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Mittendrin Celler forschen in eigener Sache
Mehr Mittendrin Celler forschen in eigener Sache
12:11 13.07.2017
Celle Stadt

Nicole Ziesemer und ihre Eltern Eva-Maria und Holger Mewes sind eigentlich noch „Greenhorns“ auf dem Gebiet der Familienforschung. Sie kommen aber zu den Treffen der Ahnen- und Familienforscher, um nach ihren eigenen Wurzeln zu suchen. „Wir sind noch ganz am Anfang“, sagt Ziesemer und denkt, dass sie bei ihren Recherchen in Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt ansetzt.

Ebenfalls „in eigener Sache“ forscht der Celler Klaus Peter Bach. Bereits seit 35 Jahren, „und das nimmt kein Ende“, findet er Familiengeschichte spannend. So geht es auch Jutta Lorenzen, die ihre eigene Familiengeschichte aufarbeitet. Ihre Mutter kam aus Pommern. „Da kommen oft nur Krümelteile zusammen, aber aus Krümeln kommt dann doch ein Stück zusammen“, umschreibt sie die mühevolle Arbeit.

Wo kann der Suchende fündig werden, sei die Frage, die die Leute immer wieder beschäftigt, weiß Familienforscher Rainer Knop aus Winsen. Kirchenbücher und Standesamtsurkunden, Steuerregister, Musterungslisten oder auch Strafregister können da Quellen sein, um bei der Aufarbeitung von Familiengeschichten Stück für Stück weiter zu kommen. Und natürlich das Internet. Die Homepage gedbas des Vereins für Computergenealogie ist so eine Quelle. Hier hat Karl-Friedrich Finck aus Bergen bereits die Bereiche Celle-Nord mit Angaben aus den Kirchspielen Bergen, Sülze, Müden, Eschede und Hermannsburg, erforscht und erfasst. Aktuell ist er mit dem Projekt Grabsteine in Bergen und Müden beschäftigt. „Hermannsburg und Sülze durfte ich nicht fotografieren“, bedauert der engagierte Forscher.

Über 150000 Personendaten aus zwölf Kirchenämtern hat der 80-jährige Hans-Jürgen Oelker aus Eicklingen für das Ortsfamilienbuch Celle Süd-Ost erfasst, von Burg über Behre bis Bockelskamp. Abgeschrieben, digitalisiert und in ein Forschungsprogramm übertragen.

Angefangen hatte es mit dem Ahnenpass seines Vaters: „Das wollte ich weiterführen“, stand für Oelker vor gut zehn Jahren fest. Die Kirchenämter der Vorfahren waren gute Quellen. Bis 1450 konnte er seine Familie in Registern zurückverfolgen. „Ich möchte das Celler Ortsfamilienbuch fertig bekommen“, skizziert er seine künftige Arbeit. Sein Sohn habe bisher Null-Interesse an der Arbeit, vielleicht mal der Großsohn Christian: Er ist Germanistikstudent.

Wie ohnehin interessant ist, dass häufig die Enkelgeneration Interesse an der Familiengeschichte zeigt: Frag doch mal Oma oder Opa, wie das so war, heißt es häufig, wenn das Bewusstsein für die eigene Vergangenheit erwacht. Das stellt auch Gabriele Fricke fest. Sie ist Vorsitzende des Niedersächsischen Landesvereins für Familienkunde und mit Ende 20 dabei. Ihr Großvater inspirierte sie, doch mal nach den eigenen Vorfahren zu suchen. „Das fand ich spannend, denn Spuren führten mich nach China und zu Terrazzo- und Mosaiklegern nach Italien“, so Fricke. Sie hat schon damals ihre Suchergebnisse im Computer erfasst: „Das war ein Atari.“ Kein Wunder dass sich Fricke sehr dafür einsetzt, dass eine Vernetzung stattfindet, dass alle Ergebnisse einsehbar sind.

Mit dem Ortsfamilienbuch Celle West befasst sich der Wietzer Uwe Sarpe: „Die Daten umfassen hauptsächlich Personen aus dem Kirchspiel Winsen mit den Ortschaften Bannetze, Thören, Meißendorf, Breliendamm, Walle, Hassel, Wolthausen, Feuerschützenbostel, Stedden, Wittbeck, Hustedt, Oldau, Hambühren, Ovelgönne, Wietze, Steinförde, Wieckenberg, Jeversen, Hornbostel, Winsen/Aller, Neuwinsen und Südwinsen. Die hab ich direkt aus den Kirchenbüchern erfasst.“ Allerdings beginnen die Kirchenbücher erst um 1825 und enden 50 Jahre später. „Ältere Daten wurden zum Teil von Barenscheer oder aus den Eheverschreibungen im Staatsarchiv Hannover übernommen.“

„Das Internet ist ein ganz wichtiges Hilfsmittel“, stellen die Familienforscher fest. „Mit Facebook kann man wunderbar auch in Amerika forschen.“ Da könne es schon mal lange Nächte geben. Man sitzt oft stundenlang davor: „Wenn die Frau mit dem Koffer draußen steht, ist es zu spät.“

Bei allen Möglichkeiten der Internetrecherche sei es aber angebracht, auf direkten Kontakt nicht zu verzichten. Nur so könne man feststellen, ob wirklich verwandtschaftliche Bindungen bestehen, finden die Genealogen und warnen gleichzeitig: „Wenn man einmal mit diesem Hobby angefangen hat, kommt man nicht wieder weg.“

Von Lothar H. Bluhm