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Mittendrin Immer mehr Multi-Jobber im Kreis Celle
Mehr Mittendrin Immer mehr Multi-Jobber im Kreis Celle
17:03 29.04.2013
Von Oliver Gatz
Alters-Armut programmiert: Nach einer Untersuchung des Pestel-Instituts suchen immer mehr Menschen im Kreis Celle einen Zweit- oder Dritt-Job, um über die Runden zu kommen. Quelle: Verdi/NGG
Celle Stadt

Die Zahl derjenigen, die neben ihrer Hauptbeschäftigung noch einen Mini-Job als Nebenjob haben, ist in den vergangenen Jahren im Kreis Celle drastisch gestiegen. „Blickt man zehn Jahre zurück, so hat es eine Zunahme von rund 125 Prozent gegeben“, sagt Studienleiter Matthias Günther vom Pestel-Institut in Hannover. Dieses hat im Auftrag der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) das Thema Mini-Job wissenschaftlich untersucht.

Demnach haben 2012 nahezu acht Prozent der Beschäftigten im Kreis Celle sich mit einem 400-Euro-Job nebenher etwas dazuverdient. „Wir haben das Phänomen der Multi-Jobber. Das sind Menschen, die mit dem Geld, das sie in ihrem Hauptjob verdienen, nicht mehr auskommen. Deshalb müssen sie auf einen oder mehrere Nebenjobs ausweichen, um überhaupt noch über die Runden zu kommen", sagt der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Lüneburger Heide, Matthias Hoffmann. „Aus der puren Lust an einer 55- oder 60-Stunden-Woche macht das jedenfalls keiner."

Hoffmann macht für das „Multi-Jobben“ vor allem Niedriglöhne verantwortlich. „Auf der einen Seite werden Stundenlöhne bezahlt, die im Keller sind. Auf der anderen Seite steigen die Lebenshaltungskosten. Das beste Beispiel ist das Wohnen. Hier dreht sich – nicht zuletzt wegen der Heiz- und Nebenkosten – die Preisspirale unaufhörlich nach oben. Da sind Niedrigverdiener gezwungen, nach Feierabend und an den Wochenenden noch einmal zur Zweit-Arbeit zu gehen“, so Hoffmann.

NGG und Verdi fordern deshalb die Bundesregierung auf, noch vor der Bundestagswahl einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro einzuführen. „Wer heute für weniger Geld arbeiten muss, der hat keine Chance, von dem, was er verdient, auch leben zu können“, meint der Geschäftsführer der NGG-Region Hannover, Thomas Bernhard.

Er macht deutlich, dass selbst ein Mindestlohn von 8,50 Euro am Ende gerade einmal für ein Leben reiche, das „haarscharf über dem Hartz-IV-Niveau“ liege. „Alles darunter bedeutet erhebliche Abstriche beim Lebensstandard. Und vor allem auch ‚Ebbe bei der Rente’ – Altersarmut ist so programmiert“, so Bernhard. Auch ein 8,50-Euro-Mindestlohn müsse daher rasch in weiteren Schritten angehoben werden.