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Mittendrin Der Körper rächt sich
Mehr Mittendrin Der Körper rächt sich
16:06 26.04.2013
Unangenehme Folgen einer Sporteinheit: Schmerzen bei jeder Bewegung. Muskelkater ist hartnäckig. Quelle: Monique Wüstenhagen
Celle Stadt

Jeder kennt ihn, kaum jemand kann ihm etwas abgewinnen: Muskelkater. Auch in diesem Frühjahr werden einige Sportler darunter leiden. Jessica Hubach, Gesundheitssporttrainerin beim Niedersächsischen Turner-Bund (NTB), und Sportler aus dem Landkreis Celle kennen sich damit aus.

„Muskelkater, das sind kleine Muskelfaserrisse, die den Schmerz verursachen“, sagt Hubach. „Jeder Muskel ist an jedem Tag anders beschaffen. Wenn der Trainingsreiz zu groß ist, kommt es zu Muskelkater.“ Sie verdeutlicht die Leistungsfähigkeit des Körpers mit einem Bild: „Der Körper ist wie eine große Firma. Als Firmenchef muss man seine Mitarbeiter, in diesem Fall die Muskeln, gut behandeln. Tut man das nicht, kann es passieren, dass sie freiwillig kündigen, der Körper also Muskeln abbaut. Und wenn ein großer Auftrag ansteht, melden sich möglicherweise alle krank. Anders betrachtet, kann man der Firma Gutes tun, indem man fünf neue Mitarbeiter einstellt, das heißt Muskeln aufbaut, die sich auf einen neuen Auftrag vorbereiten können und dann volle Leistung bringen.“

Muskelkater dauert in der Regel nicht länger als drei Tage. „Wenn er doch länger anhält, sollte man zum Arzt gehen, um sich zu vergewissern, dass nicht mehr gerissen ist“, sagt Hubach. Was kann man tun? „Wärme hilft am besten, sie weitet die Blutgefäße und dadurch kann mehr Sauerstoff transportiert werden. Außerdem ist es sinnvoll, mehr natürliches Eiweiß durch Quark, Joghurt, Sojabohnen oder Nüsse zu sich zu nehmen. Das unterstützt den Muskel dabei, sich zu regenerieren.“

Hubach rät zu Schonung und Erholung. Allerdings muss man nicht auf Sport verzichten. „Wenn man Schmerzen in den Beinen hat, kann man beispielsweise den Oberkörper trainieren.“ Sollte man aber trotz Muskelkater weiterhin sehr belastend trainieren, kann es auf Dauer zu Komplikationen kommen: „Auf lange Sicht können daraus Muskelentzündungen werden.“

Annette Blazek, Tischtennisspielerin aus Adelheidsdorf, hat im normalen Training keinen Muskelkater mehr. An einem Wochenende mit vielen Spielen ist das anders. „Samstagabend hilft ein heißes Bad, das die Muskeln entspannt.“ Sonntagmorgen ist der Muskelkater allerdings trotzdem da. „Wenn man sich warm gespielt hat, wird es nur vorübergehend besser.“

Lukas Brinkop, Tischtennisspieler aus Celle, provoziert den Muskelkater manchmal bewusst: „Denn Muskelkater ist ein gutes Zeichen dafür, dass sich unser Muskel an die neuen Belastungen anpassen kann.“ Er beugt mit einem Trick vor: „An einem Freitag vor einem Spiel absolviere ich nur eine Art Wohlfühltraining. Ich gelange somit überhaupt nicht an die Schwelle zum Muskelkater.“

Triathletin Marie Elvert hat in starken Trainingsphasen oft Muskelkater. „In der Saison ist die Belastung natürlich größer.“ Aufwärmen kann ihrer Meinung nach den Muskelkater nicht komplett verhindern: „Wenn man einen neuen Reiz setzt, den der Körper noch nicht kennt, dann kommt der Schmerz trotzdem.“ Bei starken Schmerzen macht sie nur lockeres Training, meist schwimmt sie. „Wärme entspannt, hilft aber nicht wirklich langfristig. Was kaputt ist, braucht eben Zeit, um zu heilen.“

Von Marlene Schlüter