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Mittendrin Engagement „Gegen das Vergessen“
Mehr Mittendrin Engagement „Gegen das Vergessen“
19:00 11.11.2010
Rainer Bischoff kümmert sich leidenschaftlich um das Thema deutsch-deutsche Vergangenheit. Sein Hund Henry (3) hat auch einen großen Platz in seinem Leben eingenommen und ist überall dabei. Quelle: Torsten Volkmer
Wienhausen

So stellt der 63-jährige ehemalige Grund- und Hauptschullehrer sein Engagement unter das Motto „Gegen das Vergessen“. Seit einigen Jahren geht der Pädagoge auf Spurensuche. Er trifft sich an der ehemaligen innerdeutschen Grenze mit Zeitzeugen und mit Menschen, die unter schwierigen Umständen geflüchtet sind. Aber er führt auch Exkursionen an die frühere innerdeutsche Grenze durch.

Motiviert ist er durch einen Filmbeitrag von Ralph Giordano, der die Demarkationslinie abgefahren ist und viele Gespräche mit Zeitzeugen geführt hat. Bischoff korrespondierte mit Giordano. Dieser schickte ihm sein Buch mit dem Titel „Hier war ja Schluss ... Was von der deutsch-deutschen Grenze geblieben ist“.

Bischoff begab sich in den Spuren von Giordano auch auf Spurensuche. Seine Gesprächs-partner waren ehemalige NVA-Männer, ein Fischer und ein Schneidermeister aus der früheren DDR.

Rainer Bischoff ist in Weddendorf in der Nähe von Oebisfelde geboren. Im Jahr 1953, als er selbst sechs Jahre alt war, flüchteten seine Eltern mit ihm nach Nordrhein-Westfalen. 1956 kehrte er noch einmal in den Sommerferien nach Weddendorf zurück und lernte den DDR-Alltag kennen.

Bis 1958 lebte er in Nordrhein-Westfalen. Dann zog die Familie mit ihm in die Nähe von Wolfsburg, weil sein Vater im VW-Werk Arbeit fand. 1968 machte Bischoff Abitur. Dann absolvierte er an der PH Braunschweig ein Lehramtsstudium. Seine Fächer waren Geschichte und Erdkunde. Er wurde Lehrer an der Volksschule Langlingen. Dann war er an der Orientierungsstufe Wathlingen tätig und von 1981 bis 1985 als Fachkonferenzleiter Mitglied der Schulleitung. Von 1985 bis 1996 war er Rektor der Grund- und Hauptschule Wienhausen. Von 1997 bis 2004 wirkte er als Realschullehrer an der Orientierungsstufe Flotwedel in Eicklingen.

Problemstellungen, die bei seinen Lesungen angesprochen werden, hätten ihn ein Leben lang begleitet, erzählt Bischoff. „Ich bin als Kind im Sperrgebiet aufgewachsen und habe als Erwachsener auch in der Nähe meiner alten Heimat gewohnt. Die Schikanen beim kleinen Grenzverkehr habe ich erlebt.“ In Museen, Schulen und Volkshochschulen liest Bischoff aus interessanten Büchern, in denen es um die jüngste deutsch-deutsche Geschichte geht. Aber auch auf Einladung von Vereinen und Organisationen würde er gern Lesungen halten.

Bei Radio Celle I moderierte er am 8. November die Sendung mit dem Titel „20 Jahre Deutsche Einheit“. Wenn er nicht gerade selbst eines seiner vielen historischen Bücher liest, geht er auch gern zu den Fußballspielen des VfL Wolfsburg. Er sei ein großer Fan des Vereins, so betont der Pensionär.

Bischoff lebt in Oppershausen. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Von Anne Marx