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Mittendrin Handwerksfleischer warnen vor Verbrauchertäuschung
Mehr Mittendrin Handwerksfleischer warnen vor Verbrauchertäuschung
16:29 18.06.2012
Innungsobermeister Heiner Kleinschmidt (links) achtet sehr genau auf die Qualit‰t des Fleisches - hier zusammen mit Sohn Jan. - Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle Stadt

„Wo ‚Meisterklasse‘ oder ‚Metzgerqualität‘ draufsteht, muss auch original handwerkliche Leistung drinstecken“, forderte der Landesinnungsmeister der Fleischer, Bernd Schwarze, während der Jahrestagung des Fleischereiverbandes Niedersachsen-Bremen in Celle. Er wandte sich damit gegen Versuche der Lebensmittelindustrie und ihrer Vertriebsschienen über Supermärkte und Discounter, abgepackte Fließbandware mit Begriffen aus dem handwerklichen Sprachgebrauch als vermeintliche Spitzenqualität anzupreisen. „Wir finden, dass die Verbraucher hier oftmals bewusst getäuscht werden.“ Es gebe einen klaren Unterschied zwischen handwerklicher Herstellung und industrieller Produktion, betonte Schwarze.

So würde zum Beispiel Industriekochschinken aus einzelnen Fleischstückchen zusammengemixt, während der Fleischereischinken wirklich ein echter Schinken ist, ergänzt Heiner Kleinschmidt, Innungsobermeister aus Winsen. Aber nicht nur die Qualität der Erzeugnisse sei zu prüfen, sondern der gesamte Produktionsprozess. Schwarze: „Vom Einkauf der Tiere über Transport, Schlachtung, Zerlegung und Herstellung bis hin zum Verkauf im eigenen Laden: Die unmittelbare Verantwortung des Fleischermeisters und seiner Mitarbeiter und die feste Einbindung in die Region können anonyme Industrieprodukte eben nicht bieten.“ Das Ziel des Fleischerhandwerks sei es, dass sämtliche Betreibe, die Fleisch und Wurst anbieten, den Verbraucher „ehrlich informieren“.

Dazu gehöre auch der Tierschutz. Für das niedersächsisch-bremische Fleischerhandwerk hatte dieses Thema bereits vor der verstärkten Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit höchste Priorität. Es seien seit jeher die handwerklich arbeitenden und selbst schlachtenden Fleischermeister gewesen, die direkten Kontakt mit lebenden Nutztieren hätten und die Verantwortung für einen anständigen und würdevollen Umgang mit den Tieren trügen.

Ethische Verpflichtung entspreche in diesem Fall auch der wirtschaftlichen Vernunft, ergänzt Kleinschmidt. Handwerk bedeute auch, dass jede Nachlässigkeit und jede schlechte Behandlung eines Tieres zwangsläufig eine Wertminderung nach sich ziehe und zu Qualitätsminderung der Erzeugnisse führe. „Dies lässt sich mit dem Anspruch der Handwerksfleischereien, den Verbrauchern selbstverständlich nur gesunde und genussreiche Lebensmittel bester Qualität anzubieten, nicht in Einklang bringen“, sagt Kleinschmidt. Das werde auch durch die gute Ausbildung in den 33 Fleischereihandwerksbetrieben im Kammerbezirk Celle und Soltau-Fallingbostel sichergestellt: „Gute Ausbildung ist das A und O!“

Von Lothar H. Bluhm