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Mittendrin Geschäftsführerin aus Hambühren reist mit Angela Merkel nach Lateinamerika
Mehr Mittendrin Geschäftsführerin aus Hambühren reist mit Angela Merkel nach Lateinamerika
17:37 03.07.2017
Von Simon Ziegler
Mit der Crème de la Crème der deutschen Wirtschaft in Mexiko und Argentinien: Chriwa-Geschäftsführerin Lizi Christiansen (links) war Teil der Delegation von Kanzlerin Angela Merkel. Mit dabei war auch Siemens-Chef Joe Kaeser. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Hambühren

HAMBÜHREN. Lizi Christiansen, Geschäftsführerin von Chriwa in Hambühren, befürchtete schon, es würde nichts mehr werden mit dem privaten Erinnerungsfoto. In Mexiko, nach Argentinien der zweiten und letzten Station der viertägigen Auslandsreise, jagte ein Termin den nächsten. Treffen mit der Regierung, mit Wirtschaftsvertretern, mit der Auslandskammer. Doch die Kanzlerin vergaß das Foto nicht. Nach dem allerletzten Meeting holte sie sich die Hambührenerin zur Seite. „So, und jetzt machen wir das Foto.“ Lizi Christiansen war perplex – das hatte sie nicht erwartet.

Im Juni war eine deutsche Delegation mit der Kanzlerin nach Argentinien und Mexiko geflogen. Es ging um Klima- und Handelsfragen, außerdem sollte die Reise der Vorbereitung des G20-Gipfels am kommenden Wochenende in Hamburg dienen, hieß es. Teil der Delegation waren Schwergewichte der deutschen Wirtschaft: Die Dax-Konzerne Siemens und Fresenius zum Beispiel. Oder der Bankenverband.

Und mittendrin Chriwa aus Hambühren. „Wir waren mit Abstand die kleinste Firma auf der Reise“, sagt Lizi Christiansen. Als sie vor ein paar Monaten von der Reise erfuhr, hatte sie sich beim Kanzleramt beworben. Dass sie tatsächlich eingeladen wurde, damit hatte die Geschäftsfrau aus Hambühren gar nicht gerechnet.

Die gebürtige Kolumbianerin kam vor 22 Jahren nach Deutschland. Bei Chriwa baute sie das Geschäft mit Lateinamerika aus. Der dortige Markt hat sich in den vergangenen Jahren ziemlich gut entwickelt, heißt es. Chriwa ist in den Feldern Wasser- und Abwasseraufbereitung unterwegs. Die Firmengruppe zählt heute nach eigenen Angaben zu den führenden deutschen Lieferanten für Wasser- und Abwasseraufbereitungsanlagen und ist in mehr als 110 Ländern weltweit aktiv. Auch das Thema Energieerzeugung aus Reststoffen spielt für die Hambührener eine große Rolle. Das Unternehmen hat etwa 200 Mitarbeiter.

Für Chriwa war die Reise mit Merkel wie ein Sechser im Lotto. Der direkte Kontakt zu Regierungsvertretern dürfte in dieser Form so schnell nicht wieder kommen. „Die Wasseraufbereitung ist in diesen Ländern sehr wichtig. Ich konnte zum Beispiel fragen, ob die Wasseraufbereitung Priorität der Regierung ist“, sagt Christiansen. Verträge wurden weder in Argentinien noch in Mexiko geschlossen. Aber es wurden Projekte angeleiert, Kontakte geknüpft – zum Beispiel zu Vertretern von Städten und Regionen, die an Chriwa-Produkten Interesse haben. Im kommenden Jahr auf der Hannover-Messe könnten die Kontakte vertieft werden. Dann ist Mexiko Gastland der Messe. Gut möglich, dass auch die neuen Kontakte zu Siemens und Co. sich einmal in barer Münze auszahlen lassen – wenn zum Beispiel gemeinsame Projekte realisiert werden.

Lizi Christiansen wird die Reise wohl in erster Linie wegen Angela Merkel in Erinnerung bleiben. Chriwa war nicht nur das kleinste Unternehmen, Christiansen war auch die einzige Frau der elf Wirtschaftsvertreter. Für Merkel offenbar ein Grund, sich besonders um die Hambührenerin zu kümmern. Ob im Flugzeug oder am Konferenztisch: Die beiden Damen waren immer dicht beieinander. Die Bundeskanzlerin habe ihr auch immer die Möglichkeit gegeben, ihre Themen anzusprechen, sagt die Chriwa-Geschäftsführerin.

Bei Lizi Christiansen hat die Kanzlerin mächtig Eindruck gemacht. „Sie ist brilliant, wie sie alles managt. Sie antwortet sehr präzise und diplomatisch. Angela Merkel ist eine sehr sachliche und authentische Person, sie will versöhnen“, fasst Christiansen ihre Eindrücke zusammen. Was schon vielen vor ihr aufgefallen ist, war auch für die Geschäftsfrau aus Hambühren beeindruckend: die Energie der Kanzlerin. Ein paar Stunden Schlaf im Flugzeug reichen ihr offenbar, um am folgenden Tag bei Meetings, repräsentativen Terminen oder Diskussionen mit Studenten hellwach zu sein.