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Mittendrin Celler Eltern stehen dem Antrag "sexuelle Vielfalt" skeptisch gegenüber
Mehr Mittendrin Celler Eltern stehen dem Antrag "sexuelle Vielfalt" skeptisch gegenüber
13:27 26.11.2014
ARCHIV - ILLUSTRATION - Zwei Männer halten sich am 16.07.2011 auf dem Straßenfest zum Christopher Street Day in Thüringen an den Händen. Foto: Michael Reichel/dpa (zu lth vom 30.08.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: Michael Reichel
Celle Stadt

„Ich halte den Antrag für völlig daneben“, sagt der Vorsitzende des Kreiselternrates Celle, Ronald Bahr. Und so stehen nach seinen Angaben viele Eltern von Schulkindern zu dem Plan der Landesregierung, der Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten in Schulen gerecht zu werden.

„Wenn es um die Schulbücher geht, sehe ich das sehr kritisch. Gerade bei den Grundschülern würde eine Thematisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen für Verwirrungen sorgen“, schätzt Bahr. Er glaubt, dass die Eltern das mit den Kindern aufarbeiten müssten, denn diese Partnerschaften gehören oft nicht zu den Lebenswirklichkeiten der Grundschüler.

Dass die Lehrer diese Aufgabe angemessen erfüllen können, bezweifelt er, weil die Lehrpläne bereits sehr voll seien. „Schule soll Bildung vermitteln und nicht Moral“, sagte ein Vater auf einer Informationsveranstaltung der AfD Celle zu diesem Thema.

Sören Hauptstein, Landesvorsitzender der Jungen Alternative (JA) Niedersachsen, hat sich intensiv mit dem Antrag von SPD und Grünen beschäftigt und zieht aktuell mit seinem Vortrag durchs Land, um über die Pläne der Regierung aufzuklären. „So einfach ist das Thema nicht, sonst würden sich auch andere dagegen laut machen“, sagte er in Celle.

Hauptstein hat den Antrag als einer der ersten in Celle vorgestellt. Bisher wird dieses Thema im Kreis eher wenig behandelt. Unabhängig von seiner Partei wollte er informieren, seine ablehnende Meinung wurde jedoch sehr deutlich. Doch die Ablehnung war auch im überschaubaren Publikum zu spüren. „Ich habe bisher noch niemanden erlebt, der will, dass seine Kinder so unterrichtet werden“, sagte er.

„Was kann ich jetzt tun? Wie können wir uns wehren?“, fragte eine besorgte Mutter. Besonders die vom Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) vorgeschlagene Scharade für eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Liebe und Sexualität“ entsetzte die Eltern. Bei diesem Spiel sollen Begriffe wie Orgasmus, Selbstbefriedigung, „zu früh kommen“, Porno, SM und Darkroom pantomimisch erklärt werden. Empfohlen wird das Spiel mit „Spaßfaktor“ ab der fünften Klasse.

Doch der Vorschlag zur „sexuellen Vielfalt“ trifft nicht nur auf Widerstand. „Kinder wissen, was Darkrooms sind. Lehrer haben aber kein Konzept und haben oft keine Antworten – die holen sich Schüler aus der Bravo“, so ein Vater, der zwar nicht wünscht, dass seine Kinder mit „anderen“ Lebensformen überrollt werden, sich aber gesellschaftliche Anerkennung für eine lesbische Tochter wünschen würde.

Dieser Meinungsspagat in der Elternschaft zeigt sich auch in der Stellungnahme des Landeselternrates (LER), der eher sachlich ist. „Der Landeselternrat begrüßt die Auseinandersetzung mit dem Thema sexuelle Vielfalt, wir wünschen davon ausgehend eine grundsätzliche Debatte über Toleranz, Diskriminierung und Minderheitenschutz“, heißt es.

Die Bergerin Margaret Baron sitzt im LER und findet deutlichere Worte: „Diskriminierung ist nicht in Ordnung und tut weh. Aber die Art und Weise wie SPD/Die Grüne versuchen, Akzeptanz für die Minderheiten zu erzwingen, wird höchstwahrscheinlich das Gegenteil bewirken.“

Von Johanna Müller