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Mittendrin Brexit-Folgen für Lachendorfer Papierfabrik?
Mehr Mittendrin Brexit-Folgen für Lachendorfer Papierfabrik?
16:52 26.06.2017
Für die Lachendorfer Papierfabrik ist England ein wichtiger Markt.
Lachendorf

Iain Middleton und seine vier Kollegen wurden nach dem Brexit-Referendum in England am 23. Juni 2016 zunächst einmal unruhig und telefonierten gleich mit dem Stammsitz der Papierfabrik Drewsen in Lachendorf. Wie es denn nun weitergehe mit der Vertriebsstelle im Vereinigten Königreich, wollten sie wissen. Geschäftsführer Rauhut konnte die Kollegen in London beruhigen: „Wir sind mit unseren innovativen Produkten und unserer Kundennähe gut für die bevorstehenden Herausforderungen gewappnet. Welche Auswirkungen aber genau zu erwarten sind, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden.“ Klarheit wird es erst nach der vertraglich vorgesehenen zweijährigen Verhandlungsperiode geben.

„Das Britische Pfund brach nach dem Referendum um fast 15 Prozent ein“, stellt Rauhut fest. Diese Währungsdifferenz musste an die Kunden in Großbritannien weitergeben werden – mit der Gefahr, Aufträge zu verlieren. Und das obwohl das Vereinigte Königreich mit einem Umsatz von etwa 20 Millionen Euro ein wichtiger Markt für Drewsen ist. „Wir setzen darauf, dass die Kunden unsere Spezialpapiere, unsere passgenauen Produkte, unseren Service sowie unsere hohe Qualität zu schätzen wissen. Bisher bestellen sie trotz der Preiserhöhung weiter bei uns.“

Das sieht auch der Betriebsratsvorsitzende Andre Gebhart so, der insgesamt 438 Beschäftigte vertritt. „Wir bauen auf das Know-how unserer Mitarbeiter. Das ist Spezialwissen und das muss erhalten bleiben.“ Nur wer seinen Kunden hohe Produktqualität garantiert, könne auf dem immer schwieriger werdenden Markt bestehen. „Mit Engagement, Leidenschaft und vor allem einem ausgereiften Qualitätsmanagement stehen wir dafür ein.“

In einer bundesweiten Umfrage der Industrie- und Handelskammer bei über 5600 Unternehmen in Deutschland äußerten Betriebe, dass der Außenhandel mit dem Vereinigten Königreich eine spürbare Delle erhalten wird, Investitionen und Beschäftigung deutscher Unternehmen im Vereinigten Königreich würden sinken. Zudem befürchten Unternehmen durch den britischen EU-Austritt vor allem eine Zunahme von Handelshemmnissen.

Politische und rechtliche Unsicherheiten hinsichtlich der Stabilität des EU-Binnenmarkts werden ebenfalls als hohes Risiko genannt. „Zwei Drittel der Unternehmen rechnet während der voraussichtlich zweijährigen Verhandlungsphase zumindest mit einem konstanten bilateralen Handel“, heißt es in dem Umfrageergebnis. Nach einem vollzogenen Austritt aus der EU erwarte jedoch mittelfristig rund die Hälfte der Unternehmen sinkende Ausfuhren und einen Rückgang der Importe aus dem Vereinigten Königreich. Und weiter: „Ein durchgeführter Brexit wird sich negativ auf die Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland auswirken.“

Von Lothar H. Bluhm