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Mittendrin Celle für Anfänger: Stadtführung für Neubürger
Mehr Mittendrin Celle für Anfänger: Stadtführung für Neubürger
17:54 06.07.2017
Von Christian Link
Celle Stadt

Auf der Brücke vor dem Celler Schloss haben sich zum Tourbeginn vier Damen eingefunden: Stadtführerin Ulrike Eggers, ihre Kollegin Andrea Kinzel sowie die beiden Touristinnen Hannelore Sarnowski (Wiesbaden) und Lilo Flöter (Hannover). Immerhin ein Neubürger ist auch dabei: Und zwar meine Person. Schließlich ist es erst wenige Wochen her, dass ich im Neuen Rathaus meinen Wohnsitz in Celle eintragen ließ.

Obwohl ich unangemeldet komme, werde ich von den beiden Stadtführerinnen herzlich begrüßt – schließlich kennen wir uns bereits. „Man hat in Celle einfach schnell Kontakt. Auf dem Wochenmarkt sollte man immer eine Stunde mehr einplanen, weil man immer jemanden trifft, den man kennt“, lautet daher auch der erste Tipp der ortskundigen Eggers. Passend zum Standort erzählt sie vorm Schloss auch ein bisschen Stadtgeschichte, aber nur wohl dosiert. Und immerhin geht es ja auch um den frühesten Neubürger der Stadt: Herzog Ernst der Strenge, der 1292 quasi als erster seinen Wohnsitz nach Celle verlagert hat, indem er die Stadt kurzerhand gründete.

"Der Zentrale Omnibus Bahnhof, das kann man so sagen, ist hier an dieser Stelle", erklärt Eggers beim Blick in Richtung Bomann-Museum und erläutert die Eigenheiten des öffentlichen Nahverkehrs in Celle. "Ab 19 Uhr fahren die Busse nicht mehr im 10-Minuten-Takt. Weil die Celler ziemlich häuslich sind, sind die meisten dann schon zu Hause."

Das Landgestüt steht nicht auf unserer Route, deswegen halten wir kurz an der Pferde-Statue im Schlosspark. "Eines der berühmtesten Stammpferde des Landgestüts ist der Hengst Wohlklang und dem hat man hier ein Denkmal gesetzt", sagt Eggers und macht auch Lust auf die Celler Hengstparaden im September. Wenige Meter weiter am Thaer-Platz geht es nur am Rande um den Namensgeber. Im Fokus stehen eher die Congress Union als Veranstaltungsort und Thaers Wirtshaus als Gastro-Tipp. "Da gibt es entsprechend rustikale Gerichte, man kann hier gut satt werden."

Auf dem Weg zum Französischen Garten stellt uns Eggers eine weitere Persönlichkeit aus der Celler Geschichte kurz vor: Otto Haesler. „Als ich hier nach Celle zog, konnte fast niemand mit Haesler etwas anfangen. Seit einigen Jahren ist er aber so richtig im Kommen“, sagt Eggers vor dem Direktorenhaus am Parkeingang. Das interessiert vor allem die Touristen. Mir als Neubürger hilft eher ein Tipp zum Parkhaus am Südwall gegenüber. „Es macht wenig Sinn, die wenigen kostenfreien Parkplätze zu umkreisen“, rät die Stadtführerin. Wer die Innenstadt besucht, sei besser beraten, gleich eines der Parkhäuser oder anderen kostenpflichtigen Angebote anzusteuern.

Beim Spaziergang durch den Garten zeigt Eggers eine Skulptur, die mir erstaunlicherweise trotz mehrmaligen Durchquerens der Parkanlage bisher nicht aufgefallen ist. „Man hat diesem Baum damals eine Lebensdauer von fünf Jahren gegeben“, erläutert die Stadtführerin den „Baum im Topf“ von Timm Ulrichs. Von dieser Prognose habe sich die mittlerweile fast 20 Jahre umtopfte Pflanze aber unbeeindruckt gezeigt. „Herr Hanssen, unser oberster Stadtgärtner, wundert sich jedes Jahr, dass der Baum noch steht.“

Über das Caroline-Mathilde-Denkmal, wo die ehemalige Hobby-Imkerin Eggers das Bienen-Institut gebührlich vorstellt, und den Südwall geht es in die Gassen der Fachwerkstadt. Am Altstädter Tor werfen wir einen Blick auf die Großbaustelle gegenüber, doch trotz der ansprechenden Vorschau am Bauzaun lassen sich die beiden Touristinnen nicht spontan zum Wohnungskauf verleiten.

Vorm Alten Provisor stoßen wir zufällig die Inhaberin Dörte Hirschfeld. Obwohl eigentlich schon Ladenschluss ist, spendiert sie kurzerhand eine Runde ihres Kräuterlikörs. Von anderen regionalen Spezialitäten kann uns Eggers dagegen nur mündlich berichten. Etwa vom Celler Bier oder von der Rohen Roulade. "Die ist ein absolutes Muss", beschwört Eggers, bevor sie uns über die Zöllnerstraße ("Das ist die Kö von Celle") und Brandplatz zum Markt führt, wo die Stadtführung endet. Die beiden Touristinnen sind begeistert und lassen sich noch eine Restaurant-Empfehlung fürs Abendessen geben. Ich höre genau hin, denn gerade diese Einblicke in den Celler Alltag sind es, die die Stadtführung für Neubürger wirklich interessant machen.