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Mittendrin Fracking: Industrie setzt auf Transparenz
Mehr Mittendrin Fracking: Industrie setzt auf Transparenz
14:17 22.04.2013
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

In Norddeutschland schlummert ein enormes Potenzial an Erdgas in Schiefergesteinen, das die Industrie mittels des Fracking-Verfahrens fördern will. Dieses wird bereits seit den 60er Jahren in Deutschland angewandt, ist aber höchst umstritten. Kritiker befürchten Umweltschäden wie die Verunreinigung von Grundwasser. Eine breite Protestbasis aus Bauernverbänden, Kommunen, Kirchen und Umweltorganisationen macht Stimmung gegen Fracking, insbesondere in Niedersachsen.

Mit Transparenz will die Erdgasindustrie um mehr Vertrauen in der Bevölkerung werben. Die Technik nütze nichts, wenn Fracking gesellschaftlich nicht akzeptiert werde, sagte Gernot Kalkoffen, Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) bei einer Fachtagung in der Congress Union, zu der rund 700 Wirtschaftsvertreter und Experten kamen. So verfolgt die Industrie das Ziel, umweltverträgliche Frac-Flüssigkeiten einzusetzen, und will die jetzigen Rezepturen im Internet veröffentlichen.

„Die Fracking-Technologie ist in Deutschland verantwortbar“, meinte Kalkoffen. „Wir haben hier die höchsten Sicherheitsstandards.“ So soll es nach einem Vorschlag der Bundesregierung bei der Förderung von Schiefergas eine verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfung geben. Die Wasserbehörden müssen den Projekten zustimmen. Bohrungen in Wasserschutzgebieten sollen ausgeschlossen sein. Ferner will die Industrie Fracking-Projekte wissenschaftlich begleiten lassen.

Auch in Bezug auf Arbeitssicherheit setzt die Erdgasindustrie auf Transparenz und veröffentlicht die Zahl der Arbeitsunfälle und Leckagen an Leitungen. „Jeder dieser Vorfälle ist einer zuviel. Aber wir arbeiten daran, diese Zahl weiter zu reduzieren“, sagte Kalkoffen.

In den USA wird Fracking intensiv bei der Förderung von Schiefergas eingesetzt. Das hat dazu geführt, dass sich das Land bei der Energieversorgung unabhängiger macht und der Gaspreis dort stark gesunken ist. Die Industrie will Ähnliches in Deutschland erreichen – vor dem Hintergrund, dass laut Prognosen die Importabhängigkeit der EU von fossilen Energieträgern steigen wird. „Langfristig sollten wir uns nicht der heimischen Produktion verschließen“, riet deshalb auch Professor Michael Bräuninger, Forschungsdirektor am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts.