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Mittendrin Fernwärmetechnik aus Celle für "Queen Mary 2"
Mehr Mittendrin Fernwärmetechnik aus Celle für "Queen Mary 2"
11:25 08.12.2016
Gesellschafter Volkwart Harders (links) und Produkt-Manager Matthias Klaws stellten sich der Herausforderung, sichere Leitungen für das minus 163 Grad kalte Flüssiggas zu liefern. Quelle: Lothar H. Bluhm
Westercelle

Der Neubau entsteht gerade auf der Werft Sembcorp Marine in Singapur im Auftrag der niederländischen Werft Heerema Offshore Services B.V. Das „Semi-Submersible Crane Vessel“ (SSCV) wird zudem für weltweite Arbeiten an großen Offshore-Einheiten mit zwei Huis man-Offshorekranen ausgestattet. „Jeder Kran kann bis zu 10.000 Tonnen heben“, sagt Harders, um die Dimension des Kranschiffes zu verdeutlichen. Es ist 220 Meter lang und 110 Meter breit.

Die Herausforderung für die Celler Spezialisten besteht darin, sichere Leitungen für das minus 163 Grad kalte Flüssiggas zu liefern und einzubauen und dabei die besonderen Gegebenheiten des Schiffbaues zu berücksichtigen. Das sind Doppelwandrohre, die durch speziell angepasste Dämmstoffe und Verfahren innerhalb des Ringraumes eine Temperaturstabilität gewährleisten. „Dazu gehört auch, dass unsere isolierenden Leitungsrohre die einzelnen Schotten sicher verbinden müssen. Dabei spielen die Werkstoffe und das Know-how eine ganz große Rolle“, beschreibt Harders das Projekt, für das Edelstahl aus der ehemaligen Kupferschmiede Butting in Knesebeck verwendet wird: „Der Schwerpunkt der Tätigkeiten in Knesebeck liegt in der Fertigung längsnahtgeschweißter Rohre aus Band und Blech, der Weiterverarbeitung zu einbaufertigen Rohrkomponenten im Rahmen umfassender Vorfertigungskapazitäten und in der Rohrtechnik.“

Das FW-LNG-Pipe-System für den Transport von Flüssiggas auf Schiffen besteht aus einem das Medium führenden Innenrohr, einer kältetauglichen Wärmedämmung und einem Mantelrohr. „Dabei wird der Ringraum auf 1 mbar evakuiert, um die Temperaturübertragung auf das Medium beziehungsweise die Abkühlung des Mantelroheres zu reduzieren“, skizziert Matthias Klaws den Aufbau der Leitungen. Die Bauteile werden zurzeit auf dem Betriebsgelände in Westercelle gefertigt und auf Abruf ausgeliefert. „Die Transportkisten stehen schon parat.“

Für die wirtschaftliche, sichere und störungsfreie Beförderung von LNG, Öl und umweltschädlichen Flüssigkeiten hat die FW-Fernwärme GmbH zudem ein Dreifach-Rohrsystem entwickelt, das serienreif ist. „Alle Versuche zeigten, dass die Temperatur des Außenroheres an keiner Stelle in einen kritischen Bereich absinkt“, stellt Produkt-Manager LNG Pipe & Kammer Pipe Klaws fest und unterstreicht, dass auch im Falle einer Leckage das FW-Kammer-Pipe weiter betrieben werden kann. Dies ist die Basis für eine wirtschaftliche Nutzung und zugleich ein Erfordernis, um Sicherheits- und Umweltrisiken zu senken.

90 Mitarbeiter sind in dem Westerceller Betrieb beschäftigt. „Wir bilden momentan zehn Anlagemechaniker aus“, sagt Gesellschafter Harders und kündigt an, dass sich der Betrieb alsbald um 15000 Quadratmeter erweitern wird: „Wir brauchen dringend den Platz für eine weitere Fertigungshalle.“

Von Lothar H. Bluhm