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Mittendrin Das nächste Hochwasser im Celler Landkreis kommt bestimmt
Mehr Mittendrin Das nächste Hochwasser im Celler Landkreis kommt bestimmt
18:07 06.02.2014
Vor allem die Aller, aber auch Lachte, Fuhse, Örtze und Wietze sorgen im Landkreis Celle im Extremfall für Hochwasser. Die Karte (Maßstab 1:157.000) bildet ein Szenario ab, wie es im Schnitt alle 100 Jahre auftritt. Im vergangenen Jahr trat beispielsweise die Aller in Winsen (kleines Foto) außergewöhnlich hoch über die Ufer. Quelle: NLWKN/Stefan Rampfel (Montage: CZ)
Celle Stadt

Die Fuhse bereitet der Samtgemeindeverwaltung in Wathlingen große Sorgen. Bei extremem Hochwasser, wie es vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vorhergesagt wird, würden weite Teile von Wathlingen und Nienhagen überflutet werden. Die Behörde hat ein Szenario errechnet, wie es im Schnitt alle 100 Jahre einmal vorkommt. Und auf diese Daten müssen die Gemeinden jetzt reagieren. „Wir dürfen uns nicht zurücklehnen, sondern müssen handeln“, sagt Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Grube. „Das nächste Hochwasser kommt bestimmt.“

In Nienhagen sind laut Grube die Gewerbegebiete Nord und Nord-Ost sowie die Bebauung nördlich der Bahntrasse durch die Fuhse bedroht. In Wathlingen müssten der Gutshof, die Kläranlage und die Biogasanlage geschützt werden. Für die Aue liegt nach einer Begehung durch den NLWKN bislang nur eine vorläufige Prognose vor.

Der Umweltausschuss der Samtgemeinde will kommende Woche darüber beraten, ob südöstlich von Wathlingen neue Flächen ausgewiesen werden, auf denen sich das Wasser im Extremfall ausbreiten kann. Die Sitzung beginnt am Mittwoch, 12. Februar, um 18 Uhr im Ratssaal des Rathauses Nienhagen.

„Das Wasser muss irgendwo hin, wo es keinen Schaden anrichtet“, so Grube. „Wenn dadurch beispielsweise Landwirten Ernte-Einbußen entstehen, muss man auch über Entschädigungen nachdenken. Wichtig ist, dass das Hochwasserproblem gemeindeübergreifend von der Quelle bis zur Mündung betrachtet wird. Deswegen arbeiten wir auch mit Uetze und dem Flotwedel zusammen.“

Der Samtgemeindebürgermeister vom Flotwedel, Helfried H. Pohndorf, würde lieber heute als morgen mit Schutzmaßnahmen gegen Überschwemmungen in seinen Ortschaften beginnen. Ihm geht es vor allem um die Dämme am Kloster Wienhausen und östlich des Allerparadieses. Vor einigen Jahren hat er ein eigenes Gutachten über das Hochwasserrisiko erstellen lassen. Damit habe er sich immer wieder beim Land Niedersachsen um Fördermittel beworben, blitzte aber jedes Mal ab. Begründung: Es sei kein Menschenschaden zu erwarten.

„Ich bin desillusioniert und unzufrieden“, sagt Pohndorf. „Seit 20 Jahren beschäftige ich mich bereits mit dem Thema. In dieser Zeit hätte man mit Landesmitteln schon einiges umsetzen können. Man müsste einfach mal anfangen.“ Der Verwaltungschef hofft, dass der NLWKN nach dem Festsetzen der Überschwemmungsgebiete Ende vergangenen Jahres nicht die Hände in den Schoß legt. „Das Land hat seine Pflicht nach dem Gesetz erfüllt, doch ich hoffe, dass in den Dienstzimmern noch etwas passiert“, so Pohndorf weiter.

In Lachendorf wird das Thema noch mit Gelassenheit betrachtet. „Was die Lachte angeht, haben wir noch nicht den aktuellen Stand der Prognosen für extremes Hochwasser“, erläutert Jörg Tostmann vom Fachbereich Bauen. „Erfahrungen haben gezeigt, dass vor allem Grundstücke in Richtung der Lachte-Mündung sowie die Gebiete rund um das Rathaus und die alte Feuerwehr gefährdet sind. Doch bis jetzt hat sich noch kein konkreter Handlungsbedarf für Baumaßnahmen ergeben.“

Auch im Westkreis arbeiten die Gemeinden im Kampf gegen Hochwasser zusammen. Winsen und Hambühren entwickeln derzeit eine gemeinsame Rahmenplanung, für die sie ein externes Ingenieurbüro beauftragt haben. Bis Ende Februar soll das Ergebnis auf dem Tisch liegen und im März im Bauausschuss vorgestellt werden. „Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden halte ich in dieser Sache für sinnvoll“, sagt Berthold Walter, Leiter des Fachbereichs Bauen im Winser Rathaus. Er geht davon aus, dass für die Verbesserung der Sicherheitslage insgesamt ein zweistelliger Millionenbetrag und für die Umsetzung ein Zeitraum von mindestens zwei Jahren nötig ist.

In der Gemeinde Winsen gehe es vor allem um die Gebiete Süd- und Westohe sowie Stedden, Bannetze und Thören. In Hambühren liegt der Fokus auf Oldau und Hambühren I. Diese Gemeinde kommt allerdings vergleichsweise gut weg. In welchem Bereich die Umsetzung von baulichen Maßnahmen am dringendsten ist, soll ebenfalls das Ingenieurbüro ermittlen.

Ursprünglich sollte auch Wietze in die gemeinsame Rahmenplanung mit Winsen und Hambühren aufgenommen werden, doch dort ist laut Walter „wenig los“. Nicole Jürgensen von der Ordnungsverwaltung in Wietze bestätigt das. „Bei uns sind nur wenige Gebiete im Norden an der Aller sowie an der Wietze und in Wieckenberg betroffen“, sagt sie. „Hauptsächlich stehen dort Wochenendhäuser und die Menschen sind erfahren im Umgang mit Überschwemmungen.“

Bauliche Maßnahmen seien nicht erforderlich. Bei drohendem Hochwasser würden die Einwohner informiert und bei Bedarf mit Sandsäcken und guten Ratschlägen versorgt. „Hier ist alles auf Nachbarschaftshilfe ausgerichtet“, so Jürgensen. „2013 hat das gut funktioniert und ich hoffe, dass es in Zukunft dabei bleibt.“

Die Stadtverwaltung in Celle beschäftigt sich bereits seit Jahrzehnten mit der Verbesserung des Hochwasserschutzes. In den vergangenen Jahren sind Umbauten an der Aller zwischen Boye und der Fuhsemündung und anschließend weiter Richtung Allerinsel abgeschlossen worden. In diesem Jahr wird der dritte Abschnitt vom Zusammenfluss von Aller-Nordarm und Mühlenaller bis zu den Celler Wehranlagen in Angriff genommen. Das betrifft vor allem die Allerinsel und soll unter anderem zum Schutz der Speicherstraße und Mühlenstraße beitragen. Die Stadt muss dabei nachweisen, dass bei all diesen baulichen Eingriffen benachbarte Ortschaften nicht benachteiligt werden. Das Hochwasser darf beispielsweise nicht früher als bisher Winsen erreichen oder heftiger als vorher in Bockelskamp auftreten.

„In Celle quälen sich drei Flüsse durch das Stadtgebiet“, erläutert Jens Hanssen, Leiter des zuständigen Fachbereichs im Neuen Rathaus. „Überschwemmungen vorherzusagen, ist wie ein Blick in die Glaskugel, aber beim Thema Hochwasserschutz ist die Stadt gut aufgestellt.“ Wie es nach der Verbesserung der Situation rund um die Allerinsel weitergeht, ist noch unklar. „Entweder kümmern wir uns weiter stromaufwärts um die Aller oder wir nehmen uns die Fuhse vor“, so Hanssen weiter. „10 bis 15 Jahre wird uns das sicherlich noch beschäftigen.“

Von Stefan Kübler