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Mittendrin Feuersalamander, hurra!
Mehr Mittendrin Feuersalamander, hurra!
14:37 14.03.2012
Kinderfeuerwehr Faflberg - Feinmotorik¸bung mit der Angel aus dem Topf... Leon (6), Martin (6), Rieke (6) und Tarja (6) werden durch Gitta unterst¸tzt. Quelle: Torsten Volkmer
Poitzen

Die Kinderfeuerwehr Faßberg spürt nichts von dem Nachwuchsmangel bei den Freiwilligen Feuerwehren.

Ein Mal im Monat treffen sich knapp 30 Kinder, um etwas über die Arbeit der Feuerwehr zu lernen und gemeinsam zu spielen.

Das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Poitzen verwandelt

sich dann in einen großen Abenteuerspielplatz.

POITZEN. „Feuersalamander, hurra“, schallt es durch das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr in Poitzen. „War das schon alles?“, fragt Betreuerin Marina Dellemann. Die Antwort dröhnt ihr entgegen: „Feu-er-sa-la-man-der, hur-ra“, noch gefühlte 50 Dezibel lauter. Die zwölf angehenden Brandbekämpfer der Kinderfeuerwehr Faßberg zeigen, was sie können.

In der Feuerwehrgarage stehen sonst die Einsatzfahrzeuge. Heute wurde die Halle in einen Spielplatz verwandelt: Ringe werfen, Kegeln sowie ein Angel- und ein Fühlspiel stehen für die zwölf Feuersalamander bereit.

Doch bevor es ans Spielen geht, bekommen die Kleinen noch ihre Feuerwehrhelme, eine kleinere Version des Originals. Stolz setzen die Kinder ihre Helme auf. „Heute ist erst unser drittes Treffen“, sagt Kinderfeuerwehrwart Bernd Wienecke. Deshalb wird ein Ball herumgereicht, jedes Kind sagt seinen Namen, sobald es den Ball hat. So lernen sich die Kinder kennen.

Gegründet wurde die Kinderfeuerwehr in Faßberg am 1. August 2011. Seit Anfang des Jahres treffen sich die kleinen Feuerwehrleute jeden zweiten Sonnabend im Monat. „Der Ansturm war enorm, deshalb haben wir die Kinder in zwei Gruppen eingeteilt“, erläutert Wienecke. So startet eine Gruppe bereits um zehn Uhr, die andere kommt um elf. Eine Stunde dauert die Kinderfeuerwehr Faßberg, teilnehmen können Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren.

Gespielt wird zwischen echter Feuerwehrausrüstung. Zwei Wände des Gerätehauses Poitzen hängen voller Schutzanzüge. Orange Jacken mit Reflektoren, auf denen hinten der Hinweis „Feuerwehr“ steht, blaue Latzhosen, ein breiter Gürtel und ein blass-gelber Helm mit schützendem Visier: Es gehört so einiges zu der Grundausstattung eines Feuerwehrmannes.

Angelspiel für

die Feinmotorik

Leon, Martin, Rieke und Tarja hat es zu dem Angelspiel gezogen. Sie versuchen, gelbe Plastikentchen mithilfe einer Magnetangel aus einem großen Topf heraus zu befördern. „Das schult die Feinmotorik“, weiß Betreuerin Yvonne Bachmann.

Beim Kegeln, einer anderen Spielstation, ist genaues Zielen gefragt. Eike holt aus und lässt die Kugel mit Schung losrollen. Sie trifft mittig auf die grünen, gelben, roten und blauen Kegel – sein Wurf bringt alle zu Fall. Eike jubelt und wechselt begeistert zum nächsten Spiel.

Nachdem sich alle Kinder an jeder Station probiert haben, bilden sie wieder einen Kreis. Betreuerin Gitta Melnikow fragt, was die Spiele mit der Feuerwehr zu tun haben. Zuerst schauen alle Kinder verdutzt. Eine berechtigte Frage, denn mit Löschen eines Feuers und Mitfahren im Einsatzwagen hatte das nichts zu tun. Etwas zögerlich meldet sich Frederik: „Man musste genau zielen und treffen können, und bei dem Fühlspiel musste man tasten ohne zu sehen. Das braucht man, wenn mal die Sicht schlecht ist, mit Rauch oder so.“ Die Betreuerinnen loben seine richtige Antwort und erklären den anderen Kindern noch einmal genau, welche Übung welchem Zweck diente.

„Leider dürfen die Kinder die Feuerwehrgeräte nicht berühren“, sagt Wienecke. Das bedeutet, sie dürfen weder im Einsatzwagen mitfahren, noch die originalen Schutzanzüge anprobieren. „Das ist versicherungstechnisch so geregelt“, bedauert der Kinderfeuerwehrwart, der selber in der Freiwilligen Feuerwehr Poitzen aktiv ist. Trotzdem lassen sich die Betreuer etwas einfallen: Im Sommer soll es viele Wasserspiele geben. Dafür erhalten die Kinder ihre eigenen Spritzschläuche.

Dem Nachwuchsmangel

entgegenwirken

Auch Bachmann, selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Faßberg, bringt den Kindern die Ausrüstung der Feuerwehr so nah wie möglich. Sie zieht Schritt für Schritt den Schutzanzug an und erläutert die Funktion einzelner Kleidungsstücke. Vieles wissen die Kinder schon, sie melden sich eifrig und ergänzen Bachmanns Beschreibung. Sogar mit Sauerstoffflaschen kennen sich die Kinder aus und können erklären, worauf man achten muss, wenn man Menschen aus einem stark verrauchten Gebäude retten möchte. „Wenn es piept, dann muss man raus. Dann ist der Sauerstoff fast leer“, weiß Frederik.

Die kleinen Einsatzkräfte hören sich gegenseitig zu, nur manchmal müssen sie von einer Betreuerin zur Ruhe aufgefordert werden. Der gelernten Kinderpflegerin Astrid Westerkamp macht die Arbeit mit den Feuersalamandern Spaß. „Wir haben viele Möglichkeiten, schöne Dinge zu unternehmen“, sagt sie. Für den Sommer seien Ausflüge geplant. „Für mich ist die Kinderfeuerwehr eine gute Freizeitaktivität.“

Den Freiwilligen Feuerwehren mangelt es an Nachwuchs. Durch frühe Förderung der Jüngsten, zum Beispiel in den Kinderfeuerwehren, wird versucht, dem entgegen zu wirken. Mit zwölf Jahren können Jugendliche in die Jugendfeuerwehr eintreten – meist zu spät. „Die Kinder suchen sich schon früh ein Hobby. Mit zwölf Jahren haben sie sich schon für den Fußballverein entschieden oder spielen ein Instrument, da hat die Feuerwehr dann keinen Platz mehr“, sagt Wienecke. Auch das hohe Pensum

in den Schulen schränke die Freizeitgestaltung der Kinder zusätzlich ein.

Alle sind

Sieger

Die Feuersalamander sind mit Spaß bei der Sache. Von Nachwuchsmangel ist bei den zurzeit 28 Kindern nichts zu spüren. Rieke Wienecke ist von Anfang an bei der Kinderfeuerwehr Faßberg dabei. „Ich möchte etwas über die Feuerwehr lernen“, sagt die Sechsjährige. Am meisten Spaß machen ihr die Spiele. Auch Martin Hubert ist seit der Gründung ein Feuersalamander. „Ich mache mit, weil mein Freund auch hier dabei ist“, verrät er. Der Sechsjährige möchte jedoch nicht Feuerwehrmann werden, sondern Polizist.

Zum Abschluss der Feuerwehrstunde gibt es für jedes Kind eine Medaille, an der Süßigkeiten befestigt sind. Auf allen Auszeichnungen steht „1. Platz“, so kann sich jeder als Sieger der Spiele fühlen. Ein letztes Mal sammeln sich die Kinder in einem Kreis mit ihren Betreuerinnen. Dellemann beginnt den Schlachtruf der Kinderfeuerwehr. Auf ihr leises „Feuersalamander“ schallt der Betreuerin ein donnerndes „Hurra“ entgegen.

Amelie Thiemann

Von Amelie Thiemann