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Mittendrin "Einen Fußabdruck hinterlassen": Erik Viol aus Beckedorf hat ein Jahr als Freiwilliger in einem Waisenheim in Uganda geholfen
Mehr Mittendrin "Einen Fußabdruck hinterlassen": Erik Viol aus Beckedorf hat ein Jahr als Freiwilliger in einem Waisenheim in Uganda geholfen
11:08 22.02.2012
Erik Viol Uganda Quelle: Amelie Thiemann
Beckedorf

Die Sonne brennt, Kinder springen herum, kicken einen alten Ball hin und her. Sie lachen beim Toben. Ihr Laufen wirbelt Sand auf, er brennt in ihren Augen, doch das stört sie nicht. Auch die Fliegen auf ihren Gesichtern verscheuchen die Kinder nicht – sie haben sich an die hartnäckigen Insekten gewöhnt. Auf den ersten Blick eine ganz normale Situation. Die Szene spielt jedoch nicht in einem deutschen Vorort an einem heißen Sommertag, sondern in Kankobe, in der Nähe vom Viktoriasee und dem Äquator – der kleine Ort in Uganda war für ein Jahr die Heimat von Erik Viol aus Beckedorf.

Viele der Kinder sind Waisen, sie wohnen in „Kankobe‘s Children Home“. Das Waisenheim wird von katholischen Nonnen geführt. In ihm finden Kinder zwischen drei und 16 Jahren, die ihre Eltern verloren haben oder nicht mehr bei ihnen leben konnten, ein neues Zuhause. Hier gehen sie zur Schule, machen einen Abschluss, können ihre Zukunft selbst gestalten.

Erik bewarb sich Ende 2008 bei der Organisation VIA, um ein Jahr lang in Afrika Freiwilligendienst zu leisten. „Ich habe durch einen Bekannten vom Programm Weltwärts der Bundesrepublik Deutschland erfahren. Für mich war es eine Alternative zum Wehrdienst und ich wollte nach dem Abitur etwas anderes sehen“, erläutert Erik seine Entscheidung, nach Afrika zu gehen und vor Ort zu helfen.

Bei seiner Bewerbung konnte er Wünsche angeben, in welchen Ländern er eingeteilt werden sollte. Erik wählte Uganda, Kenia und Togo. Kurz darauf hatte er eine Zusage für Uganda und die Arbeit in einem Waisenheim. „Uganda gefiel mir, weil ich bisher nur wenig über das Land wusste und es kennenlernen wollte“, sagt Erik.

Dann ging es an die Vorbereitung: einige Impfungen, zum Beispiel gegen Gelbfieber und Hepatits A, waren nötig, auch eine Grundausrüstung musste angeschafft werden. Dazu zählten ein Reiserucksack, ein Tropenschlafsack und auch ein imprägniertes Moskitonetz, das mit einem Anti-Mückenmittel eingesprüht ist. Im Juli 2009 ging es los, für ein Jahr nach Uganda.

„Bei der Ankunft in der Hauptstadt Kampala wurde mir zum ersten Mal wirklich bewusst, dass ich hier ein Jahr bleiben würde“, erinnert sich Erik. Er sei mit einer gewissen Naivität an die Sache herangegangen, ohne sich viele Gedanken zu machen. „In Kampala waren sehr viele Menschen, ich war ständig unter Stress, da ich aufpassen musste, nicht aus Versehen auf die Straße zu treten und überfahren zu werden.“ Im Waisenheim auf dem Land wurde Eriks Begeisterung erneut gedämpft: „Es gab keine regelmäßige Grundversorgung mit Wasser und Strom, ich hatte das Gefühl, den Anschluss an die Gesellschaft zu verpassen.“ Das machte ihm erneut klar, dass er ein Jahr im kleinen Kankobe bleiben würde. „Die Afrika-Romantik ist schnell verflogen.“

Im Waisenheim war Erik nicht nur für die Kindererziehung zuständig, sondern musste sich ein eigenes Arbeitsfeld suchen. Für neue Projekte bekam er monatlich 40 Euro von der Organisation, außerdem ein Taschengeld von 120 Euro. „Anfangs habe ich nur die Kinder bespaßt, aber ich habe schnell gemerkt, dass ich das nicht für ein ganzes Jahr tun wollte“, beschreibt Erik seine Situation. „Ich wollte einen kleinen Fußabdruck hinterlassen.“

Er baute den Bananenhain des Heims zu einer kleinen Plantage aus, kaufte 100 Hühner für eine eigene Hühnerzucht und baute einen Brotbackofen. Dafür nutzte er nicht nur das Projektgeld, sondern auch sein Taschengeld.

„Das Heim war abhängig von Spenden, deshalb habe ich versucht, die Selbstversorgung zu stärken“, sagt Erik. Mittlerweile bringe die Hühnerzucht deutlich mehr ein, als sie koste. „Ich denke, in meinem mir möglichen Rahmen habe ich viel bewegt.“

Die Erfahrung in Uganda kann Erik, der nun Germanistik und Sinologie in Tübingen studiert, nur jedem empfehlen: „Es bringt einen weiter, gerade weil es eine extreme Situation ist.“

Uganda sei landschaftlich ein sehr schönes Land, auch die Menschen seien herzlich und gastfreundlich. Die Einwohner Ugandas brächten einem ein Grundvertrauen entgegen. „Das vermisse ich manchmal in Deutschland.“

Amelie Thiemann

Von Amelie Thiemann