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Mittendrin Crowdworking: Immer mehr "Klickarbeiter"
Mehr Mittendrin Crowdworking: Immer mehr "Klickarbeiter"
17:20 17.10.2016
Celle Stadt

Doch es gibt einige Fallstricke: Marc Seemann von der Celler Agentur für Arbeit empfiehlt deshalb Menschen, die überlegen, als Crowdworker zu arbeiten, vorher genau zu prüfen, welche Möglichkeiten bestehen: „Eine genaue Marktanalyse ist ebenso erforderlich, wie eine ausführliche Existenzgründungsberatung, auch zur Sozial- und Rentenversicherung.“

Wie Seemann feststellt, sei die Zahl der sozialversicherungsrechtlichen Arbeitnehmer im Bereich Celle in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen: Von 45.000 im Jahr 2005 auf 55.000 (2015). Auswirkungen durch Crowdworking seien bisher nicht feststellbar. „Die neuen Medien ermöglichen diese Art der freien Mitarbeit.“ Wichtig sei, vorher genau zu überlegen, ob die geplante Existenz tragfähig ist. Das sieht Michael Retzki, Existenzgründerberater bei der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg in Celle (IHK) genauso. Je nach Berufsbild würden die jeweiligen Kammern und Berufsorganisationen beraten.

Marktplätze im Internet ermöglichen es Freiberuflern, in Kontakt mit möglichen Auftraggebern zu kommen. Umgekehrt können Arbeitgeber dort jederzeit auf ein großes Reservoir an Arbeitskräften mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten zurückgreifen.

Crowdworker kennen keine festen Arbeitszeiten, sie sind eher jederzeit verfügbar. Jeder kann sie anheuern, mal hier, mal dort, meistens aber arbeiten sie am heimischen Computer. Damit sind Kündigungsschutz oder Urlaubsanspruch natürlich auch kein Thema für die Auftraggeber.

Das Heer der so genannten Klickarbeiter im Internet wächst dennoch. Eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie der Universität Kassel zeigt, wer die Menschen in der „Crowd“ sind und warum die digitale Erwerbsarbeit faire Spielregeln braucht.

Der Kasseler Informatikprofessor Jan Marco Leimeister hat eine Befragung durchgeführt und somit erstmals wissenschaftliche Erkenntnisse darüber erhalten, wie die Klickarbeiter arbeiten: „Sie sind häufig gut ausgebildet und viele nutzen die Jobs im Internet als Zuverdienst, doch gut ein Fünftel der Befragten verdient damit den Lebensunterhalt – zum Beispiel als Programmierer oder Designer.“

Crowdwork sei in den letzten Jahren erstaunlich gewachsen, schreiben die Forscher. Einen Hinweis darauf, wie viele „Klickarbeiter“ in Deutschland existieren, liefern die Nutzerzahlen einzelner Marktplätze. Bislang nutzen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen die Dienste der Crowdworker. Wie die Untersuchung zudem zeigt, beträgt das durchschnittliche Einkommen der Hauptberufler rund 1500 Euro im Monat.

Für Peter Dinkloh, Mediensekretär der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, bilden die Gewerkschaften für Crowdworker das Pendant zu den Unternehmen: „Wir sehen ein Ungleichgewicht, wie das Wirtschaftssystem organisiert ist. Die Unternehmen haben eine größere Durchsetzungsmacht als die Arbeitnehmer oder Crowdworker. Die Situation wollen wir verbessern.“

Von Lothar H. Bluhm