Die Pollen fliegen wieder
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Mittendrin Die Pollen fliegen wieder
Mehr Mittendrin Die Pollen fliegen wieder
17:06 12.04.2013
Unter den Birkenpollen leiden viele Allergiker. - Mit dem Frühling beginnt für sie die Leidenszeit. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand
Celle Stadt

Nach dem langen Winter kommt endlich der langersehnte Frühling. Aber nicht alle freuen sich auf die wärmere Jahreszeit. Die Pollen fliegen und mit ihnen beginnt die Zeit der Allergien.

Laut einer Studie der World Allergy Organization sind etwa 20 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Heuschnupfen–Geplagte und Asthmatiker leiden unter laufender Nase, juckenden Augen oder Atemnot. Die Beschwerden werden durch Allergene in der Atemluft ausgelöst.

Im April beginnen vor allem die Ulme, Weide, Pappel, Birke, Raps und Flieder zu blühen. Im Mai verbreiten zusätzlich noch Fichte, Walnuss, Hopfen, Kastanie und Gräser ihre Pollen. Für einen Überblick ist ein Pollenkalender zu empfehlen.

Allergikern kann geholfen werden. „Es gibt viele Therapien. Die meisten unterdrücken allerdings nur die Symptome und bekämpfen die Ursache nicht“, sagt Jost Greve, Apotheker der Rats-Apotheke. Eine Möglichkeit sind Antihistaminika. Diese sind in jeder Apotheke erhältlich.

Eine Immuntherapie hilft, eine Toleranz gegenüber dem Stoff zu entwickeln, auf den man reagiert. Dabei wird dem Patienten über einen bestimmten Zeitraum das Allergen in geringen Dosen verabreicht. „Mit einem Haut-Test, dem sogenannte Prick-Test, oder einer Blutentnahme lassen sich Allergien nachweisen“, sagt der Apotheker. Wer eine ganz auf sich abgestimmte Therapie finden möchte, sollte sich von seinem Arzt oder Apotheker beraten lassen.

Denn die Zahl der Allergiker ist deutlich gestiegen. Während vor 20 Jahren nur gut jeder Zehnte betroffen war, trifft es mittlerweile jeden Fünften. Studien des Robert-Koch-Instituts in Berlin haben zudem herausgefunden, dass Reiche öfter an Heuschnupfen leiden als Arme.

Die These, dass es sich um ein Zivilisationsproblem handeln könnte, wird von vielen Experten gestützt: Kinder sind heutzutage wesentlich weniger Keimen ausgesetzt als früher. Der Körper baut nicht mehr genügend Antikörper auf, um Allergien bekämpfen zu können. Kinder können diese aber nur im Kontakt mit Keimen und Allergenen aufbauen. Daher gilt: Wenn sich das Kind im Garten die Hose dreckig macht, egal – es gibt Waschmaschinen. Auf lange Sicht gesehen kann es nur von Vorteil sein.

Denn die Gefahr wächst: Wissenschaftler der TU München haben vor einigen Jahren festgestellt, dass Umweltgifte wie Dieselgeruch die Pollen verändern und ihr allergenes Potential verstärken.

Ärzte raten Allergikern in der Nacht die Fenster geschlossen zu halten oder Urlaub in pollenfreien Gebieten zu machen. Wie wäre es mit dem eisigen Norden? Bei Permafrost gibt es garantiert keine Pollen.

Von Julia Greve