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Mittendrin Dieter Zemke hat Beckenbauer & Co. vor ihrem WM-Sieg bekocht
Mehr Mittendrin Dieter Zemke hat Beckenbauer & Co. vor ihrem WM-Sieg bekocht
19:12 23.11.2010
Dieter Zemke zeigt die Urkunde, die ihm die Mitgliedschaft in der honorigen Gemeinschaft "Federation Cuissine Exclusive d´Europe" bescheinigt Quelle: Udo Genth
Faßberg

Dieter Zemke wurde 1938 in Greifswald geboren, bei Kriegsende flohen seine Eltern mit ihm und seinem Bruder nach Flensburg. Dort hat er erstmalig ein Schiff betreten und war von der Kombüse so angetan, dass er drei Jahre lang eine Lehre als Schiffskoch absolvierte. „Mein erstes Schiff hieß ‚Bernd Leonhard’ und war ein Stückgutfrachter“, erinnert sich Zemke. Auf diesem Kombi-Schiff bekochte er 30 Besatzungsangehörige und 20 Passagiere. Ab 1956 befuhr er mit diesem und anderen Dampfern die ganze Welt. „Nur in Australien bin ich nie gewesen“, bedauert Zemke. Nach vier Jahren Seefahrt musterte Dieter Zemke ab und blieb fortan an Land. 1959 kam er in das neu erbaute Kempinski-Hotel, eines der ersten Häuser in Berlin. Hier sind die meisten der Fotos entstanden, die nun die Wohnung von Dieter Zemke verschönern.

Rund ein Jahrzehnt später wechselte Dieter Zemke nach Karlsruhe, wo er in den beiden Steigenberger-Hotels am Ort als Chef-Koch arbeitet. Ludwigsburg und München waren seine nächsten Stationen, ehe er 1974 zur Fußballweltmeisterschaft nach Malente kam. Dort bereitet sich die deutsche Nationalmannschaft auf die Spiele vor. Die späteren Weltmeister Franz Beckenbauer, Günter Netzer und Sepp Meyer haben sich – neben anderen Fußballern – auf seiner Speisekarte verewigt.

Gemeinsam mit seinem Bruder Bernd, einem gelernten Hotelfachmann, eröffnete Dieter Zemke 1990 in Kappeln an der Schlei ein Restaurant. Das hatte jedoch nur eineinhalb Jahre Bestand. „Wir haben uns nicht vertragen, mein Bruder und ich, wir hatten zu unterschiedliche Ansichten“, stellt Dieter Zemke nüchtern fest. Nach dem Aus des eigenen Hauses fing er in Gifhorn neu an, kam in ein Haus in Wolfsburg, ehe er schließlich im Hotel Gerhus im Faßberger Ortsteil Gerdehaus blieb. Das in den letzten Jahren ins Gerede gekommene Haus „lief damals noch prächtig“, meint Zemke im Rückblick. 2004 ging er dann in Rente und blieb in Faßberg. „Hier fühle ich mich wohl“, sagt er.

Dieter Zemke lebt allein. Natürlich kocht er für sich selbst, aber auch gelegentlich bei Freunden, wenn sie ihn darum bitten. Ob in großen Häusern oder am heimischen Herd – Kochen macht ihm immer noch Spaß.

Von Udo Genth