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Mittendrin Beatboxing ist Akrobatik mit dem Mund
Mehr Mittendrin Beatboxing ist Akrobatik mit dem Mund
15:05 29.06.2011
Celle Stadt

Es sieht seltsam aus, wenn sie in das Mikrofon pusten, Töne geradezu hervorspucken und mit der Zunge schnalzen. Sie zischen, dröhnen wie ein Bass oder ahmen ein Digeridoo nach: Was am Ende herauskommt, klingt wie von einem DJ abgemischt. Die Rede ist von Beatboxern - Künstlern, die Instrumente und Klänge aller Art mit dem Mund, dem Rachen oder den Stimmbändern imitieren, und das in atemberaubender Geschwindigkeit. Mit etwas Übung, zum Beispiel in der Dusche, können Beatboxer immer neue Töne kreieren. Die Besten treten dann in eigenen Wettkämpfen gegeneinander an.

Manchmal hört es sich wie ein massiver Bass an, mal wie der Schlag auf ein Becken und mal so durchdringend wie ein australisches Didgeridoo. Beatboxing entstand mit der Hip-Hop-Welle in den 1980er Jahren, war eher selten im ganz großen Rampenlicht und begeistert dennoch viele Jugendliche und Erwachsene in Deutschland.

„Das Tolle daran ist, dass man dafür nicht viel braucht“, sagt zlep. Er ist 41 Jahre alt, kommt aus München und ist seit Mitte der 80er Jahre dabei. „Egal wo du bist, du kannst sofort loslegen“, sagt er. „Die Voraussetzung ist Rhythmusgefühl, man muss sich trauen, mit dem Mund verrückte Sachen zu machen.“ Zlep selbst ist über den Rap zum Beatboxen gekommen. „Ich hatte einen Onkel mit einem Schlagzeug, das fand ich klasse“, erinnert er sich. „Selbst hatte ich dafür aber kein Geld und auch keinen Platz, also hab‘ ich das mit dem Mund nachgemacht.“ Als Übungsraum empfiehlt er übrigens die eigene Dusche, weil es dort hallt und man sich selbst hört.

Was einfach klingt, braucht viel Übung. Denn es gibt zahlreiche verschiedene Töne. Dazu gehören etwa der Kick, eine Art hart gesprochenes „B“, der Snare, der ungefähr so klingt wie das „Pf“ am Anfang des Worts „Pferd“ und die Hi-Hat. Sie hört sich ähnlich an wie der Schlag zweier Becken, ungefähr so wie am Anfang des Wortes „Tsunami“.

Häufig treten Beatboxer in Wettkämpfen gegeneinander an. „Ein Großteil der Leute will sich messen, wie beim Breakdance auch“, erklärt zlep. „Dabei kommt es unter anderem auf die Geschwindigkeit und die Tricks an, die man drauf hat.“ Solche sogenannten Battles finden entweder live auf der Bühne vor einer Jury statt oder virtuell im Internet, wo Videos hochgeladen werden und die Beatbox-Gemeinde dann abstimmen kann, wer ihrer Meinung nach besser ist.

Die Besten treten bei deutschen oder sogar bei Weltmeisterschaften gegeneinander an. Organisiert werden die Turniere von Bee Low, der selbst ein Beatboxer ist. Er ist 36 Jahre alt und kommt aus Berlin. Als seine Vorbilder nennt er unter anderem die legendären Fat Boys, eine US-amerikanische Hip-Hop-Gruppe aus den 80ern, aber auch Michael Winslow, der in den Police-Academy-Filmen als Officer Larvell Jones alle möglichen Töne imitierte.

Die erste offizielle deutsche Meisterschaft fand 2002 statt. „Das war im ganz kleinen Stil mit 23 Teilnehmern“, erinnert sich Bee Low. 2005 folgte die erste Beatbox-WM in Leipzig, vor zwei Jahren bei der zweiten WM in Berlin waren schon Beatboxer aus 39 Ländern dabei. Für Beelow ist es was Besonderes, dass die Beatbox-Szene so offen ist und ganz verschiedene Menschen zusammenbringt. Außerdem ist Beatboxing vielsprachig, wie er sagt. „Egal, ob in Johannesburg, in Berlin oder in einem Dorf in Finnland - man verständigt sich über Beats, wenn es auf Englisch nicht so klappt.“

Von Christian Schultz