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Mittendrin Gemeinwohlökonomie in Adelheidsdorf: "Mensch im Zentrum"
Mehr Mittendrin Gemeinwohlökonomie in Adelheidsdorf: "Mensch im Zentrum"
15:03 27.03.2017
Auf rund 2000 Quadratmetern Lagerfläche bieten Floristikgroßhändlerin Annegret Eckert und ihr Mitarbeiter Andreas Cziczkat Sortiment an.  Quelle: Lothar H. Bluhm
Adelheidsdorf

„Die Beschäftigung mit diesem Thema hat uns zu einer klareren Sicht darüber verholfen, an welchen Stellen wir schon nachhaltig arbeiten und an welchen Stellen wir noch Nachholbedarf haben“, stellt die Adelheidsdorfer Unternehmerin fest. Seit rund zwei Jahren ist der Familienbetrieb dabei, Elemente der Gemeinwohlökonomie anzuwenden.

Dazu wurde ein 14-Punkte-Papier erarbeitet, in dem Beschaffungswesen, Energieversorgung, oder die Gestaltung der Arbeitsplätze ebenso skizziert sind wie Überstundenregelungen, Preistransparenz und Investitionsmöglichkeiten. „Der Mensch wird in das Zentrum des Wirtschaftens gestellt – damit ein gutes Leben für alle ermöglicht wird“, beschreibt Eckert die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie für ihr Unternehmen. „Da steckt sehr viel dahinter.“

Die Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft der SPD im Unterbezirk Celle besuchte kürzlich den Stammsitz in Adelheidsdorf und Vorsitzender Jörg Rodenwaldt stellte fest: „Es ist interessant, einen Betrieb zu sehen, der versucht, die Grundsätze mit Leben zu erfüllen.“ Mitarbeiter seien entsprechend geschult und eine neue Struktur im Betrieb mit einem erweiterten Führungskreis sei aufgebaut worden. „Aufgaben werden stärker delegiert und Selbstverantwortung gefordert. Ökologische Verantwortung und nachhaltiges Beschaffungswesen sind weitere Elemente, die Einzug in die Firmenkultur finden.“

Vor über 70 Jahren gründete Hanns Eckert die Gärtnereibedarfsgesellschaft in Celle. 1987 übernahm Annegret Eckert den Großhandel für Floristik und Dekorationsbedarf und verlagerte das Unternehmen 1988 nach Adelheidsdorf. Auf rund 2000 Quadratmetern Lagerfläche bietet sie ihr Sortiment an. „Der Konzentrationsprozess macht auch vor der grünen Branche keinen Halt“, bedauert die Betriebswirtin und Pädagogin, dass immer mehr kleinere Gärtnereibetriebe und Blumenläden aufgeben. Neben dem Stammsitz gibt es eine Filiale auf dem Blumengroßmarkt in Sehnde und ein Onlinegeschäft.

Gerade hat sich Annegret Eckert mit Unternehmern im Kreis Nienburg ausgetauscht: „Die Bereitschaft zu Veränderungen muss da sein. Der Verzicht auf Produkte, zum Beispiel weil diese umweltschädliche Eigenschaften besitzen, kann Umsatzeinbußen bedeuten. Da ist es sehr wichtig, neue Produkte zu suchen und Produktinnovation mit „grüner“ Perspektive zu betreiben,“ meint Eckert.

Der Begründer der Gemeinwohl-Ökonomie, Christian Felber, spricht morgen um 19.30 Uhr in der Kreuzkirche in Celle.

Von Lothar H. Bluhm