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Mittendrin Er ist Celles "Mister Kanusport"
Mehr Mittendrin Er ist Celles "Mister Kanusport"
11:28 27.12.2017
Typenporträt: Olaf von Hartz Quelle: David Borghoff (1) / Alex Sorokin (Archiv) (1)
Celle

Mit 14, sagt Olaf von Hartz und lacht, da sei das ganze Elend losgegangen. „Da habe ich zur Konfirmation mein erstes Boot bekommen – aber dass es einmal so enden würden, das hätte wohl niemand gedacht.“ Seit 40 Jahren feiert der Celler Wildwasserkanute nationale und internationale Erfolge, konnte unter anderem zwei Weltmeistertitel und zahlreiche Siege bei den Deutschen Meisterschaften für sich verbuchen. Wasser habe er schon immer geliebt, so der 55-Jährige. „Boot fahren ist für mich nach wie vor die beste Möglichkeit, vom Alltag abzuschalten.“

Das erste Kanu sei übrigens nicht bloß ein Geschenk gewesen, das man ihm einfach mal so aufs Auge gedrückt habe, verrät von Hartz mit einem kleinen Schmunzeln. „Ich hab mir tatsächlich auch eins gewünscht. Ich hab Boote schon immer klasse gefunden – meine Eltern hatten ein Faltboot, da haben wir natürlich auch die ein oder andere Tour unternommen.“ Nach der Konfirmation sei er allerdings erst einmal nur „freizeitmäßig auf der Fuhse herumgeschippert“, erläutert der gebürtige Celler. „Angefangen zu paddeln habe ich erst mit 15 – für einen Jugendlichen eigentlich relativ spät, um mit Leistungssport zu beginnen.“

Von Hartz trat in die Kanu-Gesellschaft Celle ein – und es kam, wie es kommen musste: „Irgendwann saß ich im Rennboot, fuhr erste kleine Rennen auf Örtze und Leine. Ich muss wohl ganz gut gewesen sein“, erzählt er mit einem Augenzwinkern, „denn der Landesverband kam auf mich zu, und plötzlich war ich im Kader. Mit 18 bin ich auf dem Inn meine erste Deutsche Meisterschaft gefahren – und habe seitdem keine mehr ausgelassen.“ In seiner Laufbahn als erfolgreicher Wildwasserkanut hat der gebürtige Celler schon so Einiges an Medaillen eingeheimst. „Ich bin aber keiner, der mit einem Rechenprogramm akribisch darüber Buch führt“, winkt er ab. „Nur die großen Erfolge, die bleiben einem natürlich im Kopf.“

So wie sein erster Weltmeistertitel, den von Hartz 2008 im italienischen Ivrea einfahren konnte. „Das war auf der Dora Baltea“, erinnert sich der Celler „Mister Kanusport“. „Es hatte so stark geregnet, dass der Fluss innerhalb kürzester Zeit völlig angeschwollen war und die Veranstaltung schon auf der Kippe stand.“ Wie komplett man beim Kanufahren von der Natur abhänge, sei für ihn immer wieder faszinierend, sagt von Hartz. „Jeder Fluss, jeder Bach hat seinen eigenen Charakter, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Man kann Wochen vor der Meisterschaft zum Training da sein, und beim Wettkampf sehen die Verhältnisse dann doch wieder ganz anders aus.“

Sieben bis zehn Trainingseinheiten absolviert der Altmeister pro Woche, vor Wettkämpfen durchaus auch einmal mehr. Hinzu kommen noch fünf bis zehn Stunden Ehrenamt – seit 2007 ist von Hartz Vorsitzender der Kanu-Gesellschaft Celle. „Da muss man seinen Tag schon sehr sorgfältig planen, wenn man den Spagat zwischen Beruf, Sport und Ehrenamt hinbekommen will“, meint er, „und hoffen, dass nicht allzuviel Unvorhergesehenes dazwischen kommt.“ Er engagiert sich zudem als Fachwart für Wildwasser-Rennsport im Landes-Kanu-Verband Niedersachsen, als Kampfrichter bei Meisterschaften sowie als Vorsitzender des Wildwasserförderclubs. „Kanufahren ist nunmal eine nicht-olympische Sportart, da werden wir mit Fördermitteln nicht gerade überschüttet.“

Sein Herzblut hänge am Kanusport, betont von Hartz, und gerät an dieser Stelle so richtig in Fahrt. „Außerdem bin ich der Meinung, dass man nicht so intensiv im Leistungssport tätig sein kann, ohne irgend etwas zurückzugeben. Ja, es ist sogar eine verdammte Verpflichtung für jeden, der sich lange in einem Sport engagiert, etwas zurückzugeben. Ich hab‘s ja auch nicht an die Spitze geschafft, ohne Unterstützung zu haben.“

Darüber hinaus gebe es für Jugendliche nichts Besseres als Sport, um in einer Leistungsgesellschaft wie der unseren Erfolg haben zu können, findet Celles Kanu-Urgestein. „Man lernt unglaublich viel für‘s Leben: Disziplin, sich auf etwas zu konzentrieren, soziales Miteinander. Man lernt, mit Rückschlägen fertig zu werden, wieder aufzustehen, und es am nächsten Tag noch mal zu versuchen.“

„Ohne Sport wäre auch ich sicherlich nicht da, wo ich heute bin – weder privat, noch beruflich“, sagt der 55-Jährige, der nach seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gemeinsam mit seinem Vater das Fliesenfachgeschäft von Hartz in der Celler Neustadt gegründet hat, mit Nachdruck. „Für meine persönliche Entwicklung hat das Kanufahren unheimlich viel gebracht, es hat mich geprägt.“ In der Pubertät sei er nämlich nicht gerade der „große Kracher“ gewesen, gesteht von Hartz selbstkritisch. „Schulisch war ich eher mittelmäßig, und einen großen Freundeskreis hatte ich auch nicht.“ Der Leistungssport habe ihm viel gegeben, ihm wichtige Erfolgserlebnisse beschert. „Das war wahnsinnig viel wert.“

Ein Leben ohne seinen Sport kann sich der Celler Wildwasserkanute deshalb auch gar nicht mehr vorstellen. „Es gibt ja böse Zungen, die behaupten, mein Boot wäre auf meinem Autodach festgewachsen“, verrät von Hartz und lacht. „Aber es stimmt schon, auch im Urlaub geht es für meine Familie und mich eigentlich immer zum Paddeln. Ich liebe nicht nur die sportliche Betätigung, sondern auch das Landschaftserlebnis, das man dabei hat.“

Bei der nächsten Kanu-Weltmeisterschzaft in der Schweiz im kommenden Jahr ist Celles Altmeister natürlich ebenfalls wieder mit von der Partie. „Mit Mitte Fünfzig kämpft man zwar schon ein wenig gegen den Verfall“, erklärt von Hartz – leicht scherzhaft, aber durchaus auch ein wenig ernst gemeint. „Man ist jedes Jahr froh, wenn man sein Niveau gehalten hat. Andererseits ist man bei Wettkämpfen auch relativ entspannt, weil man ja fast alles schon gewonnen hat.“

Von Christina Matthies