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Mittendrin Celler Gleichstellungsbeauftragte: Frauen den Rücken freihalten
Mehr Mittendrin Celler Gleichstellungsbeauftragte: Frauen den Rücken freihalten
17:21 31.07.2017
Von Dagny Siebke
Celle Stadt

Mehr als jede zweite berufstätige Frau im Landkreis Celle sitzt in der Teilzeitfalle, stellt Bianka Lawin fest. Sie ist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Celle und beobachtet, wie sich seit 2008 bei Frauen der Anteil von Teilzeitarbeit entwickelt hat. „Der Wert ist laut des aktuellen Gleichstellungsatlasses um weitere zehn Prozentpunkte auf 51,4 Prozent gestiegen“, sagt Lawin und warnt: „Teilzeitarbeit führt für die betroffenen Frauen in die Altersarmut. Deshalb muss es eine Hauptaufgabe sein, mit besserer Betreuung für Kinder in Krippen und Kita mehr Frauen Vollzeitarbeit zu ermöglichen.“ Bei den Arbeitgebern sieht sie Möglichkeiten der flexibleren Arbeitszeitgestaltung sowie die Einrichtung von Telearbeit.

Die Betreuungsquote der Kinder unter drei Jahre ist durch die Einrichtung von Krippen innerhalb von sieben Jahren um 19,7 Prozentpunkte gestiegen und beträgt nun insgesamt 27,8 Prozent. Auch hier sei der Bedarf deutlich zu erkennen.

Die Väterbeteiligung lasse sich statistisch gesichert nur am Bezug von Elterngeld messen, so Lawin. Hier beträgt die Quote für den Landkreis Celle lediglich 26,2 Prozent. Damit liegt sie deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt in Niedersachsen von 31,9 Prozent. Diese niedrige Quote lasse sich dadurch erklären, dass der Landkreis Celle ländlich strukturiert ist, „aber leider auch dadurch, dass Väter die Besserverdiener in Familien sind“, erläutert Lawin.

Vor allem in Beratungen werde deutlich, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte, dass sich immer mehr Väter eigentlich eine Elternzeit wünschten, dies aber finanziell nicht zu vereinbaren sei. Braunschweig steht im Atlas an der Spitze. Dort liegt die Quote an Vätern, die Elterngeld beziehen, bei 41,4 Prozent. Darauf folgen weitere typische Studentenstädte.

Auch bei den sozialen Berufen sind Männer in der deutlichen Minderheit: der Anteil von Männern, die als Erzieher mit Kindern in Tageseinrichtungen arbeiten, beträgt im Landkreis Celle nur 3,1 Prozent. „Ein Hauptgrund dürfte hier die schlechte Bezahlung sein, was vornehmlich frauentypische Berufe betrifft“, erklärt Lawin.

Erfreulicherweise ist die Langzeitarbeitslosenquote bei Frauen im Landkreis Celle um 8,6 Prozentpunkte und bei Männern um 4,5 Prozentpunkte zurückgegangen. Doch beim Blick auf die Anforderungsprofile fällt auf, dass Frauen bei den Helfern mit einem Anteil von 59 Prozent die Mehrheit bilden. Unter den Experten sind dagegen nur 42 Prozent weiblich. Auch bei den Spezialisten sind Frauen mit 40 Prozent in der Minderheit. „In Korrelation mit den hohen Bildungsabschlüssen von Mädchen sind diese Entwicklungen nur mit der schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, besonders in qualifizierten Berufsgruppen, zu begründen“, betont Lawin.

Der Gleichstellungsatlas dient der Standortbestimmung, an welcher Stelle die Gemeinden und Landkreise in Niedersachsen gleichstellungspolitisch stehen. Er vergleicht die Daten von 2008 und 2015 miteinander. Erneut wird in den vier Bereichen Partizipation, Bildung und Ausbildung, Arbeit sowie Einkommen die Lebenswelt von Frauen und Männern veranschaulicht. Der Atlas eröffnet die Chance, von denjenigen Kommunen zu lernen, die auf dem Weg zur tatsächlichen Gleichberechtigung schon ein gutes Stück vorangekommen sind. Zugleich wird sichtbar, wo weitere Schritte im Wettbewerb um den Standortfaktor Gleichstellung vonnöten sind.

Die „Teilzeitfalle“ beschäftigte die Gleichstellungsbeauftragte schon zum diesjährigen Frauentag am 8. März. Lawin erläutert: „Teilzeit ist eine frauentypische Beschäftigungsform, weil Frauen nach wie vor die haushaltsnahen Dienstleistungen übernehmen und Angehörige betreuen und pflegen. Dass diese Beschäftigungsform in Altersarmut führt, ist inzwischen traurige Gewissheit.“