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Mittendrin Fällarbeiten am Fürstenhof in Celle: "Da schwebt der Baum davon"
Mehr Mittendrin Fällarbeiten am Fürstenhof in Celle: "Da schwebt der Baum davon"
12:02 06.06.2018
Von Dagny Siebke
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Ein Kletterer hängt im Baum und bindet die vier Stahlketten des Kranes um die Krone. Sein Kollege steht auf einer Teleskop-Arbeitsbühne und sägt einzelne Äste ab, manche brechen sofort, weil sie morsch sind. Nur noch wenige braune Blätter hängen schlaff an der Kastanie herunter, denn sie ist von Hallimasch und vom Brandkrustenpilz befallen. Der Baum ist mittlerweile so krank, dass er von Baumpfleger Josua Hundertmark als nicht mehr stand- und bruchsicher eingestuft wurde. Seit Jahren begutachtet er die Bäume des Fürstenhofs, erst alle 18 Monaten, zum Schluss sogar alle sechs Monate. Für die drei vorderen Kastanienbäume gibt Hundertmark Entwarnung: "Aufgrund der guten Pflege sind das Celles schönste Kastanien." Die Bäume sind das Aushängeschild des Fünf-Sterne-Hotels.

Doch für die beiden Kastanien hinter dem Hauptgebäude des Fürstenhofs kann der Baumpfleger nichts mehr tun. "Die beiden Bäume prägten lange das Flair des Innenhofes. Wir haben so lange wie möglich versucht, sie zu erhalten – bis er nicht mehr ging", erzählt Josua Hundertmark. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die zwei Kastanien für die Hotelgäste zur Gefahr werden könnten. Deswegen müssen sie am Dienstag gefällt werden. Da noch Brut- und Setzzeit ist, gingen die Baumpfleger auf Nummer sicher und suchten die Bäume vorher nach Vogelnestern ab. Zum Glück wurden sie nicht fündig.

Die Fällaktion gleicht einer logistischen Meisterleistung, denn drei Firmen sind beteiligt. Der Garten- und Landschaftsbau "Sandau & Heindorff", Autokrane Nolte und Baumpflege Hundertmark. "Das ist heute Team-Arbeit. Alle acht Mitarbeiter vor Ort müssen sich 100 prozentig aufeinander verlassen können", betont Landschaftsarchitekt Jens Sandau. Denn die Teile der Kronen und die Baumstämme müssen mit einem 105 Tonnen schweren Kran über das Nebengebäude auf den Parkplatz der Celleschen Zeitung gehoben werden. Bis zu 60 Meter hoch kann der Kran ausgefahren werden, sagt Christian Fabian. Für den Kranführer ist es fast ein ganz normaler Arbeitstag. "Es ist allerdings schon etwas ungewöhnlich, dass ich nicht sehe, was ich am Haken habe. Da muss jede Anweisung sitzen."

Momentan spricht nur Baumpfleger Thorsten Kruse-Neuls mit dem Kranfahrer, da jetzt das schwerste Teil des Baumes entfernt wird. Minutenlang kreischt die Kettensäge, bis der drei Tonnen schwere Stamm leicht über den Boden wankt und ihn die vier Stahlketten in die Höhe ziehen. "Da schwebt der Baum davon. Das sieht ja spektakulär aus", sagen die Zuschauer im Innenhof.

"Momentan haben wir fast nur Geschäftsleute im Haus, die früh das Hotel verlassen. Die Gäste, die noch da sind, finden die Arbeiten eher spannend als belästigend", sagt Ingo Schreiber, Geschäftsführer des Fürstenhofes. Ihm sieht man zwischendurch die Sorgenfalten im Gesicht an. "Wir hoffen, dass nichts beschädigt wird. Das wären enorme Kosten." Wie teuer allein die Baumfällarbeiten sind, möchte der Geschäftsführer lieber nicht sagen.

1969 wurde den Nebentrakt des Hotels einfach um die beiden Kastanienbäume herum gebaut. "Damals durfte man sie nicht fällen", erläutert Ingo Schreiber. Nun sieht es so aus, als würde der Baum schräg auf dem Dach und der Balkonbrüstung liegen. Zwischen Dach und dem mit Efeu bewachsenen Baum gibt es nur drei Millimeter Platz. Zur Vorsicht hat der Geschäftsführer die Dachdecker schon für die Nachmittagsstunden bestellt. Zudem sind die Zimmer des Nebengebäudes zur Sicherheit nicht belegt. Schließlich könnte plötzlich ein Ast in die Zimmer hineinragen.

Der Beruf des Baumpflegers gehöre zu den fünf gefährlichsten Berufen der Welt, sagt Josua Hundertmark. Da das Verletzungsrisiko sehr hoch sei, sei es besser, ein wenig vorsichtiger zu sein. "Mit der Einstellung 'Passt schon', kommt man hier nicht weit", sagt Hundertmark. Nach zehn Jahren Berufserfahrung hatte Hundertmark nicht einen Unfall. Jedoch ist ihm in den vergangenen Monaten zum ersten Mal ein Ast so auf den Schutzhelm geknallt, dass dieser brach. Doch mit drei Stichen konnte die Wunde am Kopf genäht werden. Heute zeigt der Wettergott sich mit den Baumpflegern gnädig, denn es weht kein Lüftchen und erst nach Mittag steigen die Temperaturen. Jens Sandau und Thorsten Kruse-Neuls stehen auf dem Balkon und der Arbeitsbühne und schubsen den Baumstamm vom Haus weg. Ganz langsam zieht der Kranführer den Stamm nach oben. Doch der vermeintlich "gesündere" Baum mit den vielen Blättern an den Ästen ist doch leichter als gedacht. Er wiegt "nur" 2,3 Tonnen. "Wenn ein Baum krank ist, weiß man nie, wie es drinnen aussieht", sagen die Baumpfleger. Jetzt sieht man, dass der Baum innen schon hohl war. Am Ende bleibt das Nebengebäude heil. Von Ingo Schreiber fällt die Anspannung ab. Der Chef des Fürstenhofes bedankt sich für den Einsatz des gesamten Teams von Jens Sandau: "Glückwunsch. Das haben Sie super gemacht."

Auf dem Parkplatz nebenan werden noch die Äste zerlegt und kommen direkt in den Häcksler. Auf einem Hänger landet das gehäckselte Holz. Auf einem weiteren Hänger landen die dicken Baumstämme. „Es ist unglaublich. Der Baum braucht 80 Jahre Zeit, um zu wachsen und wurde in nur zwei Stunden gefällt. Das macht mich jedes Mal traurig", betont Baumpfleger Josua Hundertmark.

Dort, wo die zwei Kastanienbäume standen, werden keine neuen Bäume gepflanzt. Über die alten Baumwurzeln in der Erde werden bald Hortensien und Rhododendren wachsen. Im Herbst wird der Hausmeister des Fürstenhofes nun nicht mehr so viel zu tun haben. Jeden Morgen fegt er die Blätter der Kastanienbäume vor der Eingangstür zusammen, damit sich die Gäste wohlfühlen und es die Minier-Motte nicht so leicht hat. Jetzt sind es nur noch drei von ehemals fünf Bäumen. "Zum Glück haben die Kastanien kein gemeinsames Wurzelsystem", sagt Josua Hundertmark. Doch für die Baumpfleger ist der Tag noch nicht zu Ende. Da sie schon mal hier sind, klettern sie noch den Ahorn hoch und entfernen das Totholz – alles zur Sicherheit des Verkehrs und der Gäste.

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