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Mittendrin Friedrich der Große als Vorbild
Mehr Mittendrin Friedrich der Große als Vorbild
19:10 23.11.2010
Richard Modrow, 85, war von 1976 bis 1994 Vorsitzender des Rudervereins Hermann-Billung-Vereins Celle. Er war 2-3 Jahre im Landesruderverband und zehn Jahre Vorsitzender im Fachverband Rudern des Bezirkssportverbundes Lüneburg Quelle: Torsten Volkmer
Celle Stadt

Sofort will er wissen, woher man ihn kennt. Er habe sich auch vergewissert, ob man die Reporterin im Hause der CZ kennt, gesteht Richard Modrow. Er sei vorsichtig, manche älteren Menschen hingegen seien leichtgläubig, fügt der 84-Jährige hinzu.

Mit dem ehemaligen DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow möchte Richard Modrow nicht in Verbindung gebracht werden. „Der hat sich in den Kommunismus verabschiedet, seine Eltern in den Westen“, meint der 84-Jährige. Gern sagt der Rentner zu politischen Themen öffentlich klar und deutlich seine Meinung. Seine Devise lautet: „Wenn mich etwas ärgert, meckere ich. Wenn ich etwas nicht weiß, halte ich die Klappe.“ Für Modrow gilt: „Wenn ein Thema öffentlich gemacht ist, möchte ich auch öffentlich reagieren.“ Viele Leserbriefe hat Modrow geschrieben, die in der Celleschen Zeitung veröffentlicht wurden. Zu Fluglärm, Busverkehr oder der Rolle Erika Steinbachs hat er seinen Standpunkt vertreten. Er zeigt den Ordner, der dick gefüllt ist mit Zeitungsausschnitten und Leserbriefen.

Die Stufen in den ersten Stock kann er noch gut gehen. Irgendwie wirkt der schlanke, relativ kleine Mann mit den weißen Haaren noch drahtig. „Wahrscheinlich habe ich gute Gene“, meint er. „Und ich habe mich im Laufe meines Lebens viel bewegt“, erzählt er. Im Prinzip sei er schon ein Optimist. Schließlich gesteht er: „Ich nehme 8 Pillen am Tag, manchmal schwellen die Hände oder die Füße an. Das muss man hinnehmen, damit muss man leben“, stellt der Rentner klar. Vor allem dürfe man den Kopf nicht hängen lassen, das könne die Sache noch verschlimmern.

Beim Blick auf den Computer in seinem Arbeitszimmer stellt der alte Herr gleich klar: „Es ist eine verbesserte Schreibmaschine. was soll ich noch im Internet surfen.“ Gern hält Modrow in seinem Computer Gelesenes mit eigenen Worten fest, oder er notiert Erkenntnisse, die er aus eigenem Erleben gewonnen hat.

Modrow hat ein großes historisches Interesse. Vor allem die Geschichte des 20. Jahrhunderts interessiert ihn sehr. In seinem Bücherregal stehen Bücher über Göring und Goebbels und die Kriegstagebü-cher vom Oberkommando der Wehrmacht. Auch auf einem Tisch liegen Bücher, in denen sich die Autoren mit Themen des Dritten Reiches beschäftigen.

Ihn interessieren Zusammenhänge und verschiedene Sichtweisen, betont Modrow. Über das Dritte Reich möchte er, der in Frankreich bei den Amerikanern und bei den Engländern in Kriegsgefangenschaft war, nicht gern reden, weil ich einer anderen Generation angehöre.

Friedrich der Große

ist sein Vorbild

Modrow interessiert sich auch für Details. Er studiert in der Bibliothek des Oberlandesgerichts Gesetzestexte, die Hager Landkriegsordnung, die Genfer Konvention und die Einigungsverträge.

Friedrich der Große ist Modrows Vorbild. Eine eingerahmte Federzeichnung mit dem Motiv Friedrichs des Großen ziert die Wand in seinem Arbeitszimmer. Sauberkeit, Ordnung, Pflichterfüllung sind für ihn maßgebliche Werte, sagt Modrow.

Mit Herzblut war er 17 Jahre ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins Hermann Billung Celle. Ruderer und Segler sind heutzutage Mitglieder des Vereins, erzählt Modrow. Seit 1948 ist Modrow Mitglied im Verein Hermann Billung Celle. Viele Jahre war er ein begeisterter Ruderer. Im Krieg hat er mit anderen Mitgliedern gerudert. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte er neue Kontakte zu bekommen. „Der Arzt Dr. Waldemar Nebelung hatte damals die Idee, Leute seines Alters zusammenzubringen, um sich körperlich zu betätigen und sich fit zu halten. Dadurch konnte auch Modrow den Kontakt zu anderen ehemaligen Schulkameraden pflegen. „Jeden Sonntag sind wir mit zehn Männern gerudert“, sagt Modrow.

Besonders stolz ist er auf den Neubau des Bootshauses, den er vorangetrieben habe. „Wenn ich meckere, bin ich auch bereit, Verantwortung zu übernehmen“, stellt er klar. Gern erinnert er sich an Fahrten zu deutschen Jugendmeisterschaften nach München oder zu vielen Regatten.

Ruderregatta organisiert und abgewickelt

Die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten hat ihm viel Freude gemacht. Auch hat er gern den Regattaausschuss geleitet. Für die Organisation, die Ausschreibung und die Abwicklung der Ruderregatta war er zuständig. Es sei für ihn ein Erfolgserlebnis, dass die Zahl der Boote, die von den Vereinen gemeldet wurden, von 200 auf 500 gestiegen ist. Auch sei er froh darüber, dass durch den Umbau des Bootshauses das Wachsen der Jugendabteilung von 20 auf 120 Jugendliche erfolgt sei.

Durch berufliches und ehrenamtliches Engagement war Modrows Terminkalender immer sehr ausgefüllt. Verständnis habe er immer bei seiner Ehefrau Liselotte gefunden, mit der er 58 Jahre verheiratet ist. Richard Modrow hat zwei erwachsene Kinder und fünf Enkel.

Mit dem Eintritt in den Ruhestand ging für ihn die Arbeit für den Verein Hermann Billung Celle erst richtig los, sagt Modrow. Bis zum 70. Lebensjahr war er als Hauswart tätig. Dann aber sagte er sich: „Man muss loslassen können.“

Er kümmert sich um

ehemalige Abiturienten

Seit 16 Jahren ist Modrow Sprecher des Seniorenkreises der ehemaligen Abiturienten des Hermann-Billung-Gymnasiums. Ehemalige Abiturienten, die vor 50 Jahren ihr Abitur abgelegt haben, treffen sich einmal im Jahr im Alten Kanal. Modrow pflegt das Mitgliederverzeichnis. Er verschickt Rundschreiben, und er schickt Glückwünsche zu Geburtstagen.

Für seine Kinder hat er aus eigenem Erleben heraus das Leben von Menschen in den 20er und 30er Jahren beschrieben und ihnen quasi als Chronik geschenkt. Demnächst will er seine Biographie schreiben. Vor zehn Jahren habe eine seiner Töchter ihn dazu angeregt. Modrows Motto lautet: „Was ich gesehen habe und auch weiß, möchte ich auch weitergeben.“

Von Anne Marx