Matthies