Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Mittendrin „Ein guter Abschluss ist wichtig“
Mehr Mittendrin „Ein guter Abschluss ist wichtig“
14:24 28.02.2012
Celle Stadt

„Eine Note sagt nichts über die Qualität des Menschen aus“, sagten die Lehrer in der Schule, wenn es um die Verkündung von Zensuren auf dem Zeugnis ging. Und trotzdem haben sie einen wichtigen Einfluss auf die Lebensläufe der Menschen: Nur mit einem überdurchschnittlich guten Notendurchschnitt ist es möglich, sofort ein Studium der Medizin einzuschlagen, während jemand mit einem mittelmäßigen Schnitt mehrere Wartesemester absitzen muss.

Dieses Beispiel verdeutlicht, welchen Stellenwert Noten in unserer Gesellschaft haben. Sechs von sieben befragten Jugendlichen aus Celle sehen das ähnlich: Für sie sind oder waren gute Noten während der Schulzeit „sehr wichtig“ oder werden es ab sofort wieder, wie bei Klaudia Maszczy. Die 19-Jährige will im Sommer ihren erweiterten Realschulabschluss an der Volkshochschule nachholen. „Ich habe mich überall im Einzelhandel beworben und wurde wegen meiner Noten nicht genommen“, sagt die Realschul-Absolventin enttäuscht. Zwecks besserer Berufschancen will sie ihre schulische Laufbahn wieder auf Kurs bringen. Damals scheiterte sie an Mathe.

Gelingen soll dies mit einer neuen Einstellung. Zwar habe sie sich damals schon oft über Dreien und Vieren geärgert, aber da sie nun weiß, wie es in der Berufswelt aussieht, ist sie „ehrgeiziger“ geworden. „Ich werde die Schule viel ernster nehmen und am besten ein Jahr durchlernen“, formuliert Klaudia ihre Ziele. Zudem hat sie keinen Druck mehr aus ihrer Familie zu befürchten. „Ich hatte schon immer bessere Noten, wenn ich nicht gezwungen wurde zu lernen, sondern es selbst wollte“, sagt die 19-Jährige rückblickend.

Moralische Unterstützung erhält Klaudia von Daniela Goldbeck. Die heutige Studentin machte 2006 ihr Abitur und weiß, dass jemand mit guten Noten „bessere Möglichkeiten für die Berufs- und Studienwahl“ hat. „Es war allerdings auch wichtig, kurz mal die Schule schleifen zu lassen und mit Freunden wegzugehen“, so der Rat der 24-Jährigen.

Ein Vorteil ist, wenn der Freund auf dieselbe Schule geht, wie es bei Joanne Goodwin und Edgar Martin der Fall ist. Das schulisch sehr engagierte Paar besucht gemeinsam die BBS 1 in Celle. Edgar macht eine Ausbildung zur Fachkraft der Lagerlogistik während seine Freundin Joanne die Berufsrichtung der Groß- und Einzelhandelskauffrau eingeschlagen hat. „Gute Noten und Zielstrebigkeit sind sehr wichtig“, findet Edgar. Seine Freundin nickt. „Es hilft dabei, später im Leben weiter zu kommen.“ Der Ehrgeiz bei dem 22 Jahre alten Celler geht so weit, dass er sich täglich auf seine Aufgaben in Schule oder Beruf ausgiebig vorbereitet. Schlechte Noten sind für beide kein Weltuntergang: „Sie motivieren mich und geben mir den Anreiz, es beim nächsten Mal besser zu machen“, sagt Edgar.

Es gibt aber auch Schüler, die sich nicht um gute Noten kümmern: „Das war mir damals überhaupt nicht wichtig“, blickt Anis Schwarzenberger zurück. „Ich hatte andere Interessen.“ Der 29-jährige Hauptschulabsolvent bereut seine Einstellung heute: „Hätte ich mich damals nur mehr angestrengt.“ Potenzial war durchaus vorhanden: „Es gab auch Klassen, wo ich richtig gut war. Alles war motivationsabhängig.“ Die Motivation ließ nach, als sich die Eltern immer mehr einmischten und Druck ausübten. „Das hat man als Schüler schon gemerkt“, sagt Anis.

Nur wenn sich die Eltern stark einmischten und sogar stringent zum Lernen zwangen, sank die Lust am Lernen bei vielen Befragten. Vielleicht sollten Eltern ihren Kindern Freiheiten beim Lernen lassen und es nicht als Zwangsarbeit verstehen. Die kurze Umfrage zeigt nämlich, dass bei vielen Cellern die Motivation für einen erfolgreichen Schulabschluss von Grund auf vorhanden ist.

Von Andre Batistic